Zum Hauptinhalt springen

Herpeskeratitis (Hornhautentzündung)

Unter den Hornhauterkrankungen gilt die Herpeskeratitis als die häufigste Ursache für eine schwere Beeinträchtigung des Sehvermögens oder Blindheit.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Willkommen auf unseren Patientenseiten!

Wir freuen uns, dass Sie sich für die aktuellen und unabhängigen Informationen von Deximed interessieren. Sie können sich kostenlos auf allen Patientenseiten umschauen. Eine Übersicht aller Themen finden Sie unter https://deximed.de/patienten .

Ärzt*innen empfehlen wir unsere unabhängigen Arztinformationen zu allen relevanten Themen der Hausarztmedizin.

Gutes Arbeiten mit Deximed!

Mehr Infos für Ärzt*innen!

Was ist Herpeskeratitis?

Man unterscheidet zwei Formen der Hornhautinfektion. Die häufigste Form ist eine oberflächliche Hornhautinfektion, die epitheliale Keratitis oder Keratitis dendritica. In manchen Fällen erstreckt sich die Infektion auf die tieferen Teile der Hornhaut, es entsteht eine so genannte stromale Keratitis oder Keratitis disciformis. Keratitis bedeutet Infektion der Hornhaut.

Herpeskeratitis ist eine Infektion der Hornhaut, die durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) verursacht wird. Es ist dasselbe Virus, das Fieberbläschen auf den Lippen (Lippenherpes) verursachen kann. Das Herpesvirus ist die häufigste Ursache für Infektionen der Hornhaut. Eine Infektion kann bei Neugeborenen auftreten (neonatale HSV-Infektion), als Ersterkrankung (primäre HSV-Infektion) und als wiederkehrende Erkrankung (rezidivierende HSV-Infektion). Die Krankheit greift das Auge auf unterschiedliche Weisen an, jedoch in erster Linie als eine Infektion der Hornhaut. Andere Bereiche des Auges, die angegriffen werden können, sind die Augenlider (Blepharitis), die Bindehaut (Konjunktivitis), die Regenbogenhaut (Iritis) und die Netzhaut (Retinitis).

Häufigkeit

Im Zusammenhang mit Hornhauterkrankungen gilt Herpeskeratitis als die häufigste Ursache für eine schwere Beeinträchtigung des Sehvermögens in der westlichen Welt. In den meisten Fällen ist nur ein Auge betroffen. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt in Deutschland bei ca. 12 pro 100.000 Personen. Weltweit werden jährlich insgesamt 1,5 Mio. neue Erkrankungsfälle gezählt und 40.000 neue Erkrankungen mit Sehverschlechterung oder Erblindung. 90 % der Personen im mittleren Lebensalter haben sich bereits mit dem HSV-1-Virus infiziert und Antikörper gebildet. Nur weniger als 5 % der Erstinfektionen mit HSV betreffen die Augen.

Ursachen

Die Ursache ist eine Infektion mit dem Herpesvirus. Die meisten gesunden Erwachsenen sind bereits infiziert Virusträger*innen. Sie haben das Virus im Körper, ohne daran zu erkranken. Häufig infiziert man sich bereits als Kind und macht dann eine sog. Primärinfektion durch, bei der in der Regel sehr harmlose Symptome auftreten, ungefähr wie bei einer Erkältung. Nach der Primärinfektion geht das Virus in einen „Ruhezustand" über, die Krankheit kann aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausbrechen. Im Falle der Herpeskeratitis sitzt das Virus in einem Nervenzellkörper nahe dem Auge (im Ganglion trigeminale) und wird bei Reaktivierung entlang des Nervenstrangs zur Hornhaut transportiert.

Insbesondere wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann die Infektion erneut ausbrechen. In der Literatur sind einige Faktoren beschrieben, die das Auftreten einer Herpeskeratitis begünstigen:

  • verschlechterter Allgemeinzustand
  • Diabetes mellitus
  • ultraviolettes Licht
  • Trauma
  • Kontaktlinsen
  • psychischer Stress
  • Menstruation
  • lokale oder systemische Immunsuppression
  • HIV und AIDS
  • Fieber.

Symptome

Bei der Herpeskeratitis entstehen Schmerzen im Auge. Sie sind nicht bei allen sehr stark, da gleichzeitig eine verminderte Empfindlichkeit der Hornhaut auftreten kann. Andere typische Symptome sind Lichtempfindlichkeit, tränende Augen sowie Sehstörungen. Meistens ist nur ein Auge betroffen. Möglicherweise treten an anderer Stelle (Mundbereich oder Genitalien) weitere Herpesläsionen auf.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand der typischen Veränderungen der Hornhaut gestellt und erfordert eine augenärztliche Untersuchung. Typisch sind Bindehautinjektionen und eine verminderte Sensibilität der Hornhaut. Eine wichtige Untersuchungsmethode ist die Fluoreszinfärbung. Hierbei wird ein spezieller Farbstoff in das Auge geträufelt, der sich in den kleinen Verletzungen der Hornhaut sammelt. In der Regel sind die Veränderungen in Form von besonderen Verzweigungsmustern (Keratitis dendritica) leicht zu erkennen. Häufig ist die Infektion auf die äußere Schicht der Hornhaut begrenzt, sie kann aber gelegentlich auch tiefer in die Hornhaut reichen (stromale Keratitis).

Therapie

Das Ziel der Behandlung ist es, die Infektion zu stoppen und die Entzündung in der Hornhaut sowie die Schmerzen zu dämpfen. Außerdem soll die Krankheitsdauer verkürzt sowie Rückfalle und Spätfolgen verhindert werden.

Eine wichtige Behandlungsmaßahme ist die Anwendung von antiviralen Medikamenten wie Aciclovir, Ganciclovir oder Trifluridin. Die Wirkstoffe stehen in Form von Augentropfen, Gel oder Tabletten zur Verfügung. Je nach Schwere des Krankheitsbildes dauert die Therapie 7 Tage oder auch mehrere Wochen. Bei einer stromalen Keratitis werden zusätzlich lokale Steroide verordnet. In diesen Fällen wird der Heilungsverlauf augenärztlich mithilfe der Spaltlampe untersucht und dokumentiert. Eine neuere Studie beschreibt den Einsatz von Tacrolimus als sinnvoll, das Medikament ist in Deutschland jedoch bisher nicht zur Therapie der Herpes-simplex-Keratitis zugelassen.

Eine Hornhauttransplantation ist in einigen seltenen Fällen nötig, wenn sich große Narben gebildet haben, die das Sehvermögen beeinträchtigen. Eine Voraussetzung für den chirurgischen Eingriff ist eine Herpesinfektion, die über einen langen Zeitraum inaktiv war.

Prävention

Die vorbeugende Behandlung mit Aciclovir-Tabletten kann bei Patient*innen mit häufig wiederkehrender Herpeskeratitis angebracht sein. Eine derartige Behandlung sollte mindestens ein Jahr dauern. Kurzzeitige Behandlungen (Wochen) haben keinen vorbeugenden Effekt.

Prognose

Die oberflächliche Form der Hornhautentzündung heilt innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. In einer Studie ging die Infektion bei 89 % der ansonsten gesunden Betroffenen nach einer Woche vorüber, bei 99 % nach zwei Wochen. Eine Heilung ist prinzipiell auch ohne therapeutische Intervention möglich, allerdings verlängert sich dann die Krankheitsdauer. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind langanhaltende Verläufe möglich mit erhöhter Gefahr von Augenschäden.

Bei stromaler Keratitis kann die Entzündung langwierig sein, da die Hornhaut nicht mit Blut versorgt wird und daher nur langsam heilt. Der Erkrankung ist mit einem höheren Risiko der Narbenbildung auf der Hornhaut verbunden. Andere mögliche Komplikationen sind Gewebedestruktion, Gefäßneubildungen, Glaukom und persistierenden oberflächliche Defekte. Die Heilung kann Wochen bis Monate dauern. In Einzelfällen kann es zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, evtl. zum Erblinden, kommen.

Die Herpeskeratitis ist eine Augeninfektion, die tendenziell wiederkehrt. 1 von 3 Betroffenen erkrankt innerhalb von 2 Jahren erneut. Es werden augenärztliche Kontrolluntersuchungen empfohlen.

Was sollten Betroffene wissen?

  • Achten Sie auf eine gute Handhygiene.
    • Kontaktlinsenträger*innen mit Lippenherpes sollten streng darauf achten, dass Kontaktlinsen nicht mit dem Virus kontaminiert werden: Hände gründlich waschen, vor Einsetzen der Kontaktlinsen frisches Handtuch verwenden.
  • Stellen Sie sich sofort augenärztlich vor, wenn eine Sehverschlechterung auftritt.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion und prophylaktischer Therapie können regelmäßige Laborkontrollen mit Bestimmung der Nierenwerte und des Blutbildes indiziert sein.
  • Medikamentöse Wechselwirkungen sind möglich.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Ärztin, Berlin