Zum Hauptinhalt springen

Eingeklemmte Hernie

Bei einem Bruch/Hernie handelt es sich um eine Ausstülpung von Gewebe aus dem Bauchraum durch eine Lücke in der Bauchwand nach außen. Dies ist als Vorwölbung unter der Haut, etwa in der Leiste, zu tasten. Lässt sich dieses Gewebe nicht mehr zurück in den Bauchraum drücken, wird dies als eingeklemmte Hernie bezeichnet. Dies erfordert eine Notfalloperation, um schwere Komplikationen zu vermeiden.

Zuletzt aktualisiert:

Zuletzt überarbeitet:



Willkommen auf unseren Patientenseiten!

Wir freuen uns, dass Sie sich für die aktuellen und unabhängigen Informationen von Deximed interessieren. Sie können sich kostenlos auf allen Patientenseiten umschauen. Eine Übersicht aller Themen finden Sie unter https://deximed.de/patienten .

Ärzt*innen empfehlen wir unsere unabhängigen Arztinformationen zu allen relevanten Themen der Hausarztmedizin.

Gutes Arbeiten mit Deximed!

Mehr Infos für Ärzt*innen!

Was ist ein Bruch (eine Hernie)?

Bei einem Bruch, medizinisch als Hernie bezeichnet, handelt es sich um eine Ausbuchtung der Bauchhöhle durch eine Schwachstelle oder Öffnung in der Bauchwand. Der Bruch äußert sich in Form einer kugelförmigen Schwellung, wenn die Patientin oder der Patient aufrecht steht, hustet oder den Druck im Bauch erhöht. In der Vorwölbung, dem sog. Bruchsack, befindet sich Fettgewebe oder auch Darmanteile, die durch eine Lücke in der Bauchwand aus dem Bauchraum ausgetülpt wurden. Manchmal kann es zu Schmerzen oder Beschwerden kommen, noch ehe die Hernie sichtbar ist. Die Größe des Bruchs und die Beschwerden können mit der Zeit zunehmen.

Hernien können hauptsächlich in folgenden vier Bereichen auftreten:

  1. im Nabelbereich: Nabelbruch, besonders häufig bei Kindern
  2. in der Leistengegend: Leistenbruch (siehe Illustration)
  3. im Übergangsbereich zum Oberschenkel: Schenkelbruch/Femoralhernie
  4. im Bereich früherer Operationsnarben: Narbenbruch.

Die häufigste Hernienform ist der Leistenbruch (80 %), Jungen und Männer sind dabei deutlich häufiger betroffen als Mädchen und Frauen. Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko.

Was ist ein eingeklemmter Bruch?

Ein Bruch kann Darmschlingen enthalten, die durch die Bruchpforte nach außen in den Bruchsack treten. Werden die Darmschlingen an der Durchtrittsstelle oder im Bruchsack eingeklemmt und können nicht zurück in die Bauchhöhle gedrückt werden, so spricht man von einem „eingeklemmten Bruch“, einer sog. Inkarzeration. Die betroffene Stelle schmerzt stark und ist berührungsempfindlich. Aufgrund einer hohen Komplikationsgefahr (s. u.), müssen Betroffene möglichst schnell operiert werden (Notfall!).

Zu einem eingeklemmten Bruch kommt es in erster Linie bei Leistenhernien. Jungen weisen grundsätzlich häufiger als Mädchen einen Leistenbruch auf. Allerdings besteht bei jungen Mädchen und Frauen mit einem Leistenbruch ein höheres Risiko als bei Männern, dass es zur Einklemmung kommt. Daher raten Ärzte Frauen auch bei einem beschwerdefreien Leistenbruch in der Regel zu einer vorbeugenden Operation. Bei Männern kann in solchen Fällen noch eher abgewartet werden.

Ursachen

Ein Leistenbruch bei Jungen entsteht durch das Herabwandern der Hoden während der Embryonalentwicklung aus der Bauchhöhle in den Hodensack. Der „Kanal“, in dem die Hoden nach unten wandern, kann zu einer Schwachstelle in der Bauchwand werden, durch welche Gewebe aus dem Bauch oder auch Anteile von Darmschlingen später hindurchtreten können. Auf der Außenseite des Bauchs äußert sich der Bruch als eine kugelförmige Schwellung in der Leistengegend. Normalerweise kann diese „Kugel“ problemlos wieder in den Bauchraum zurückgedrückt werden. Manchmal schwillt allerdings die Bruchpforte an, sodass die im Bruchsack befindliche Darmschlinge abgeklemmt wird. Dadurch kann es zu einer Unterbrechung der Blutversorgung in der Darmschlinge kommen. Wird dieser Defekt nicht schnellstmöglich behoben, stirbt der betroffene Darmbereich ab. Zudem ist ein Darmverschluss möglich, und es droht eine schwere und lebensbedrohliche Infektion der Bauchhöhle (Peritonitis). Dies ist ein Notfall!

Symptome und Beschwerdebilder

In den meisten Fällen ist der Leistenbruch des Kindes oder der betroffenen Person bekannt, auch wenn es vorkommt, dass die Symptome erstmalig mit dem Einklemmen des Bruchs auftreten. Es kommt zu heftigen Schmerzen im Bereich der Hernie; der Bruchinhalt lässt sich zudem auch im Liegen beim entspannten Patienten nicht wieder in den Bauchraum zurückschieben. Weitere typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Fieber.

Bei Säuglingen kann sich ein eingeklemmter Bruch einzig durch erhöhte Reizbarkeit äußern, manchmal kommen Probleme beim Füttern, starke Unruhe und heftiges Weinen hinzu.

Diagnose

Bei starken Schmerzen im Bruchbereich und einer sichtbaren Hernie, die sich nicht zurückdrücken lässt, ist die Diagnose einfach zu stellen. Bei Säuglingen kann dies allerdings aufgrund der unklaren Symptomatik schwieriger sein.

Wird der eingeklemmte Bruch nicht rechtzeitig diagnostiziert, drohen Fieber und schlimmstenfalls ein Schockzustand und eine schwere Infektion. Die Haut über dem Bruch kann geschwollen und zuweilen auch leicht verfärbt sein.

Ein eingeklemmter Bruch erfordert eine akute Behandlung im Krankenhaus. Bei der Ankunft in der Notaufnahme wird normalerweise eine Ultraschallunersuchung, bei unklarem Befund auch ein MRT oder CT des Bauchraums durchgeführt. Hier kann der eingeklemmte Darm deutlich sichtbar sein.

Therapie

Die Behandlung zielt darauf ab, die Blockade zu beheben und so die normale Durchblutung des Darms wiederherzustellen.

Bei reduziertem Allgemeinzustand und weiteren Symptomen (starke Schmerzen, Fieber) sollte umgehend operiert werden. Dabei kann sich herausstellen, dass die betroffene Darmschlinge bereits abgestorben (nekrotisiert) ist. Das nekrotische Darmsegment wird dann bei einem chirurgischen Eingriff komplett entfernt.

Im Rahmen der Operation verlagert der Chirurg/die Chirurgin das nach außen gedrückte Gewebe wieder zurück in den Bauchraum und verschließt die Lücke in der Bauchwand. Oft wird diese Stellen mit einem Kunststoffnetz noch verstärkt; dadurch lässt sich das Risiko für einen erneuten Bruch reduzieren (Leistenbruch, Operation). 

Vorbeugende Maßnahmen

Bei Jungen mit Hodenhochstand und gleichzeitigem Leistenbruch besteht ein erhöhtes Risiko für einen eingeklemmten Bruch und die Schädigung der Hoden. Eine Operation sollte daher zeitnah erfolgen.

Prognose

Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose ausgezeichnet. Auch wenn das Kind akut operiert werden muss, ist sie in den meisten Fällen sehr gut, auch wenn das Risiko höher ist als bei einem geplanten Eingriff. Nur selten leiden die Betroffenen nach einer Bruchoperation an chronischen Schmerzen an dieser Stelle.

Weitere Informationen

Illustrationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen