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Typ-2-Diabetes, Antidiabetika

Antidiabetika sind Medikamente, die beim Typ-2-Diabetes eingesetzt werden.

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Was sind Antidiabetika?

Antidiabetika sind Medikamente, die beim Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Sie können den Blutzucker, d. h. den Glukosespiegel im Blut, senken.

Die Medikamente werden eingesetzt, solange die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert. Dies ist zu Beginn bei Typ-2-Diabetes der Fall, nicht aber beim Typ-1-Diabetes. Bei sehr weit fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes reichen Antidiabetika nicht immer aus, sodass eine Insulintherapie notwendig werden kann.

Metformin

Metformin ist das Medikament der ersten Wahl, sowohl bei über- als auch normalgewichtigen Patient*innen ist. Es verbessert die Wirkung des Insulins. Dabei wird die Aufnahme von Insulin in die Muskeln gesteigert und die Ausschüttung von Glukose aus der Leber verringert.  Das Medikament führt nur selten zu einem zu niedrigen Blutzucker und es kommt zu einer geringeren Gewichtszunahme als bei anderen Medikamenten. Es hat sich gezeigt, dass durch Metformin Herzgefäßerkrankungen vorgebeugt werden und die Sterblichkeit von Betroffenen sinkt. Metformin kann mit allen anderen Antidiabetika und Insulin kombiniert werden.

Patient*innen beginnen mit einer geringen Dosis und steigern diese, bis sich die gewünschte Wirkung eingestellt hat oder die Höchstdosis von 3 Gramm/Tag erreicht wird. Nebenwirkungen können Appetitlosigkeit, Übelkeit, Magenschmerzen und Durchfall sein. Das Medikament sollte bei Nieren- oder Leberversagen, einem schlechten Allgemeinzustand und Alkoholismus vorsichtig eingesetzt werden. In der Schwangerschaft und Stillzeit wird Metformin nicht empfohlen. Bei dauerhafter Anwendung kann ein Vitamin-B12-Mangel auftreten. Schwerwiegendste Nebenwirkung ist eine sog. Laktatazidose, ein Säure-Basen-Ungleichgewicht im Blut. Diese tritt sehr selten und auch bei anderen Antidiabetika auf. Wird bei Ihnen eine Röntgenuntersuchung mit einem jodhaltigen Kontrastmittel durchgeführt, sollte die Therapie mit Metformin 2–3 Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden.

Sulfonylharnstoffe

Die auf dem Markt erhältlichen Präparate sind Glibenclamid, Gliclazid, Glipizid, Glimepirid.

Die Medikamente stimulieren die Bauchspeicheldrüse, mehr Insulin zu produzieren. Sulfonylharnstoffe werden in der Regel mit Metformin kombiniert, wenn eine Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität in Kombination mit Metformin nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen. Eine wichtige Nebenwirkung ist die Gefahr eines zu niedrigen Blutzuckerspiegels. Außerdem können Sulfonylharnstoffe eine Gewichtszunahme bewirken.

Kontraindikationen sind Schwangerschaft und Stillzeit sowie schwere Leber- oder Niereninsuffizienz oder eine Unverträglichkeit der Inhaltsstoffe.

Die empfohlene Anfangsdosis für Gliclazid ist 30 mg täglich, die für mindestens 2 Wochen beibehalten werden sollte. Danach kann die Tagesdosis stufenweise erhöht werden. Jede Stufe wird in der Regel 1 Monat beibehalten. Die empfohlene Höchstdosis ist 120 mg am Tag.

Ein Nutzen für die kleinen Gefäße, die durch den hohen Blutzucker geschädigt werden, ist nur für Gliclazid und Glibenclamid belegt. 

Gliptine (DPP-4-Hemmer)

In diese Gruppe fallen Sitagliptin, Vildagliptin, Saxagliptin und Linagliptin.

Das Präparat verstärkt den Effekt der Inkretinhormone (GLP-1 und GIP). Bei Einnahme einer Mahlzeit werden diese Hormone im Darm freigesetzt. Sie senken die Ausschüttung von Glukagon, einem Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, das den Blutzuckerspiegel erhöht. Durch Gliptine steigt also der Blutzucker nach einer Mahlzeit weniger stark an. Die Medikamente haben keinen Einfluss auf das Gewicht und führen nicht zu gefährlich niedrigen Blutzuckerspiegel.

Gliptine sind Antidiabetika ohne gesicherte Beeinflussung der Sterblichkeit, dem Auftreten von Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankung. Der angenommene günstige Effekt beruht auf der Tatsache, dass Gliptine den HbA1c-Spiegel nachweislich senken. Sie werden vor allem bei Patient*innen mit deutlich herabgesetzter Nierenfunktion eingesetzt oder wenn eine Insulintherapie angezeigt, aber abgelehnt wird.

Mögliche Nebenwirkungen sind anhaltende und starke Gelenkschmerzen. Es besteht der Verdacht, dass die Medikamente zu einem erhöhten Vorkommen von Tumoren oder Entzündungen in der Bauchspeicheldüse führen könnten. Auch das vermehrte Auftreten von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wurde berichtet.

SGLT-2-Hemmer (Gliflozine)

Die Wirkstoffe sind Dapagliflozin, Empagliflozin, Canagliflozin und Ertugliflozin als Fixkombination mit Sitagliptin. Diese Medikamente erhöhen die Glukoseausscheidung über die Nieren.

Für Empagliflozin konnte nachgewiesen werden, dass sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenerkrankungen unter der Therapie seltener entwickeln. Außerdem senkt es den HbA1c-Spiegel und trägt zur Gewichtsabnahme bei.

Bei schwerer Niereninsuffizienz werden SGLT-2-Hemmer nicht eingesetzt. Als Nebenwirkungen treten Blasenentzündungen, Genitalinfekte und niedriger Blutdruck vermehrt auf. Weiterhin ist das Auftreten von Ketoazidosen (Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt des Blutes) nicht selten und unter Umständen schwerwiegend.

Inkretinmimetika/GLP-1-Analoga

In Deutschland gibt es zwei Präparate: Exenatid und Liraglutid. Diese Medikamente stimulieren die Bauchspeicheldrüse zu einer gesteigerten Insulinproduktion und führen zu einer Verzögerung der Magenentleerung, zügeln den Appetit und führen zu einem schnelleren Sättigungsgefühl. Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Das Präparat kann auch eine (ggf. gewünschte) Gewichtsabnahme bewirken.

Wegen Sicherheitsbedenken hinsichtlich des Risikos einer Bauchspeicheldrüsenentzündung und der möglichen Entwicklung von bösartigen Tumoren wird beim Einsatz von GLP-1-Analoga sehr zur Vorsicht geraten.

Die meisten GLP-1-Analoga müssen gespritzt werden.

Acarbose

Acarbose verzögert den Abbau und damit die Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm. Somit steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit nicht so stark an. Das Medikament wird zusammen mit dem Essen eingenommen. Es kann zu Magenschmerzen, insbesondere Blähungen, führen und darf bei Darmerkrankungen nicht eingesetzt werden.

Es ist nicht sicher geklärt, ob die Acarboe Einfluss auf den Krankheitsverlauf des Diabetes oder auf die Sterblichkeit hat. Es hat einen günstigen Einfluss auf die Blutzuckerkontrolle und den Insulinspiegel, nicht jedoch auf die Blutfette und das Körpergewicht. In den aktuellen Leitlinien wird das Medikament nicht empfohlen.

Glinide

Glinide haben eine den Sulfonylharnstoffen ähnliche Wirkung. Die Mittel wirken kurzzeitig und stimulieren das Pankreas zu einer vermehrten Insulinproduktion.

Auf dem Markt ist nur noch Repaglinid, das bei einer ausgeprägten Niereninsuffizienz, wenn andere Präparate nicht mehr eingesetzt werden dürfen, erwogen werden kann.

Das Präparat spielt heute keine wesentliche Rolle mehr in der Diabetestherapie.

Insulin

Insulin kann nur als Injektion verabreicht werden. Die Insulindosis wird unter die Haut gespritzt, meist in den Oberschenkel oder den Bauch.

Der Einsatz von Insulin bei Patient*innen mit Typ-2-Diabetes wird immer dann in Erwägung gezogen, wenn das Therapieziel allein mit einer Ernährungsumstellung, Bewegung und den o. g. Medikamenten nicht erreicht wird. Zu Beginn der Insulintherapie steigt das Gewicht oft an. Da eine Gewichtsabnahme aber ein wichtiger Teil der Therapie bei Typ-2-Diabetes ist, wird Insulin bei übergewichtigen Patienten vorzugsweise erst spät eingesetzt.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin
  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg