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Ultraschall in der Schwangerschaft

Die deutschen Mutterschafts-Richtlinien sehen im Rahmen der allgemeinen Schwangerschaftsvorsorge drei Ultraschall-Untersuchungen vor. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und finden in der Regel um die 10., die 20. und die 30. Schwangerschaftswoche statt.

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Die Schallwellen haben eine so hohe Frequenz, dass sie für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Wenn die Schallwellen auf Körpergewebe treffen, entsteht ein Echo. Das Echo reflektiert die Schallwellen in Richtung Sonde, wo diese Signale aufgefangen werden. Nach der Verarbeitung in einem Computer werden die eingehenden Schallsignale in Echtzeit schwarzweiß auf einem Bildschirm angezeigt.

Was ist Ultraschall?

Verschiedene Arten von Körpergewebe weisen unterschiedliche Dichte auf. Die Schallsignale (Echos), die zur Sonde reflektiert werden, variieren daher je nach Organ- oder Gewebetyp. So weisen beispielsweise Knochen- und Fettgewebe unterschiedliche Echos bzw. Schallsignale auf. Die verschiedenen Gewebe und Organen können daher in der Regel auf den Bildern, die bei der Ultraschalluntersuchung interpretiert werden, voneinander unterschieden werden.

Schädliche Nebenwirkungen von Ultraschall sind nicht bekannt, und es besteht kein Strahlungsrisiko wie beim Röntgen. Langzeitstudien von Kindern, die in der Schwangerschaft Ultraschall ausgesetzt waren, zeigen keine negativen Auswirkungen auf Wachstum, Sprachentwicklung oder körperliche Reifung. Ultraschall hat im Gegensatz zum Röntgen den Vorteil, dass auch Bilder von weichen Organen dargestellt werden können. Luftgefüllte Organe wie Lunge und Darm ergeben jedoch keine zufriedenstellenden Bilder.

Ultraschall der Gebärmutter in der Schwangerschaft

Die Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter in der Schwangerschaft ermöglicht zuverlässige Erkenntnisse über den Fetus und erlaubt es außerdem, Schwangerschaftskomplikationen zu erkennen. In der Schwangerschaft sind Ultraschalluntersuchungen ideal, da das Fruchtwasser in der Gebärmutterhöhle ausgezeichnete Bedingungen für die Übertragung von Schallwellen zum Fetus und zur Plazenta bietet. Der Nutzen der Ultraschalluntersuchung ist stark von der Erfahrung des Untersuchers und nur zu einem geringeren Grad von der Qualität des Geräts abhängig.

Die untersuchenden Ärzte beurteilen den Fetus, die Plazenta und die Menge an Fruchtwasser.

Normale Befunde

Fetus in normaler Position und Größe, mit fetalen Bewegungen, Herztätigkeit und Atembewegungen. Die Untersuchenden erkennen normale Verhältnisse an Kopf, Herz, Lunge, Magen-Darm-Trakt und den vier Gliedmaßen. Die Plazenta befindet sich in normaler Position und zeigt normale Größe und Aussehen. Die Menge an Fruchtwasser ist ausreichend.

Im ersten Trimester der Schwangerschaft sind ca. vier Wochen nach der letzten Menstruation die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft zu erkennen. Ab der fünften Schwangerschaftswoche kann die Position des Embryos bestimmt werden. Ab der sechsten Schwangerschaftswoche ist beim Embryo die Herztätigkeit zu sehen. Anhand der Größe des Embryos wird die Entwicklung der Schwangerschaft beurteilt. Ab dem Zeitpunkt, zu dem der Embryo sichtbar ist, wird die Kopf-Rumpf-Länge zur Beurteilung genutzt, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist. Mehrlingsschwangerschaften sind frühzeitig zu erkennen, was wichtig ist, weil Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften besondere Beobachtung erfordern.

Im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft kann das Wachstum des Fetus anhand der Größe des Kopfs (biparietaler Durchmesser) und Bauchs und der Länge des Oberschenkelknochens (Femur) beurteilt werden. Die wahrscheinliche Schwangerschaftsdauer wird durch die Messung des biparietalen Durchmessers zwischen der 16. und 22. Schwangerschaftswoche bestimmt. Daher findet zu diesem Zeitpunkt auch eine der routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge statt. Nach der 22. Woche lässt sich der Geburtstermin nur noch schwer anhand von Ultraschall bestimmen. Das Geschlecht des Kindes lässt sich erst nach der 14. Woche bestimmen, wird häufig aber erst bei späteren Untersuchungen festgestellt.

Auch die Plazenta lässt sich mit Ultraschall gut untersuchen. Von besonderem Interesse ist dabei, wo sie liegt und ob sie normal funktioniert. Bei den Routine-Ultraschalluntersuchungen wird bei 5–10 % der Schwangeren eine Lage der Plazenta in der Nähe des Muttermunds festgestellt, bei der Geburt haben aber nur noch 0,5 % eine solche sogenannte „Placenta praevia“.

Wann erfolgen Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft?

Die deutschen Mutterschafts-Richtlinien sehen im Rahmen der allgemeinen Schwangerschaftsvorsorge drei Ultraschall-Untersuchungen vor. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und finden in der Regel um die 10., die 20. und die 30. Schwangerschaftswoche statt. Ist die Mutter gesund und verläuft die Schwangerschaft normal, sind keine weiteren Ultraschall-Aufnahmen notwendig. Nicht die Anzahl der Ultraschall-Untersuchungen ist ausschlaggebend für das Entdecken von Auffälligkeiten. Die Aussagekraft der Ergebnisse hängt vielmehr von der Erfahrung der Ärztin oder des Arztes und der Qualität des Schallgerätes ab.

Zeigen sich im Verlauf der Schwangerschaft Auffälligkeiten, die abgeklärt werden müssen, sind zusätzliche Ultraschall-Aufnahmen möglich. Auch in diesem Fall übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten.

Schwangere können auch auf Ultraschall-Untersuchungen verzichten, ohne dass dies Folgen für den Versicherungsschutz hat. Sie müssen diese Entscheidung in der Regel mit einer Unterschrift bestätigen, um die Ärztin oder den Arzt von der Informationspflicht zu entbinden.

Wer das Geschlecht seines Kindes nicht vor der Geburt erfahren möchte, sollte dies rechtzeitig mitteilen. Ab Mitte der Schwangerschaft lässt es sich im Ultraschall erkennen.

Ultraschall-Untersuchungen sind grundsätzlich der ärztlichen Vorsorge vorbehalten und dürfen daher nicht von Hebammen vorgenommen werden.1

Das Verfahren

Bei der Untersuchung gleitet die Ärztin oder der Arzt entweder mit dem Schallkopf über die Bauchdecke oder ein spezieller Schallkopf wird in die Scheide eingeführt (transvaginal). Ultraschall-Untersuchungen über die Bauchdecke sind während der gesamten Schwangerschaft möglich. Der vaginale Ultraschall kommt nur im ersten Schwangerschaftsdrittel infrage, da später das Kind zu groß ist, um von der Scheide aus beurteilt werden zu können.

Bei der transvaginalen Untersuchung liegen Sie auf dem Rücken mit leicht angehobenen Hüften oder auf einem normalen gynäkologischen Stuhl. Die Ultraschallsonde wird mit einem Schutz überzogen und mit Gel bedeckt, bevor sie in die Vagina eingeführt wird. Die Aufnahmen erfolgen unter leichter Drehung des Handgriffs und vorsichtiger Verschiebung der Sonde nach außen/innen und nach oben/unten in der Scheide.

Die Untersuchung durch den Bauch wird ausgeführt, während Sie auf dem Rücken liegen. Um eine bessere Schall- und Bildqualität zu erhalten, wird ein Gel auf den Bauch aufgetragen. Die Ultraschallsonde wird über den Bauch geführt und das Bild vom Untersuchenden auf dem Monitor verfolgt. Die Untersuchungszeit beträgt etwa 10–20 Minuten.

Patientenvorbereitungen

Die Untersuchung ist beschwerdefrei. Ab und zu werden bei der Untersuchung Beeinträchtigungen und Erkrankungen beim Fetus entdeckt, die zu Unsicherheit führen können und die Freude über das neue Kind dämpfen. In solchen Fällen werden Sie ausführlich beraten, ebenso wichtig ist aber eine gute Stütze durch Familie und Freundeskreis.

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft. Köln, 2016. www.familienplanung.de

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln