Entfernte Milz (Asplenie)

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Wenn die Milz entfernt wurde oder nicht richtig arbeitet, besteht ein erhöhtes Risiko von Infektionen, die einen schweren Verlauf nehmen können.

Was ist Asplenie?

Die Milz ist ein relativ empfindliches Organ, das im oberen linken Bereich der Bauchhöhle hinter dem Magen liegt. Sie trägt zur Bildung, Speicherung und Filtration des Blutes bei und spielt auch im Immunsystem eine wichtige Rolle. Die Milz baut anomale und überalterte Blutzellen ab, bekämpft Mikroorganismen und ist an der körpereigenen Produktion von Antikörpern beteiligt. Asplenie bedeutet, dass die Milz entfernt wurde oder gar nicht funktioniert. Ist die Funktion der Milz eingeschränkt, spricht man von einer Hyposplenie.

Ein kräftiger Stoß gegen die linke Seite des Bauchs, zum Beispiel bei einem Sport- oder Autounfall, kann die so stark Milz verletzen, dass sie entfernt werden muss. Krankheiten wie Leukämie oder hämolytische Anämie können ebenfalls eine Entfernung der Milz durch eine Operation, die sogenannte Splenektomie, erforderlich machen. Eine Hyposplenie kann infolge einer Grunderkrankung wie der Sichelzellanämie, eines Blutgerinnsels in der Milz, von Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie und Krebserkrankungen wie einem Lymphom auftreten.

Erhöhtes Infektionsrisiko

Bei Personen mit Asplenie und Hyposplenie besteht ein erhöhtes Risiko schwerer Infektionen mit Bakterien. Selbst kleinere Infektionen können bei ihnen einen schweren Verlauf nehmen und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Dabei breitet sich die Infektion über das Blut im gesamten Körper aus. Dies ist lebensbedrohlich.

Vorbeugung

Alle Personen ohne funktionierende Milz sollten gegen Pneumokokken, Hämophilus influenzae Typ B und Meningokokken geimpft werden. Auch eine jährliche Grippeimpfung sollte erfolgen. Außerdem sollen Patient*in und Ärzt*in gemeinsam regelmäßig den Impfstatus überprüfen: Gibt es Impfungen, die fehlen oder aufgefrischt werden sollen?

Bei Personen mit einer fehlenden oder nicht richtig arbeitenden Milz besteht ein erhöhtes Risiko schwerer Pneumokokken-Infektionen. Sie sollten deshalb gegen Pneumokokken geimpft werden. Es wird empfohlen, diese Impfung alle 6 Jahre aufzufrischen. Für Betroffene ohne funktionierende Milz gibt es hierzu spezielle Impfempfehlungen des RKI.

Bei unklaren Infektionskrankheiten wird empfohlen, frühzeitig eine Behandlung mit Antibiotika zu beginnen, auch bei einer Asplenie bei Kindern. Mögliche frühe Symptome einer Infektion sind Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Husten, Ohrenschmerzen, eine verstopfte Nase und verstopfte Nebenhöhlen, Kopfschmerzen, ein allgemeines Krankheitsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Ausschlag.

Patient*innen mit einer fehlenden oder nicht richtig arbeitenden Milz sollten Antibiotika zur Verfügung haben, die sie anwenden können, wenn sie Infektionszeichen entwickeln, da ein zu später Beginn einer Antibiotikatherapie sehr gefährlich sein kann (Stand-By-Antibiotika-Notfalltherapie). Betroffene sollen über den Einsatz der Stand-By-Antibiotika-Notfalltherapie geschult werden und einen Notfallausweis erhalten. Zusätzlich ist aber eine umgehende ärztliche Betreuung erforderlich.

Auf Reisen

Personen ohne Milz oder mit einer nicht richtig arbeitenden Milz sollten die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen bei Auslandsreisen besonders sorgfältig beachten. Neben eventuellen Impfungen gehört dazu auch, Faktoren zu berücksichtigen, die Einfluss auf das Infektionsrisiko haben, z. B. lokale Krankheitsausbrüche am Zielort, die Wohnverhältnisse sowie die hygienischen und sanitären Bedingungen vor Ort. Je nachdem, ob Sie eine Großstadt oder ein kleines Dorf bereisen, im Luxushotel oder in einer einfachen Pension untergebracht sind oder engen Kontakt zur lokalen Bevölkerung haben, ist das Infektionsrisiko unterschiedlich hoch.

Erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel?

Wenn die Milz entfernt wurde, besteht auch ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel, Ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln besteht besonders bei Personen mit Blutkrankheiten. Häufig entsteht ein solches Blutgerinnsel im Unterschenkel (tiefe Venenthrombose). Mögliche Symptome sind Schwellung, Schmerzen, Überwärmung und eine Rötung des Unterschenkels. Bei solchen Symptomen sollten Sie schnellstmöglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, damit frühzeitig eine Behandlung mit Blutverdünnern begonnen werden kann. Es kann aber auch zu Thrombosen an anderen Körperstellen kommen, z. B. in der Pfortader der Leber. Deswegen ist es möglich, dass Ihre Ärztin/Ihr Arzt regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfiehlt, falls bei Ihnen ein erhöhtes Risiko besteht.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Asplenie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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