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Thrombozytose

Thrombozyten (Blutplättchen) haben die Aufgabe, Wunden zu verschließen, indem sie an der Bildung von Blutgerinnseln mitwirken. Ist ihre Anzahl im Blut zu hoch, sprechen Ärzt*innen von einer Thrombozytose.

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Was ist eine Thrombozytose?

Definition

Bei einer Thrombozytose befinden sich zu viele Thrombozyten (Blutplättchen) im Blut (mehr als 450.000 pro µl Blut).

Bei einer primären Thrombozytose ist eine vermehrte Produktion im Knochenmark die Ursache der Zellvermehrung. Bei einer sekundären Thrombozytose sind die Blutplättchen als Reaktion auf eine zugrundeliegende Erkrankung, z. B. eine Infektion, vermehrt.

Symptome

Eine sekundäre Thrombozytose macht häufig keine speziellen Beschwerden und wird deshalb oft zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt. Allerdings kann die zugrunde liegende Erkrankung, die die Thrombozytose verursacht, Symptome auslösen, z. B. Rheuma, chronische Infektionen oder Autoimmunerkrankungen.

Symptome, die auf eine primäre Thrombozytose hindeuten können, sind:

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • eine schmerzhafte Überwärmung und Rötung an Handflächen, Fußsohlen, Unterschenkel
  • Thrombose/Thromboembolie
  • Blutungsneigung

Ursachen

Die Erkrankung kann Folge einer Grunderkrankung sein (sekundäre Thrombozytose) oder durch eine unkontrollierte Vermehrung von bösartigen Thrombozyten-Vorläuferzellen im Knochenmark hervorgerufen werden (primäre Thrombozytose). Sehr selten ist eine Thrombozytose erblich bedingt (familiäre Thrombozytose).

Die sekundäre Thrombozytose ist bei Weitem die häufigste Ursache. Sie kann vorübergehend auftreten bei:

  • akuten Infektionen
  • akuten Entzündungen
  • Blutungen
  • als Gegenreaktion auf eine zu niedrige Thrombozytenzahl
  • Verletzungen
  • nach einer Operation
  • körperlicher Anstrengung

Zu einer länger anhaltenden sekundären Thrombozytose kommt es bei:

Häufigkeit

Bei etwa 2 von 100 der Patient*innen, die älter als 40 Jahre sind, wird eine Thrombozytose festgestellt. Zu 80–90 % handelt es sich um eine sekundäre Thrombozytose, die im Rahmen einer anderen Erkrankung auftritt. Eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks ist bei 0,5–2 von 100.000 Menschen die Ursache einer primären Thrombozytose.

Untersuchungen

Bei einer körperlichen Untersuchung suchen Ärzt*innen nach Hinweisen auf eine Vergrößerung der Milz, Erythromelalgie (schmerzhafte Rötung an Handflächen, Fußsohlen und Unterschenkeln), Thrombosen, Blutungen oder andere Anzeichen für eine Störung der Blutgerinnung.

Die Diagnose lässt sich durch eine Blutuntersuchung stellen. Neben der Anzahl der Thrombozyten wird dabei auch untersucht, ob es veränderte Blutzellen gibt.

Bei einer sekundären Thrombozytose folgen meist weitere Untersuchungen, um die zugrunde liegende Ursache festzustellen. Der Verdacht auf eine primäre Thrombozytose wird in einer Praxis für Hämatologie und Onkologie weiter abgeklärt unter anderem mit einer Knochenmarkpunktion.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache für die erhöhte Thrombozytenzahl.

  • Sekundäre Thrombozytose: Hier steht die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung im Vordergrund. Eine Senkung der Anzahl der Blutplättchen ist in der Regel nicht notwendig. Nur bei sehr hohen Thrombozytenzahlen kann es sein, dass Acetylsalicylsäure (ASS) verschrieben wird.
  • Primäre Thrombozytose: Sie wird in der Regel mit ASS behandelt, um der Bildung von Blutgerinnseln und Thrombosen vorzubeugen. Die Ursache für eine primäre Thrombozytose ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, der je nach Art onkologisch behandelt wird.

Prognose

Die Prognose einer Thrombozytose hängt von der Grunderkrankung ab.

Weitere Informationen

Autorin

  • Karen Zoufal, Medizinjournalistin, Helmstedt

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thrombozytose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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