Zum Hauptinhalt springen

Diabetes-Risiko

Der Begriff Diabetes mellitus , umgangssprachlich Zuckerkrankheit oder kurz Diabetes genannt, bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten, die alle durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet sind.

Zuletzt überarbeitet:



Was ist Diabetes?

 

Diabetes ist eine chronische, unheilbare Stoffwechselstörung durch Insulinmangel. Das Wort „Diabetes“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Hindurchfließen“ (unbehandelte Patient*innen mit fortgeschrittenem Diabetes haben ständig Durst und müssen häufig Wasser lassen), das Wort „mellitus“ ist lateinisch und bedeutet „honigsüß“. Diabetes mellitus wird daher auch als Zuckerkrankheit bezeichnet. Es wird geschätzt, dass in Deutschland ca. 7 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sind. Das entspricht etwa 9 % der erwachsenen Bevölkerung. Häufig wird die Diagnose Typ-2-Diabetes erst recht spät gestellt, weil die Beschwerden sich langsam entwickeln bzw. nicht so auffällig sind.

Der Diabetes mellitus wird nach Ursache und Verlauf in mehrere Untergruppen eingeteilt. Gemeinsam ist allen Formen beim Neuauftreten der zu hohe Blutzucker (Überzuckerung, Hyperglykämie).

Die am häufigsten auftretenden Diabetestypen sind Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes, früher insulinabhängiger bzw. nicht-insulinabhängiger oder auch jugendlicher bzw. Alters-Diabetes mellitus genannt. Daneben gibt es andere Formen, die seltener auftreten, z. B. den Schwangerschaftsdiabetes.

Allen Diabetesformen ist gemeinsam, dass der Körper nicht ausreichend das Hormon Insulin produziert oder nicht mehr auf das Hormon reagiert. Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse hergestellt (den Betazellen) und sorgfältig abgestimmt auf die Nahrungszufuhr bzw. den Zuckerspiegel im Blut freigesetzt. Insulin ist entscheidend dafür, dass die Zellen aller Organe Zucker aus dem Blut aufnehmen können, um daraus Energie zu gewinnen. Ist zu wenig Insulin vorhanden oder können die Körperzellen auf die Insulinwirkung nicht ausreichend reagieren, so gelangt zu wenig oder kein Zucker mehr in die Zellen und der Blutzucker bleibt dauerhaft erhöht. Dies kann bei extrem hohen Zuckerspiegeln zu lebensgefährlichen Symptomen führen und langfristig zu Folgekrankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sowie von Augen, Nerven und Nieren. Bei schlecht heilenden Wunden an den Füßen droht eine Amputation.

Der Typ-1-Diabetes wird durch eine Zerstörung der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen, wodurch der Körper im Verlauf gar kein Insulin mehr produzieren kann. Typ-2-Diabetes wird durch eine zu geringe Insulinproduktion oder eine beeinträchtigte Insulinwirkung verursacht. Die häufigste Erklärung ist, dass sich die Betroffenen (bei gewisser Veranlagung) zu lange ungesund ernährt haben und übergewichtig geworden sind.

Gehöre ich zur Risikogruppe?

Typ-2-Diabetes

Am verbreitetsten ist Typ-2-Diabetes. Grundlage sind erbliche Veranlagung und ungesunde Lebensweise. Die Krankheit entwickelt sich schleichend über Jahre und wird üblicherweise im mittleren bis höheren Alter diagnostiziert – häufig zufällig bei ärztlichen Untersuchungen. Typische erste Krankheitszeichen sind vermehrter Harndrang, Durstgefühl und Abgeschlagenheit.

Die Ursachen für die Entwicklung eines Diabetes mellitus sind vielfältig und werden auch heute noch intensiv erforscht. Es gibt eine erbliche Komponente, für die Entwicklung der Erkrankung spielt jedoch die Lebensweise eine noch wichtigere Rolle. Ungünstige Faktoren, die das Risiko für Diabetes erhöhen, sind Bewegungsmangel, ballaststoffarme und fettreiche Kost sowie das Rauchen. Bei Menschen über 45 Jahren steigt das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, bei einem BMI von mehr als 25 stark an. Besonders hoch ist das Typ-2-Diabetes-Risiko bei Menschen mit viel Bauchfett bzw. einem erhöhten Taillenumfang.

Der Typ-2-Diabetes tritt oft zusammen mit anderen sogenannten Volkskrankheiten auf. Dies betrifft neben Übergewicht auch Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte. Bei Auftreten eines metabolischen Syndroms gelingt es im Anfangsstadium oft, die Erkrankung zumindest zeitweise zurückzudrängen. Einige Medikamente, wie Kortisonpräparate, können das Krankheitsbild auslösen bzw. verschlimmern. Gleiches gilt für Stoffwechselerkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom. Frauen, die früher einmal an Schwangerschaftsdiabetes litten, haben ein erhöhtes Risiko, später auch an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Typ-1-Diabetes

Auf Patient*innen mit Typ-1-Diabetes entfallen ca. 5 % aller Diabetes-Fälle. In Deutschland liegt die Anzahl von Neuerkrankungen bei 15 Fällen pro 100.000 Einw. pro Jahr. Eine Erstmanifestation ist in allen Altersgruppen möglich, in 50–60 % der Fälle tritt sie jedoch vor dem Alter von 16–18 Jahren auf.

In der Regel führt er innerhalb von Tagen bis Wochen zu plötzlich einsetzenden Beschwerden und Symptomen wie vermehrtem Harndrang, Durst, Gewichtsverlust. Ein lebensbedrohendes Zuckerkoma als erstes Krankheitszeichen gibt bei 15–30 % der Patient*innen Anlass zur Diagnosestellung.

Auch für die Entstehung von Typ-1-Diabetes spielen Erbanlagen eine Rolle. Das Risiko, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, beträgt bei Kindern von Vätern mit Typ-1-Diabetes 5–6 %. Ist die Mutter erkrankt, liegt das Risiko für das Kind bei 2–3 %. Haben beide Eltern Typ-1-Diabetes, liegt das Erkrankungsrisiko bei 30 %. Bei Geschwistern, die im Kindesalter erkranken, liegt das kumulative Risiko im einstelligen Bereich. Je früher ein Kind an Diabetes-Typ-1 erkrankt, desto höher ist das Risiko für die Geschwisterkinder. Darüber hinaus steigt das Risiko auch mit zunehmendem Alter der Eltern und bei männlichem Geschlecht.

Wie kann ich das Risiko verringern?

Für den Typ-1-Diabetes sind keine aktiven Maßnahmen bekannt, die eine Erkrankung verhindern können. Studien konnten zeigen, dass eine Infektionen mit Enteroviren während der Schwangerschaft oder im Kindesalter einen prädisponierenden Faktor darstellen. Bei Kindern mit genetischer Veranlagung erhöht sich das Risiko für Typ-1-Diabetes bei Infekten der oberen Atemwege im 1. Lebensjahr.

Das Auftreten von Diabetes-Typ-2 wird durch die Vorbeugung von Übergewicht gesenkt. Bei Risikopatient*innen wirkt sich regelmäßige körperliche Aktivität positiv aus. Studien haben gezeigt, dass eine Veränderung des Lebensstils bei Menschen mit Typ-2-Diabetes-Risiko die Anzahl an Neuerkrakungen senkt. Das Diabetesrisiko bei Patient*innen, die aufgrund schwerer Adipositas eine Operation erhielten (z. B. Magenverkleinerung), ist 15 Jahre nach dem Eingriff um 80 % niedriger als bei Menschen, deren Adipositas nicht chirurgisch behandelt wurde. Eine wichtige Rolle bei der Prävention spielt auch die Ernährung. Durch eine Mittelmeerdiät scheint der Entwicklung eines Diabetes in hohem Maße vorgebeugt werden zu können. In den durchgeführten Studien bestand die Mittelmeerdiät aus reichlich Olivenöl bei der Zubereitung von Speisen, viel Obst, Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten, Brotwaren und Fisch sowie wenig Fleisch und Milchprodukten.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Diabetesinformationsdienst Münchenwww.diabetesinformationsdienst-muenchen.de  

  2. American Diabetes Association, Genetics of Diabetes. Alexandria (VA) USA, 2014www.diabetes.org  

  3. Deutsche Diabetes Hilfe. Diabetes in Zahlen, Berlin 2015www.diabetesde.org  

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin