MGUS: monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) verursacht normalerweise keine Symptome. Allerdings besteht ein etwas erhöhtes Risiko, bestimmte Krebsformen zu entwickeln. In den meisten Fällen wird keine Behandlung der MGUS empfohlen, regelmäßige Kontrollen sind jedoch wichtig. Dadurch sollen Veränderungen, die auf eine Krebserkrankung hindeuten, früh erkannt werden, damit rechtzeitig die notwendigen Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden können.

Was ist eine MGUS?

Eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) wird oft zufällig bei einer Blut- oder Urinuntersuchung festgestellt, wenn Patient*innen wegen gesundheitlicher Beschwerden oder im Rahmen der Verlaufskontrolle einer anderen Erkrankung untersucht werden.

Die körpereigene Immunabwehr besteht aus angeborenen und erworbenen Mechanismen. Die erworbene Immunabwehr wird auch als das spezifische Immunsystem bezeichnet.

Für die erworbene Immunabwehr sind bestimmte Zellen verantwortlich, die sogenannten Lymphozyten. Von diesen Lymphozyten gibt es 2 wesentliche Typen: die B-Lymphozyten und die T-Lymphozyten. Die B-Zell-Immunabwehr wird auch humorale Immunabwehr genannt. Sie dient dazu, Antikörper zu entwickeln, die im Blutkreislauf zirkulieren und in den Körper eindringende Stoffe, Bakterien oder Viren angreifen können.

Antikörper werden als Immunglobuline bezeichnet. Sie haben die Form eines Y und bestehen aus 2 langen und 2 kurzen Proteinketten. Beim Menschen werden je nach Art der langen Proteinketten verschiedene Antikörperklassen unterschieden. Bei Bedarf können die B-Lymphozyten dazu angeregt werden, sich durch Zellteilung zu vermehren (als „Zellklon") und eine bestimmte Antikörpersorte zu produzieren.

Bei der MGUS produziert ein Klon („monoklonal") von B-Zellen fortlaufend eine kleine Menge eines Antikörpers oder nur kurze Proteinketten des Antikörpers. Die Konzentration des Proteins (M-Komponente) im Körper ist so gering, dass normalerweise keine Symptome auftreten.

1470-2-serumproteinelektroforese-normal.jpg
Elektrophorese, Normalbefund

Bei einer Untersuchung des Blutes, die als Serum-Elektrophorese bezeichnet wird (das Bild oben zeigt eine unauffällige Untersuchung), ist die M-Komponente als Spitze auf der Gamma-Welle nachweisbar. Deshalb heißt das Phänomen „Gammopathie“. Die Endung „-pathie“ stammt vom griechischen Wort „pathos“, was Krankheit bedeutet. Oft kann die M-Komponente auch im 24-Stunden-Sammelurin nachgewiesen werden.

Häufigkeit

Die MGUS ist bei Erwachsenen relativ häufig, und die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Bei rund 1–3 % aller Personen über 50 Jahren findet man eine MGUS.

Ursachen

Die Ursache der MGUS ist nicht bekannt. Es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Die MGUS gilt als Vorstufe bestimmter Krebsarten, zum Beispiel des multiplen Myeloms. Doch nur ein kleiner Teil der Patient*innen mit einer MGUS entwickelt innerhalb eines Jahres Krebs. Je höher die M-Komponente zum Diagnosezeitpunkt ist, desto größer ist das Risiko einer Krebserkrankung. Derzeit ist es jedoch nicht möglich, diejenigen Patient*innen mit MGUS sicher zu identifizieren, die an Krebs erkranken werden. Bei den meisten ist das nicht der Fall. Deshalb hat die MGUS „unklare Signifikanz“, d. h., ihre Bedeutung ist unklar.

Symptome

Die MGUS verursacht keine Symptome. Es ist Teil der Definition, dass die Patient*innen keine Symptome oder klinischen Befunde von Lymphknoten- oder Blutkrebs aufweisen.

Diagnostik

Die M-Komponente und ihre Konzentration werden durch eine Elektrophorese und immunologische Analyse des Blutserums und eventuell eine Untersuchung des 24-Stunden-Sammelurins nachgewiesen. Je nach Konzentration und dem eventuellen Beschwerdebild können weitere Untersuchungen nötig sein. Häufig werden zum Beispiel Blutbild, Leber-, Milz- und Nierenfunktion, Kalziumstoffwechsel und Elektrolyte untersucht. Eventuell ist eine Röntgen- oder eine CT-Untersuchung der Knochen angezeigt. Wenn der Verdacht auf die Entwicklung einer Krebserkrankung besteht, kommt auch eine Knochenmarkuntersuchung in Betracht.

Behandlung

Die Behandlung besteht in der Risikobewertung und Verlaufskontrolle. Laboruntersuchungen liefern Ärzt*innen gewisse Hinweise darauf, wie hoch Ihr Risiko als Patient*in ist. Je nach der klinischen Situation werden regelmäßige Kontrollen vereinbart. Es ist wichtig, diese ärztlich empfohlenen Kontrolltermine wahrzunehmen, damit Veränderungen rechtzeitig erkannt werden können. Falls sich eine Krebserkrankung entwickelt, stehen eine Reihe wirksamer Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Verlauf und Prognose

Die MGUS ist zwar eine Vorstufe bestimmter Arten von Blut- und Lymphknotenkrebs, doch das Risiko, Krebs zu bekommen, ist relativ gering. Pro Jahr entwickelt etwa 1 von 100 Personen mit MGUS eine solche Krebserkrankung. Innerhalb von 15–20 Jahren besteht ein Erkrankungsrisiko von bis zu 25 %.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Monoklonale Gammopathie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Linnemann M. Diagnostik der monoklonalen Gammopathie. Bioscientia Bericht 68, Stand 2002 www.shg-lymphome-leukaemien-hannover.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) (Hrsg.): Leitlinie Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Berlin 2019. www.onkopedia.com
  3. Landgren O. Monoclonal gammopathy of undetermined significance. BMJ Best Practice, last updated Mar 2019. bestpractice.bmj.com
  4. Hensel M, Dreger P, HO AD. IgM-Gammopathie. Differenzialdiagnose, Klinik und Therapie. Dtsch Arztebl 2007; 104(26) www.aerzteblatt.de
  5. Kyle RA, Therneau TM, Rajkumar SV, et al.: Prevalence of monoclonal gammopathy of undetermined significance. N Engl J Med 354:1362-1369, 2006. PMID:16571879 PubMed
  6. Kyle RA, Larson DR, Therneau TM, et al. Long-term follow-up of monoclonal gammopathy of undertemined significance. N Engl J Med 2018 Jan 18; 378(3): 241-249. pmid:29342381 PubMed
  7. Kyle RA, Therneau TM, Rajkumar V, Offord JR, Larson DR, Plevak MF. A long-term study of prognosis in monoclonal gammopathy of undetermined significance. N Engl J Med 2002; 346: 564-9. PubMed
  8. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2019. Stand 21.09.2018; letzter Zugriff 18.08.2019. www.dimdi.de
  9. Rajkumar SV, Dimopoulos MA, Palumbo A, et al. International Myeloma Working Group updated criteria for the diagnosis of multiple myeloma. The Lancet Oncology. 15:e538-e548, 2014. DOI:10.1016/S1470-2045(14)70442-5 DOI
  10. Berenson JR. Schwerkettenkrankheiten. MSD Manual. 2019; letzter Zugriff 18.08.2019. www.msdmanuals.com