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Untersuchung vor der Operation

Bei größeren Eingriffen und bei der Anwendung von Narkosemitteln bei kleinen Kindern und älteren Personen erfolgt zusätzlich zur Erhebung der Krankengeschichte eine Untersuchung des Herzens und der Lunge. Der Bedarf weiterer Untersuchungen wird auf Grundlage der Krankengeschichte und des geplanten Eingriffs beurteilt.

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Was bedeutet die präoperative Beurteilung?

Die präoperative Beurteilung ist eine Bewertung des Gesundheitszustands und anderer Faktoren im Vorfeld einer Operation. Das Ziel der Untersuchungen ist es, das Risiko von Komplikationen während der Operation zu verringern. Die Beurteilung erfolgt normalerweise durch die Ärzt*innen, die für die Anästhesie, also die Vorbereitung und Durchführung der Narkose oder Betäubung, zuständig sind. Von besonderer Bedeutung ist die Herzfunktion der Patient*innen. Die Untersuchung findet einige Wochen vor der geplanten Operation statt und kann von Hausärzt*innen durchgeführt werden.

Ist eine präoperative Beurteilung erforderlich?

Bei kleineren Eingriffen und einer nur kurz anhaltenden Anästhesie gesunder, junger und körperlich aktiver Personen ist außer der Erhebung der Krankengeschichte und der Bewertung möglicherweise eingenommener Medikamente in der Regel keine präoperative Untersuchung nötig. Auch bei zahnärztlichen und kieferchirurgischen Eingriffen erfolgt im Vorfeld eine Nutzen-Risiko-Analyse. Vor größeren Operationen und immer dann, wenn kleine Kinder und ältere Personen Narkosemittel erhalten sollen, wird zusätzlich zur Krankengeschichte eine Untersuchung des Herzens und der Lunge empfohlen. Der Bedarf weiterer Untersuchungen wird auf Grundlage der Krankengeschichte und des geplanten Verfahrens beurteilt.

Was wird beurteilt?

Aktuelle Erkrankungen und Symptome werden erfasst. Dabei wird besonders auf Risikofaktoren geachtet, die während der Operation zu Komplikationen führen können. Solche Risikofaktoren sind z. B. eine Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Nierenerkrankungen, Lungenerkrankungen, Allergien, Alkoholmissbrauch und Blutungsstörungen. Sie werden nach früheren Operationen und ggf. damit verbundenen Problemen gefragt. Die Anästhesist*innen beurteilen, ob die Einnahme regelmäßiger Medikamente vor der Operation geändert werden soll oder nicht.

Die Ärzt*innen informieren auch über die geplante Operation und entscheiden im Gespräch mit den Patient*innen, welche Form der Anästhesie zum Einsatz kommen soll. Sie erhalten die Anweisung zur Nüchternheit, was bedeutet, dass Sie eine bestimmte Zeit vor der Operation nicht essen, trinken, Kaugummi kauen, rauchen oder sonstige Substanzen zu sich nehmen dürfen.

Der Umfang der Untersuchung richtet sich nach dem Gesundheitszustand der Patient*innen und nach der Art des geplanten Eingriffs. Insbesondere eine Untersuchung des Herzens und der Lunge kann erforderlich sein.

Meist werden die Patient*innen gefragt, ob sie ein Gebiss tragen, und werden gebeten, den Mund so weit zu öffnen wie möglich und den Kopf so weit wie möglich nach hinten zu beugen. Damit sollen die möglichen Verhältnisse für eine möglicherweise erforderliche Narkose beurteilt werden.

Oftmals besteht kein Bedarf für weitere Untersuchungen, manchmal werden aber Blutuntersuchungen, ein EKG oder Untersuchungen der Lunge durchgeführt.

Spezielle Eingriffe

Bei Schwangeren sollten insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft nach Möglichkeit keine Operationen durchgeführt werden. Falls erforderlich, wird eine Lokal- oder Regionalanästhesie statt einer Vollnarkose bevorzugt.

Frauen, die kombinierte orale Kontrazeptiva („Pille“) einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel nach Operationen. Eine Unterbrechung der Einnahme wird jedoch nicht empfohlen. Stattdessen werden Medikamente zur Thromboseprophylaxe verabreicht. Das gleiche gilt für Hormonersatztherapien.

Besondere Vorsicht gilt bei Personen, die eine Neigung zu Blutungen haben oder Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon (Marcumar), Clopidogrel, Ticagrelor, Prasugrel oder ASS einnehmen. In der Regel wird eine Pause der Medikamenteneinnahme empfohlen, die vorbeugende Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) sollte jedoch nur bei sehr hohem Blutungsrisiko abgesetzt werden.

Bei Patient*innen mit schwerer Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Lungenerkrankungen, Diabetes, Gefäßerkrankungen, Nierenerkrankungen oder erhöhtem Kaliumspiegel besteht ein erhöhtes Komplikationsrisiko. In den ersten 12 Monaten nach einem akuten Herzinfarkt ist das Risiko im Zusammenhang mit einer Operation besonders hoch, insbesondere wenn die Patient*innen nach dem Infarkt unter einer Angina pectoris leiden. Chirurgische Eingriffe, die nicht dringend sind, sollten dann lieber verschoben werden. Verschiedene medizinische Maßnahmen können das Risiko von Komplikationen bei der Operation senken.

Bei Patient*innen mit hohem Blutdruck sollte der Blutdruck vor einer Operation unter Kontrolle sein. Ob die Einnahme von Herz-Kreislauf-Medikamenten vor der Operation ausgesetzt werden soll, entscheiden die Ärzt*innen.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Patient*innen, die eine Narkose, eine Spinal- oder Periduralanästhesie erhalten sollen und an einer Erkrankung leiden, so optimal wie möglich (medikamentös) behandelt sein sollten.

Nüchternheit

In der Regel sollten Patient*innen, die vor einer geplanten Operation stehen, ab 6–8 Stunden vor der Operation nicht mehr essen, trinken oder rauchen. Je nach Art des operativen Eingriffs und abhängig von den Patient*innen kann diese Vorschrift gelockert werden. So können erwachsene schmerzfreie Patient*innen mit normaler Magen-Darm-Funktion, die sich geplanten Eingriffen unterziehen, normalerweise bis zu 2 Stunden vor der Anästhesie eine mäßige Menge klarer Flüssigkeit (ein Glas Wasser, Saft oder Tee) zu sich nehmen. Dies sollte mit den Anästhesist*innen abgesprochen werden! Für Kinder mit den gleichen Voraussetzungen gilt, dass sie bis 2 Stunden vor der Anästhesie bis zu 10 ml klare Flüssigkeit pro kg Körpergewicht trinken dürfen. Säuglinge, die gestillt werden, und die keine Magen-Darm-Probleme haben, können bis zu 4 Stunden vor einer Anästhesie so viel Muttermilch trinken, wie sie schaffen.

Vor der Operation können Patient*innen die vom Anästhesiepersonal verschriebenen und von ihm genehmigten Medikamente mit einem halben Glas Wasser einnehmen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.