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Intergeschlechtlichkeit, Varianten der Geschlechtsentwicklung

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Definition:
Varianten der biologischen Geschlechtsdeterminierung oder -differenzierung.
Häufigkeit:
In Deutschland  sind ca. 8.000–10.000 Personen betroffen.
Symptome:
Die Morphologie der Genitalien lässt keine eindeutige Zuordnung zu männlichem oder weiblichem Geschlecht zu.
Befunde:
Je nach zugrunde liegender biologischer Konstellation und deren Ausprägung unterschiedliche Untersuchungsbefunde, z. B. unvollständige Entwicklung der Gonaden, verzögerte Pubertät, Ausbildung sekundärer Geschlechtsmerkmale, die im Kontrast zur genitalen Morphologie stehen, Elektrolytverschiebung bei adrenogenitalem Syndrom.
Diagnostik:
Ausführliche Anamnese einschließlich Informationen zur Schwangerschaft der Mutter und Familienanamnese. Sorgfältige klinische Untersuchung des Genitals einschließlich Sonografie oder MRT. Differenzierte hormonelle Diagnostik in einem qualifizierten Speziallabor; ggf. Gendiagnostik nach richtlinienkonformer genetischer Beratung. Invasive Diagnostik wie Urethrozystoskopie/Vaginoskopie oder Laparoskopie nur in Einzelfällen.
Therapie:
Nicht alle von Intergeschlechtlichkeit Betroffenen wünschen eine Anpassung ihres Geschlechts durch hormonelle oder chirurgische Maßnahmen. Bei nicht einwilligungsfähigen Personen sind solche Maßnahmen nur bei dringender medizinischer Indikation vertretbar, z. B. bei Harnverhalt oder wiederholten Harnwegsinfekten aufgrund von Harnabflussstörungen. Die psychosoziale Begleitung von Menschen mit Intergeschlechtlichkeit sollten in jedem Fall von qualifizierten Fachkräften durchgeführt oder koordiniert werden.
  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg