Typ-2-Diabetes, Insulintherapie

Bei Typ-2-Diabetes wird Insulin eingesetzt, wenn das Therapieziel mit Ernährungsumstellung, Bewegung und Antidiabetika nicht erreicht wird.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist Insulin?

Insulin ist ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel des Körpers reguliert. Es wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und an das Blut abgegeben. Steigt der Blutzuckerspiegel, scheidet die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin aus, fällt der Blutzuckerspiegel, wird die Produktion von Insulin verringert.

Das Insulin hat zwei Funktionen. Erstens stimuliert es die Zellen, Zucker (Glukose) aus dem Blut aufzunehmen. In den Zellen wird die Glukose als eine Art Brennstoff für die verschiedenen Aufgaben der Zellen verwendet. Wird die Glukose nicht vollständig verwendet, kann sie als Glykogen gespeichert werden.

Zweitens beeinflusst das Insulin die Produktion von Glukose in der Leber. Wenn der Blutzuckerspiegel hoch ist und der Insulinspiegel im Blut steigt, bremst das Insulin die Freisetzung von Glukose aus der Leber, wenn der Blutzuckerspiegel niedrig ist und der Insulinspiegel im Blut sinkt, steigt die Freisetzung von Glukose aus der Leber.

Wann wird Insulin eingesetzt?

Bei Typ-2-Diabetes wird Insulin in der Regel erst dann eingesetzt, wenn das Therapieziel mit Ernährungsumstellung, Bewegung und Antidiabetika nicht erreicht wird.

Außerdem kann Insulin bei eingeschränkter Nierenfunktion, schweren Infekten, Traumata und größeren Operationen verabreicht werden oder bei gleichzeitiger Gabe von Glukokortikoiden. In solchen Fällen ist der Einsatz von Insulin meist zeitlich begrenzt.

Ernährungsumstellung vor Beginn einer Insulintherapie

Beim Typ-2-Diabetes liegt meist kein absoluter Insulinmangel vor, sondern ein erhöhter Insulinspiegel mit fehlender blutzuckersenkender Wirkung („Insulinresistenz"). Die Entwicklung einer solchen Insulinresistenz kann als Reaktion auf einen andauernd erhöhten Insulinspiegel im Blut angesehen werden. Es wird angenommen, dass eine (westliche) Ernährung mit hohem Anteil an schnell resorbierbaren Kohlenhydraten (z. B. Zucker) eine wichtige Ursache des andauernden hohen Insulinspiegels ist. Daher kann eine Ernährungsumstellung, vor allem in den frühen Phasen des Typ-2-Diabetes zu einer Normalisierung des Insulin- und Blutzuckerspiegels beitragen. Betroffenen wird empfohlen, weniger Kohlenhydrate zu essen.

Nebenwirkungen der Insulintherapie

Eine häufige Nebenwirkung der Insulintherapie ist ein zu niedriger Blutzuckerspiegel. Er führt zu vermehrtem Schwitzen, Herzklopfen, Stimmungsschwankungen und Durst. Bei sehr niedrigen Blutzuckerspiegeln treten Bewusstlosigkeit, Krämpfe und Lähmungen auf. Die Symptome können bei älteren Menschen einem Schlaganfall ähneln.

Zu bedenken ist auch die Wirkung von Insulin auf den Fettstoffwechsel: Insulin fördert die Fetteinlagerung und hemmt den Abbau von Fettsäuren. So kommt es bei hohen Insulinspiegeln zu einer Gewichtszunahme. Sie ist eine häufige, unerwünschte Nebenwirkung der Insulintherappie.

Praktische Durchführung

Vor Einleitung der Insulintherapie wird mit Ihnen ein individueller Zielwert für die Nüchternglukose festgelegt, z. B. eine durchschnittliche Blutglukose von 169 mg/dl (9,3 mmol/l). Das bedeutet, dass Sie zu Therapiebeginn jeden Morgen Ihren Blutzuckerspiegel messen sollten. In vielen Fällen wird die nichtmedikamentöse Basistherapie (Ernährung und Bewegung) fortgeführt. Das Spritzen von Insulin kann in Schulungen erlernt werden. Die Einstichstellen werden regelmäßig vom ärztlichen Personal kontrolliert.

In einem ersten Schritt kann ein langwirksames Humaninsulin (NPH-Insulin oder „Basal"-Insulin) eingesetzt werden. Es wird in der Regel am Abend verabreicht und hält den Insulinspiegel über Nacht niedrig. Wichtig ist, dass das NPH-Basalinsulin vor der Injektion geschwenkt wird. Falls nicht sichergestellt ist, dass Sie Ihr Insulin fachgerecht applizieren können, ist ein Wechsel auf langwirksame Insulin-Analoga (z. B. Detemir- und Glargin-Insulin) oder die Einbindung von Angehörigen oder die eines Pflegedienstes notwendig.

NPH-Insulin kann mit der Einnahme von Metformin kombiniert werden. Das Antidiabetikum Glibenclamid sollte dagegen vor Beginn einer Insulinbehandlung abgesetzt werden.

Falls der erste Schritt nicht ausreicht, um den Blutzuckerspiegel langfristig zu senken, kann das langwirksame Basalinsulin in einem zweiten Schritt mit kurzwirksamen Insulinen kombiniert werden. Als Beispielpräparat sei hier das Normalinsulin („Altinsulin") genannt. Als sog. kurzwirksame Insulinanaloga sind Lispro-, Aspart- und Glulisin-Insulin auf dem Markt erhältlich. Außerdem stehen Mischinsuline zu Verfügung.

Anpassung der Insulindosis

Generell ist die Dosierung des Insulins individuell unterschiedlich und abhängig von Gewicht, Stärke der Insulinresistenz, Vorerkrankungen und von Ihrem HbA1c-Zielwert. Dokumentieren Sie Ihren morgendlichen Blutzucker und besprechen Sie evtl. eine Anpassung Ihrer Dosis mit dem ärztlichem Personal. Als Faustregel gilt:

Ist der Nüchternblutzucker 3 Tage hintereinander:

  • höher als 180 mg/dl (10 mmol/l)
    • Erhöhen Sie die Abenddosis um 4 IE.
  • unter 180 mg/dl (8–10 mmol/l), aber über dem Zielwert
    • Erhöhen Sie die Abenddosis um 2 IE.
  • niedriger als 70 mg/dl (4,0 mmol/l) oder bei nächtlicher Unterzuckerung
    • Senken Sie die Abenddosis um 4 IE.

Ist die abendliche Dosis höher als 60 IE, sollte ein Therapieregime mit mehreren Insulininjektionen in Betracht gezogen werden:

  • Die abendliche Dosis eines lang wirksamen Insulins wird in Abhängigkeit von der morgendlichen Nüchternglukose angepasst.
  • Die morgendliche Dosis Mischinsulin wird in Abhängigkeit von dem Glukosewert vor dem Mittagessen angepasst.
  • Schnell wirksame Insuline vor einer Mahlzeit werden in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der jeweiligen Mahlzeit angepasst.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Dr. med, Ärztin, Berlin
  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg