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Sehstörungen, Flecken und Flimmern

Sehstörungen beschreiben eine nicht normale visuelle Wahrnehmung, z.B. Schatten und Flecken im Gesichtsfeld oder ein Flimmern vor den Augen.

Zuletzt überarbeitet:



Was sind Sehstörungen?

Sehstörungen sind Abweichungen bei der visuellen Wahrnehmung. Es gibt viele verschiedene Arten von Sehstörungen:

  • Schatten und Flecken im Gesichtsfeld
  • verschwommenes oder unscharfes Sehen
  • Flimmern vor den Augen
  • Doppelbilder
  • Blitze.

Diese Sehstörungen können entweder nur vorübergehend auftreten oder über lange Zeit persistieren. In vielen Fällen sind sie harmlos, manchmal deuten sie auf ernsthafte Erkrankungen hin oder können im weiteren Verlauf auch zu Sehverlust führen.

Der visuelle Sinneseindruck läuft durch die Hornhaut, die Linse, den Glaskörper und die Netzhaut weiter über den Sehnerv ins Gehirn (siehe Illustration). Bei Krankheiten, Verletzungen oder altersbedingten Veränderungen in einem Teil dieses Sehapparats kommt es zu Sehstörungen. Es können zwei Arten von Sehstörungen unterschieden werden, je nach Ort der Ursache: Bei peripheren Sehstörungen ist das Auge selbst betroffen, bei zentralen Sehstörungen ist die Verarbeitung der Information im Gehirn beeinträchtigt.

Anzeichen für eine schwere Augenerkrankung

  • Rasches Einsetzen und starke Beeinträchtigungen des Sehvermögens
  • Regenbogenfarben um Lichtquellen und vorhangartige Schatten

Was kann die Ursache sein?

Flecken oder Schatten

Mouches volantes („fliegende Mücken“ im Gesichtsfeld)

  • Manchmal wahrgenommene, bewegliche kleine Punkte, Flecken oder fadenartige Strukturen im Gesichtsfeld
  • Tritt häufig in Verbindung mit Kurzsichtigkeit auf.
  • Werden vermutlich durch kristalline Ablagerungen im Augenglaskörper hervorgerufen.
  • Bei akutem Auftreten und starker Ausprägung können sie bei rund 10 % der Betroffenen Symptom einer Netzhautablösung sein. Noch höher ist dieses Risiko, wenn gleichzeitig das Sehvermögen beeinträchtigt ist und zusätzlich Blitze auftreten.
  • Mögliches Symptom bei einer entzündeten Augenhaut (Uveitis)
  • Meist ist keine Behandlung notwendig.
  • Bei sehr störenden Mouches, kann entweder der Glaskörper entfernt werden (Vitrektomie) oder eine Auflösung der Flecken mit einem Laser versucht werden.

Rußregen, Schleier, „Vorhang"

  • Frühes Symptom einer Netzhautablösung
  • Häufig im Sichtfeld, das nicht fixiert wird (das periphere Gesichtsfeld ist betroffen).
  • Fixierte Objekte werden initial noch gut gesehen (das zentrales Gesichtsfeld ist intakt).

Flimmern und Blitze

Netzhautablösung

  • Schlechtes Sehen, Lichtblitze, Schatten oder Schleier vor den Augen können auf eine Netzhautablösung hinweisen.
  • Die Erkrankung erfordert sofortige Behandlung.
  • Es droht dauerhafter Sehverlust bei später Diagnose und Therapie.

Migräne

  • Beidseitige Wahrnehmung von Flimmern und gezackten Formen, gefolgt von einseitigem Kopfschmerz.

Niedriger Blutdruck (orthostatischeDysregulation)

  • Kann Flimmern vor den Augen auslösen.
  • Verursacht evtl. gestörtes Farbsehen und ggf. vorübergehenden Verlust des Sehvermögens.

Gesichtsfeldausfälle

  • Können vielfältige Ursachen haben und bleiben für Betroffene häufig unbemerkt:
    • Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom)
    • altersbedingte Makuladegeneration
    • Schlaganfall
    • Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
    • Druckschädigungen der Sehbahn.

Verschwommensehen

  • Verschwommensehen ein- oder beidseitig kann auf einer schlechten Korrektur einer Fehlsichtigkeit beruhen. Möglicherweise brauchen Sie eine (neue) Brille.
  • Eine Eintrübung der Augenlinse (Katarakt) beginnt mit Verschwommensehen und Visusverschlechterung, häufig zusammen mit einer Blendungsemfindlichkeit.
  • Störung der Nah- und Ferneinstellung
    • durch Antiepileptika oder anderen Medikamenten
    • durch Alkohol und Toxine
    • durch neurologische Erkrankungen
  • Einseitiges Verschwommensehen (morgens) bei Zentralvenenthrombose
  • Wie „Sicht unter Wasser" bei Glaskörperabhebung
  • Einseitig getrübte Sicht bei Glaskörperblutung
    • Häufig mit rötlich verfärbten Bereichen, die sich rasch wieder normalisieren.
    • unterschiedlicher Verlauf: leichte Symptome mit wenigen Punkten im Gesichtsfeld bis hin zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Sehvermögens
    • meist bei Patient*innen mit Diabetes mellitus

Doppelbilder

  • Plötzlich auftretende Doppelbilder können auf Gefäßerkrankungen, Tumore oder entzündliche Veränderungen im Gehirn hinweisen. 
  • Nach Alkoholgenuss oder anderen Noxen können vorübergehende Doppelbilder auftreten.
  • Doppelbilder nach einem Trauma deuten auf eine knöcherne Verletzung der Augenhöhle hin.
  • Bei entzündlichen Erkrankungen der Schilddrüse kann es zu Doppelbildern kommen.
    • z. B. bei Morbus Basedow
  • Manchmal ist die Ursache für Doppelbilder eine ausgeprägte Müdigkeit.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

  • Jede neu aufgetretene Sehstörung sollte möglichst umgehend augenärztlich abgeklärt werden.
  • Kleinere Flecken im Gesichtsfeld sind oft ein harmloses Phänomen. Es ist dennoch ratsam, eine ärztliche Untersuchung durchführen zu lassen.

Untersuchungen

Bei Hausätzt*innen:

  • Orientierende Sehschärfenbestimmung mit einer Sehtafel
  • Orientierende Gesichtsfeldbestimmung mithilfe der Finger
  • Inspektion der Augen mit Beurteilung von Hornhaut und Bindehaut
  • Inspektion der Pupille bei gedämpftem Licht
  • Orientierende Tastuntersuchung der Augen
  • Pupillenreflex
  • Lichtreaktion und Naheinstellung der Pupillen
  • Augenfolgebewegungen
  • Doppelbilder.

Hinzu kommt je nach Verdachtsdiagnose eine allgemeine körperliche Untersuchung, evt. mit Bestimmung von Blutdruck, Temperatur und Blutwerten.

Bei Augenärzt*innen erfolgt eine gründliche Untersuchung des gesamten Auges. Dazu gehört z. B. eine Augenspiegelung oder die Messung des Augeninnendrucks.

Weitere Informationen

Illustrationen

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin