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Allergievorbeugung, Ernährungsempfehlungen

Bei einer Allergie handelt es sich um eine Überempfindlichkeit des Immunsystems gegenüber bestimmten Substanzen. Wie Allergien entstehen, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Nichtsdestoweniger gibt es einige Empfehlungen bezüglich der Ernährung und des Stillens, die eine vorbeugende Wirkung gegenüber Allergien haben können.

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Was ist eine Allergie?

Als Allergie bezeichnet man eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) des körpereigenen Immunsystems gegenüber bestimmten Stoffen, mit denen der Körper beispielsweise über die Luft oder die Nahrung in Kontakt kommt. Diese Substanzen, die bei gesunden Personen keine gesundheitlichen Probleme verursachen, bezeichnet man als Allergene.

Wie Allergien entstehen, ist nicht endgültig geklärt. Ein nachgewiesener Faktor für die Entstehung einer Allergie ist eine erbliche Veranlagung. Die Häufigkeit von Allergien in der Familie, die Art und der Schweregrad sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Ein Kind hat ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Allergien, wenn beide Eltern oder ein Elternteil und eines der Geschwister allergische Erkrankungen haben. Dennoch treten Allergien auch ohne vorherige Fälle in der Familie auf. Als weitere Faktoren werden Tabakrauch, eine gestörte Hautbarriere und Stress diskutiert.

Empfehlungen zur Vorbeugung einer Allergie

Die Entstehung einer Allergie lässt sich, insbesondere in Familien mit häufigen allergischen Erkrankungen, nicht sicher verhindern. Es gibt jedoch einige Empfehlungen der Fachgesellschaften, um dem Auftreten einer Allergie entgegenzuwirken. Diese basieren auf zahlreichen wissenschaftlichen Studien.

Ernährung während der Schwangerschaft

Bei Schwangeren wird eine normale, ausgewogene und vollwertige Ernährung empfohlen. Von Beschränkungen mit Vermeidung bestimmter Lebensmittel für die Mutter wird während der Schwangerschaft abgeraten. Es gibt allerdings Hinweise, dass Fisch in der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft einen günstigen Effekt hat.

Im Hinblick auf Allergien gibt es keine Anhaltspunkte, um spezielle Ernährungsempfehlungen für Schwangere geben zu können. Es wird eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung empfohlen.

Stillen

Muttermilch ist die beste Nahrung für den Säugling. Allen Müttern wird daher empfohlen, das Kind für die ersten 4 Lebensmonate voll zu stillen. Neben einer geringeren Wahrscheinlichkeit für allergische Erkrankungen hat Stillen viele weitere Vorteile für Mutter und Kind.

Bezüglich eines Allergierisikos wird empfohlen, das Kind zu stillen.

Ernährung bei Müttern in der Stillzeit

Es wird davon abgeraten, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Müttern wird eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung empfohlen. Ein positiver Effekt konnte für Fisch während der Schwangerschaft und Stillzeit nachgewiesen werden.

Empfohlen wird den Müttern eine ausgewogene Ernährung während der Stillzeit ohne Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel.

Milchersatzprodukte

Bei Hochrisikokindern, bei denen Muttermilchersatz oder -ergänzung notwendig ist, kommt es seltener zu Allergien, wenn die Kinder in den ersten 4 Monaten ein Milchersatzprodukt erhalten, das aus hydrolysiertem Protein (Casein- oder Molkehydrolysat) besteht. Kindern, die nahe Angehörige (Eltern/Geschwister) mit schweren Allergien haben, kann nach einer ärztlichen  Untersuchung diese hydrolysierte Säuglingsnahrung verschrieben werden. Säuglingsnahrung auf Sojabasis wird zur Allergieprävention nicht empfohlen.

Entsprechend den Empfehlungen kann bei Kindern aus Risikofamilien Milchersatz auf Basis hydrolysierter Säuglingsnahrung verschrieben werden.

Einführung von Beikost

Die gängige Empfehlung ist eine zusätzliche Beikost ab dem vollendeten 4. Lebensmonat. Dies sollte aus Gründen der Allergieprävention nicht verzögert werden, da die Kinder einen höheren Nahrungsbedarf haben. Auf bestimmte Nahrungsmittel in der Kost des Kindes zu verzichten, wird nicht empfohlen. Mögliche Allergene schon vor dem vollendeten 4. Lebensmonat in die Ernährung einzuführen, hat ebenfalls keinen nachgewiesenen Effekt auf die Entstehung von allergischen Erkrankungen. Hingegen hat sich gezeigt, dass Fisch in der Beikost im 1. Lebensjahr einen schützenden Effekt vor atopischen Erkrankungen, wie z. B. Asthma, hat.

Die Einführung von Beikost nach vollendetem 4. Lebensmonat sollte nicht verzögert werden. Die Meidung bestimmter Nahrungsmittel wird nicht empfohlen. Es gibt jedoch eine Empfehlung für Fisch als Teil der Beikost.

Körpergewicht

Es gibt Belege, dass die Häufigkeit für Asthma bei Kindern mit einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) assoziiert ist. Abgesehen davon ist Übergewicht und Fettleibigkeit mit vielen anderen Erkrankungen verknüpft.

Empfohlen wird auch aus Gründen der Allergieprävention, Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern zu vermeiden.

Weitere Empfehlungen

Neben der Ernährung gibt es einige weitere Faktoren, die beachtet werden können, um das Risiko für die Entstehung einer Allergie zu verringern.

Die Haltung von Haustieren beispielsweise trägt nicht zu einem höheren Allergierisiko bei. Lediglich in Familien mit häufigen allergischen Erkrankung wird empfohlen, auf Katzen als Haustiere zu verzichten. Hunde scheinen nicht zu einem vermehrten Auftreten von Allergien beizutragen.

Einige Umweltfaktoren wurden zudem genauer untersucht. Innenräume mit hoher Luftfeuchtigkeit und wenig Lüftung tragen zum Auftreten von Schimmelpilzen und dadurch zur Entstehung von Allergien bei. Auch die Wirkung von Hausstaubmilben kann in manchen Fällen durch bestimmte Maßnahmen, wie spezielle Matratzenüberzüge, verringert werden. Mehrere Studien haben belegt, dass das Risiko für Allergien und insbesondere Asthma durch Tabakrauch deutlich erhöht wird. Rauchen in Gegenwart des Kindes sollte daher auch deshalb vermieden werden.

Impfungen tragen nicht zu einem erhöhten Allergierisiko bei. Es gibt sogar Hinweise, dass sie das Risiko für das Auftreten allergischer Erkrankungen senken können. Alle Kinder, auch aus Risikofamilien, sollten daher nach den allgemeinen Impfempfehlungen geimpft werden.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Jonas Klaus, Arzt, Freiburg i. Br.