Zum Hauptinhalt springen

Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie)

Die Blutplättchen spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Blutgerinnung. Eine verminderte Anzahl an Blutplättchen (Thrombozytopenie) äußert sich durch eine Neigung zu Blutergüssen (blauen Flecken), Nasenbluten oder vermehrtes Zahnfleischbluten beim Zähneputzen.

Zuletzt bearbeitet: Zuletzt revidiert:


Was ist Blutplättchenmangel?

Das Blut besteht aus Blutplasma (der flüssige Anteil), roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen (Thrombozyten). Die Hauptaufgabe der Blutplättchen besteht in der Regulierung der Blutgerinnung. Die Blutplättchen werden im Knochenmark gebildet und hauptsächlich in der Milz abgebaut. Sie sind ausgesprochen klein und finden sich gewöhnlich in großen Mengen im Blutsystem.

  • Je Liter Blut beträgt der Normwert 150–450 x 109.
  • Ein Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie) liegt vor, wenn der Wert unter 150 x 109/Liter Blut sinkt.
  • Bei einer Thrombozytenzahl unter 50–80 x 109/l besteht ein erhöhtes Risiko für spontane Blutungen oder verstärkte Blutungen nach Verletzungen bzw. Operationen.
  • Ein Blutplättchenmangel kann entweder durch eine verminderte Thrombozytenbildung oder einen erhöhten Thrombozytenverbrauch entstehen.

Häufigkeit

Zur Häufigkeit von Blutplättchenmangel bei den verschiedenen Grunderkrankungen gibt es kaum Daten. Bei 10–15 % der Patient*innen mit festgestellter Thrombozytopenie handelt es sich um eine sog. Pseudothrombozytopenie, d. h. es liegt ein Messfehler im Labor vor.

Gegen Ende der Schwangerschaft weisen 5–10 % der schwangeren Frauen einen Blutplättchenmangel auf.

Welche Symptome treten auf?

Das häufigste Anzeichen für einen Blutplättchenmangel ist die Neigung zu Blutergüssen (blauen Flecken) und Nasenbluten sowie vermehrtem Zahnfleischbluten beim Zähneputzen u. Ä. Bei Frauen können starke Mentruationsblutungen auftreten. Außerdem können punktförmige Blutungen (Petechien) und Schleimhautblutungen (z. B. im Darm) vorkommen. Nach Verletzungen können länger anhaltende Blutungen auftreten. 

Was verursacht einen Blutplättchenmangel?

Häufige Ursachen

  • Schädigung des Knochenmarks durch Medikamente (z. B. Schmerzmittel, Antibiotika, Zytostatika)
    • Der Blutplättchenmangel tritt innerhalb von 1–3 Wochen nach Einnahme einer neuen Medikation auf.
  • Primäre Immunthrombozytopenie
    • Ausschlussdiagnose, eine auslösende Ursache ist nicht erkennbar.
  • Sekundäre Immunthrombozytopenie
    • Blutplättchenmangel aufgrund einer Immunreaktion, ausgelöst durch Medikamente, Autoimmunerkrankungen, Virusinfektionen und nach Impfungen.
  • Heparininduzierte Thrombozytopenie
    • Diese Nebenwirkung tritt bei 1–2 % der Patient*innen, die mit unfraktioniertem Heparin behandelt wurden, auf.
  • Erhöhter Thrombozytenverbrauch
    • u. a. bei hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS), thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura (TTP) und disseminierter intravasaler Gerinnung (DIC).
  • Schwangerschaft
    • Blutplättchenmangel ist insbesondere gegen Ende der Schwangerschaft häufig.
    • In seltenen Fällen liegt eine sog. Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) zugrunde.
  • Angeborene Thrombozytopenien (z. B. Willebrand-Syndrom)
  • Weitere mögliche Ursachen

Seltene Ursachen

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Wenn Sie ungewöhnliche Blutungen bemerken, sollten Sie Ihre Hausarztpraxis aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen.

Wenn bei Ihnen ein Blutplättchenmangel festgestellt wird, sollten Sie sich einer sorgfältigeren Untersuchung unterziehen, damit die Ursache für die verminderte Anzahl an Blutplättchen geklärt werden kann.

Wie gehen die Ärzt*innen vor?

Krankengeschichte (Anamnese) – mögliche Fragen:

  • Wodurch sind die Blutungen, die Ihnen aufgefallen sind, gekennzeichnet? Punkte, blaue Flecken, größere Blutungen, Schleimhautblutungen?
  • Haben Sie weitere Beschwerden?
  • Treten in Ihrer Familie gehäuft Blutungserkrankungen auf?
  • Besteht eine Schwangerschaft?
  • Wenden Sie Arzneimittel an, die als Nebenwirkung ein Blutungsrisiko mit sich führen können?
  • Wurden kürzlich Impfungen durchgeführt (z. B. gegen SARS-CoV-2)?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?

Ärztliche Untersuchung

Ihr/e Ärzt*in wird eine sorgfältige körperliche Untersuchung vornehmen. Dabei werden Lymphknoten, Leber und Milz abgetastet.

Weitere Untersuchungen

Es wird eine Reihe von Blutuntersuchungen durchgeführt. Zusätzlich kann der Urin auf Blut untersucht werden. Röntgen und Ultraschall können Aufschluss über die Ursache des Blutplättchenmangels geben.

Bei älteren Patient*innen mit neu entdeckter Thrombozytopenie sollte eine Kochenmarksbiopsie erwogen werden.

Überweisung an Spezialist*innen

In akuten oder schwerwiegenden Fällen werden Sie in ein Krankenhaus eingewiesen. Bei weniger belastenden und lang anhaltenden Beschwerden kann die Untersuchung ambulant in einer Facharztpraxis für Innere Medizin/Hämatologie vorgenommen werden.

Therapie

Die Therapie unterscheidet sich je nach Ursache für den Blutplättchenmangel. In den meisten Fällen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.

Gelegentlich wird der Blutplättchenmangel durch Transfusion mit Thrombozytenkonzentrat ausgeglichen. In bestimmten Fällen kann die Entfernung der Milz erwogen werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thrombozytopenie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Onkopedia Leitlinien. Thrombozytopenie. Stand 2021.www.onkopedia.com  

  2. Gauer R. Thrombocytopenia. Am Fam Physician 2012; 85: 612- 622.www.aafp.org  

  3. Stiefelhagen P. Thrombozytopenie - Ab wann wird es gefährlich? MMW - Fortschritte der Medizin 12-14; 11: 2018. doi:10.1007/s15006-018-0600-3DOI  

  4. Stiefelhagen P. Woran Sie bei einer Thrombopenie denken sollten! MMW - Fotschritte der Medizin 2010; 5: 12-14. doi:10.1007/BF03365993DOI  

  5. Stasi R. How to approach thrombocytopenia. Hematology 2012; 2012: 191-197.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov  

  6. Matzdorff A. Diagnostik und Therapie der Immunthrombozytopenie. InFo Hämatologie + Onkologie 2019; 22: 47-55. doi:10.1007/s15004-019-6364-9DOI  

  7. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Onkopedia-Leitlinie. Immunthrombzytopenie (ITP). Stand 2018.www.onkopedia.com  

  8. Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung. Neu diagnostizierte Immunthrombozytopenie im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinie Nr. 086-001, Stand 2018. www.awmf.orgwww.awmf.org  

  9. Gäckler A, Witzke O. Thrombotische Mikroangiopathie. Nephrologe 2021; 16: 113-124. doi:10.1007/s11560-021-00487-1DOI  

  10. Bergmann F, Rath W. The differential diagnosis of thrombocytopenia in pregnancy—an interdisciplinary challenge. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 795-802. doi:10.3238/arztebl.2015.0795DOI  

  11. Froom P, Barak M. Prevalence and course of pseudothrombocytopenia in outpatients. Clin Chem Lab Med 2011; 49: 111-114. doi:10.1515/CCLM.2011.013DOI  

  12. Knöbl P. Thrombopenie auf der Intensivstation. Med Klin Intensivmed Notfmed 2016; 11: 425-433. doi:10.1007/s00063-016-0174-8DOI  

  13. Kiefel V, Greinacher A. Differenzialdiagnose und Differenzialtherapie der Thrombozytopenie. Internist 2010; 51: 1397–1410. doi:10.1007/s00108-010-2731-1DOI  

  14. Sachs U (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin). Thrombozytopenien und Thrombozytopathien. e.Medpedia. Zugriff 15.04.21.www.springermedizin.de  

  15. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie. Onkopedia Leitlinien. Thrombozytopenie. Stand 2008.www.onkopedia.com  

  16. National Institutes of Health (NIH) - National Cancer Institute. Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE). Last updated 09/21/20. Zugriff 16.04.21.ctep.cancer.gov  

  17. Gaggl M, Aigner C, Sunder-Plassmann G. Thrombotische Mikroangiopathien. Med Klin Intensivmed Notfmed 2016; 111: 434-439. doi:10.1007/s00063-016-0176-6DOI  

  18. Greinacher A, Selleng K. Heparininduzierte Thrombozytopenie. Gefässchirurgie 2018; 23: 193–207.link.springer.com