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Anämie (Blutarmut)

Anämie ist die Fachbezeichnung für Blutarmut. Von Blutarmut spricht man, wenn das Blut weniger roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) enthält, als es normalerweise der Fall ist. Für eine Anämie gibt es unterschiedliche Ursachen. Die häufigste Ursache ist eine Eisenmangelanämie.

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Fakten

 

Was ist eine Anämie?

Definition

Eine Anämie bedeutet, dass sich zu wenig Hämoglobin (Hb) im Blut befindet. Hämoglobin ist ein Stoff, der für den Sauerstofftransport im Blut zuständig ist. Die Menge an Hämoglobin wird bei Blutuntersuchungen als Hb-Wert angegeben. Der Normalwert für Hämoglobin variiert je nach Alter und Geschlecht. Es gibt eine Vielzahl an Ursachen, weswegen das Hämoglobin im Blut abnimmt und zu einer Anämie führt.

Symptome

Häufig treten Erschöpfung, Schwindel, schlechte Konzentration und eine geringere Leistungsfähigkeit auf. Manchmal fällt das Atmen bei Anstrengung schwerer, und es kommt zu „Herzstolpern“ oder Herzrasen, die Hautfarbe ist blasser. In seltenen Fällen kann es zu einem Zungenbrennen kommen, die Mundwinkel einreißen und die Nägel spröde werden. In bestimmten Fällen können auch vermehrt Blutergüsse auftreten, ohne dass man sich an eine Verletzung erinnern kann. Bei Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt kann ein schwarzer Stuhlgang beobachtet werden. Bei Blutungen im unteren Magen-Darm-Trakt können sich frische Blutbeimengungen im Stuhlgang zeigen.

Häufige Ursachen

  • Eisenmangelanämie
    • Ist der häufigste Grund einer Anämie. Etwa 20 % der europäischen Frauen leiden darunter.
    • Eisen ist ein wichtiger Bestandteil des Hämoglobins und daher mitverantwortlich für den Sauerstofftransport im Blut.
    • Lange und starke Regelblutungen können durch den Eisenverlust eine Anämie verursachen.
    • V. a in der Schwangerschaft und Stillzeit kann es durch den höheren Bedarf an Eisen zu einer Eisenmangelanämie kommen.
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt
    • Blutungen im Magen-Darm-Trakt können durch den Blutverlust eine Anämie verursachen
    • Ein häufig unbemerkter Blutverlust über einen längeren Zeitraum, z. B. durch Hämorrhoiden, Magengeschwüre, Divertikel oder Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen), kann ebenfalls zu einer chronischen Blutungsanämie führen.
  • Vitamin-B12-Mangel
    • Vor allem Veganer*innen sind von diesem Mangel betroffen, da Vitamin-B12 in vielen tierischen Produkten vorkommt und einen wichtigen Bestandteil bei der Blutbildung darstellt. Auch bei übermäßigem Alkoholkonsum kann ein Vitamin-B12-Mangel auftreten.
  • Anämie bei chronischen Erkrankungen
    • die zweithäufigste Ursache nach der Eisenmangelanämie
    • Aufgrund von bestimmten Entzündungsparametern kommt es zu einer Anämie ohne echten Eisenmangel, aber mit schlechter Eisenverwertung, z. B. bei chronischen Infekten und Darmerkrankungen, Herzschwäche, Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit.
  • Anämie bei Kindern
    • Kinder haben bei einer Infektion und Fieber häufig eine Blutarmut. Wie ausgeprägt die Blutarmut ist, hängt u. a. von der Länge und Schwere der Krankheit ab. Diese Art von Blutarmut wird nicht durch einen Eisenmangel verursacht. Der Hb-Wert normalisiert sich eigenständig, sobald die Erkrankung vorüber ist. Diese Form der Anämie wird meistens gar nicht erkannt, wenn der Infekt von kurzer Dauer ist.

Seltene Ursachen

  • Trauma mit Blutverlust
    • Durch einen Unfall kann es zu einem großen Blutverlust kommen, was auch einer Anämie entspricht.
    • Auch durch eine Operation kann ein großer Blutverlust auftreten.
  • Knochenmarkserkrankungen
    • Erkrankungen, die die Blutbildung beeinträchtigen (z. B. Leukämien) können zu einer Anämie führen.
  • Verschiedene Medikamente können in manchen Fällen zu Anämien führen, z. B. Antibiotika (Penicillin und Cephalosphorine) oder Medikamente in der Krebstherapie.
  • Virale Infektionen (z. B. Malaria, Pfeiffer-Drüsenfieber, Hepatitisviren und das Zytomegalievirus können eine Anämie verursachen.
  • Es gibt auch angeborene Erkrankungen, die die Bildung von roten Blutkörperchen beeinträchtigen (z. B. Thalassämie, Sichelzellkrankheit).

Häufigkeit

  • Etwa 2 % der in Hausarztpraxen Behandelten haben eine Anämie.
  • Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Form der Anämie (bis zu 80 % aller Anämiefälle).
  • Das Auftreten einer Anämie erhöht sich mit dem Alter.

Untersuchungen

Im Anamnesegespräch werden Ihnen verschiedene Fragen gestellt, um die Ursache Ihrer Beschwerden besser eingrenzen zu können.

Es erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der u. a. auch der Bauch abgetastet und u. U. der After und Enddarm untersucht wird, wenn ein Blutverlust über den Magen-Darm-Trakt vermutet wird.

Eine Blutentnahme zur Bestätigung und Einschätzung der Anämie wird durchgeführt. Hier können sich auch Hinweise auf den Ursprung der Anämie zeigen, wie z. B. ein Vitamin-B12-Mangel oder eine Eisenmangelanämie.

Zusätzlich wird zur Bestimmung eines möglichen chronischen Blutverlustes über den Magen-Darm-Trakt ein Abstrich einer frischen Stuhlprobe durchgeführt und auf verborgenes (okkultes) Blut untersucht (FOB-Test).

Je nach Verdachtsdiagnose der Anämie können weitere Untersuchungen bei spezialisierten Ärzt*innen notwendig werden (z. B. Magen-Darm-Spiegelung).

Behandlung

  • Die Behandlung der Anämie richtet sich nach ihrer Ursache.
  • Bei der häufigsten Anämieform, der Eisenmangelanämie, spielt die Zufuhr von bestimmten Lebensmitteln eine wichtige Rolle, da Eisen mit der Nahrung aufgenommen wird. Wenn die Nahrung zur Besserung der Anämie nicht ausreicht, kann Eisen in Form von Tropfen oder Tabletten zugeführt werden. Bei sehr schwerem Mangel kann auch eine Eiseninfusion Abhilfe schaffen.
  • Bei sehr starker Menstruationsblutung kann über eine hormonelle Verhütungsmethode nachgedacht werden, die die Menstruation reduziert.
  • Bei chronischen Erkrankungen oder Infekten bessert sich die Anämie sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt wurde.

Prognose

Die Prognose richtet sich nach der Ursache der Anämie. Im der Falle einer Eisenmangelanämie ist die Prognose sehr gut bei entsprechender Behandlung.

Weitere Informationen

Autorin

  • Natalie Anasiewicz, Dr. med, Ärztin, Davos

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Anämie bei Erwachsenen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Goddard AF, James MW, McIntyre AS, et al. Guidelines for the management of iron deficiency anaemia. Gut 2011;60:1309-1316. www.ncbi.nlm.nih.gov 
  2. Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH). Eisenmangelanämie. AWMF-Leitlinie Nr. 025-021, Stand 2021. www.awmf.org 
  3. Zaiden R. Assessment of anaemia. BMJ Best Practice. Last reviewed: 9 Dec 2021; last updated: 02 Nov 2021 bestpractice.bmj.com 
  4. Matti A, von Haehling S, Jelkmann W et al. SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie. Anämie- und Blutmanagement: Neubewertung in verschiedenen Indikationen. Dtsch Arztebl 2017; 114(48): 29; DOI: 10.3238/PersOnko/2017.12.01.07 DOI 
  5. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2022. Stand 17.09.2021; letzter Zugriff 10.01.2022. www.dimdi.de 
  6. Bundesärztekammer (BÄK). Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. Gesamtnovelle 2020 in der vom Vorstand der Bundesärztekammer auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats am 21.08.2020 beschlossenen Fassung. www.bundesaerztekammer.de