Warum machen Ärzte Fehler?

Wie alle Menschen machen auch Ärzte hin und wieder Fehler. Allerdings wirken sich die Fehler auf die Patienten aus und können folgenschwere Konsequenzen haben. Es gibt viele Erklärungen für das Auftreten von Fehlern.

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Ärzte mit Patientenkontakt müssen tagtäglich medizinische Probleme lösen, Beobachtungen deuten und Untersuchungen, Therapien und andere Maßnahmen festlegen. In vielen Situationen gibt es keine eindeutige Lösung für ein bestimmtes Problem.

Allgemeinärzte lösen medizinische Probleme oft allein oder zusammen mit dem Patienten, während Ärzte in einem Krankenhaus in der Regel in Teams zusammen arbeiten. Allgemeinärzten fehlt es so einerseits an fachlichen Richtwerten und Krankenhausärzte werden andererseits mit den Meinungen und Berichtigungen durch andere Kollegen konfrontiert. Aber auch Krankenhausärzte müssen Entscheidungen manchmal alleine treffen.

Mangel an Kommunikation

Eine häufige Ursache für ärztliche Fehler ist ein Mangel an Kommunikation. Es kann vorkommen, dass ein Arzt nicht richtig zuhört oder wichtige Informationen vom Patienten übersieht. Arzt und Patient haben oft unterschiedliche Auffassungen eines Krankheitsbildes. Der Patient stellt sich andere Fragen zur Bedeutung von Symptomen und Untersuchungsergebnissen als der Arzt. Es ist Aufgabe des Arztes, Missverständnissen vorzubeugen und sicherzustellen, dass Arzt und Patient einen gemeinsamen Nenner bei der Besprechung des Problems und der zu ergreifenden Maßnahmen finden. Die Schulung in der Kommunikation ist heutzutage ein wichtiger Bestandteil des Medizinstudiums an den meisten Universitäten. Dies bedeutet aber nicht, dass es nicht doch zu Missverständnissen und Kommunikationsproblemen kommen kann.

Fachliche Mängel

Auch wenn ein Arzt eine lange Grundausbildung durchlaufen und gut sieben Jahre auf die Spezialisierung als Allgemein- oder Facharzt hingearbeitet hat, ist auch er nicht unfehlbar. Studien haben gezeigt, dass es große Unterschiede in der fachlichen Kompetenz von Ärzten gibt. Auch wenn gute Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung angeboten werden, garantiert dies nicht eine gleich hohe fachliche Kompetenz aller Ärzte. Während viele Ärzte selbstkritisch sind und sich in der Fachliteratur und in Leitlinien über die neuesten Entwicklungen in ihrem Fachgebiet informieren, sind andere Ärzte der Meinung, dass sie allein wissen, welche Entscheidung richtig ist.

Die Medizin entwickelt sich ständig weiter. Der Umfang der medizinischen Forschung ist auf weltweiter Ebene enorm. Neue Erkenntnisse werden gewonnen und alte Wahrheiten werden verworfen. Für ein hohes fachliches Niveau wird daher vorausgesetzt, dass Ärzte sich immer auf dem Laufenden halten und neue Entwicklungen in Zeitschriften, nationalen Leitlinien, Lehrbüchern und elektronischen Nachschlagewerken verfolgen.

Ärzte beobachten und interpretieren unterschiedlich

Bei der Beurteilung eines Patienten verlassen sich Ärzte auf ihre subjektiven Eindrücke und Empfindungen. Beobachtungen, Eindrücke und deren Verbindung zu einer fachlichen Meinung können von Arzt zu Arzt sehr unterschiedlich sein. Es gibt umfangreiche Studien, die zeigen, dass sich Ärzte bei Beobachtungen untereinander oft nicht einig sind und selbst von Fall zu Fall klinische Beobachtungen unterschiedlich deuten. Wiederholte Untersuchungen und Beurteilungen können zu neuen Schlüssen führen. Je komplizierter die Fragestellung, desto vielfältiger die Einschätzungen der Ärzte. Auch wenn sich die Medizin an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren sollte, basiert vieles in der Medizin nicht auf exakten Wissenschaften, sondern auf subjektiven Beurteilungen und Einschätzungen. Darum ist das Risiko hoch, dass Fehler auftreten.

Unspezifische Krankheiten und unsichere Tests

Viele Krankheiten beginnen im Stillen, können mit der Zeit aber einen schweren Verlauf zeigen. Anfangs können die Symptome vage und unspezifisch sein und auch Befunde von Untersuchungen ermöglichen es dem Arzt nicht immer, rechtzeitig die richtige Diagnose zu stellen. Viele Untersuchungen sind in dieser Phase einer Erkrankung auch noch nicht aussagekräftig. Der Arzt kann dadurch noch keine eindeutigen Schlüsse ziehen. Er wird Sie daher bitten, sich wieder zu melden, wenn es Ihnen nicht besser geht oder neue Symptome auftreten.

Untersuchungen und Tests können nicht nur in der Anfangsphase einer Erkrankung ungenau sein. Viele Tests, die in der Medizin angewandt werden, eignen sich nur eingeschränkt für eine genaue Diagnose. Im Artikel Untersuchungen und Tests sind nicht unfehlbar finden Sie weitere Informationen.

Andere Fehlerquellen

Es gibt viele mögliche Faktoren, die zu ärztlichen Fehlern führen können. Hier werden nur die wichtigsten Fehlerquellen genannt. Fehler können danach eingeteilt werden, ob sie beim Arzt, beim Patienten oder während der Untersuchung selbst entstehen.

Viele Faktoren können einen Arzt beeinflussen. Auch für Ärzte gilt, dass sie einmal einen schlechten Tag haben können.

  • Am Ende eines langen Tages oder nach einer anstrengenden Nachtschicht lässt die Konzentration nach.
  • Ärzte haben manchmal eine vorgefertigte Meinung. Ein Arzt kennt einen Patienten eventuell bereits seit längerem und ist der Meinung, dass der Patient „nervös“ ist. Dadurch wird der Arzt mögliche Symptome mit dieser Nervosität verbinden.
  • Der Arzt hat eine bestimmte Erwartung. Er weiß beispielsweise, dass eine bestimmte Krankheit selten ist und zieht sie darum nicht in Erwägung.
  • Ärzte können voreilige Schlüsse ziehen. Sie nehmen nicht wahr, was sie im Grunde beobachten, sondern interpretieren ihre Wahrnehmung. Und diese Interpretationen können von Arzt zu Arzt unterschiedlich sein.

Fehler können auch durch die Patienten entstehen.

  • Patienten können durch Krankheiten oder Medikamente beeinflusst sein und deshalb nicht in der Lage sein, die Symptome genau zu schildern.
  • Patienten können ein schlechtes Gedächtnis haben oder wichtige Informationen vergessen; sie können ungenaue oder unvollständige Angaben machen.

Fehler können auch während der Untersuchung oder Therapie entstehen.

  • Die Bedingungen im Sprechzimmer oder der Umgebung können die Untersuchung beeinflussen.
  • Auch die Ausrüstung oder Geräte zur Diagnose können fehlerhaft sein.
  • Die Therapie kann falsch sein. Auch wenn die Wahl der Therapie auf wissenschaftlichen Grundlagen basiert, bedeutet dies nicht, dass die Therapie auch für Sie geeignet ist.

Hier finden Sie weitere Informationen

Literatur

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden