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Hohe Blutfettwerte (Hyperlipidämie)

Erhöhte Blutfettwerte bedeuten, dass die Cholesterin- und/oder Triglyzeridwerte höher sind, als sie sein sollten. Es gibt viele Ursachen für hohe Blutfettwerte. Einige sind erblich, aber auch die Lebensweise spielt eine Rolle.

Zuletzt revidiert:

Was sind hohe Blutfettwerte?

Definition

Erhöhte oder hohe Blutfettwerte werden auch Hyperlipidämie genannt, dabei liegen die Werte für die Blutfette Cholesterin und Triglyzeride über den Normalwerten. Von besonderer Bedeutung sind dabei erhöhte Werte des Gesamtcholesterins (sog. Hypercholesterinämie) und der Low-Density-Lipoproteine (LDL) sowie ein niedriger Spiegel an High-Density-Lipoproteinen (HDL). In Lipoproteinen sind Cholesterin und Fette an Eiweißstoffe gebunden, die dem Transport im Blut dienen.

Niedriges HDL- und hohes LDL-Cholesterin sind ein Risikofaktor für Arteriosklerose  (Arterienverkalkung) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Bluthochdruck, Diabetes, Nikotinkonsum und eine erbliche Veranlagung.

Welche Werte gelten als zu hoch?

  • Blutfette werden in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. Millimol pro Liter (mmol/l) gemessen.
  • Bei gesunden Personen sollte das Gesamtcholesterin unter 200 mg/dl (5,2 mmol/l) liegen.
  • Das nützliche HDL-Cholesterin sollte über 40 mg/dl (1,0 mmol/l) liegen, und das schädliche LDL-Cholesterin sollte weniger als 160 mg/dl (4,1 mmol/l) betragen.
  • Triglyzeride sollten unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l) liegen.
  • Beachten Sie, dass für Personen mit früheren Herzkrankheiten oder anderen Risikofaktoren andere Werte gelten können. Ärzt*innen können Ihnen helfen zu beurteilen, ob die Blutfette zu hoch sind.

Symptome

Hohe Blutfettwerte verursachen in der Regel keine Beschwerden. Sie können jedoch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie SchlaganfallHerzinfarkt und Durchblutungsstörungen in den Beinen (PAVK) erhöhen. Bei sehr hohen Triglyzeridwerten kann zudem eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Fettleber entstehen.

Bei familiärer Hypercholesterinämie können sog. Xanthome (Fetteinlagerungen in Haut und Sehnen in Form von Knötchen) und Xanthelasmen (Fettablagerungen am Augenlid) auftreten.

Ursachen

Es gibt viele Ursachen für hohe Blutfettwerte. Fettstoffwechselstörungen können erblich bedingt oder Folge einer Erkrankung sein. Aber auch Lebensgewohnheiten wie Ernährung und Bewegung können erhebliche Auswirkungen haben.

Polygene Hypercholesterinämie

Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut (Hypercholesterinämie) kann auf verschiedenen Erbanlagen (Genen) beruhen. Bei der polygenen Hypercholesterinämie sind bestimmte Gene verändert, die das Risiko für hohe Cholesterinwerte erhöhen. Aber auch Ernährung und Lebensstil spielen eine Rolle. Nicht alle Familienmitglieder erben die Anlage für die Krankheit. 

Familiäre Hypercholesterinämie

Dies ist eine sogenannte dominant erbliche Erkrankung. Das heißt, dass eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Veranlagung geerbt wird. Ungefähr 1 Person von 500 ist davon betroffen. Bereits in der frühen Kindheit zeigt sich ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut. Patient*innen mit einer familiären Hypercholesterinämie haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Andere Ursachen

Eine Reihe anderer Erkrankungen und bestimmte Medikamente können eine Rolle bei der Entwicklung hoher Blutfettwerte spielen. Dazu gehören Diabetes, Erkrankungen der Schilddrüse (Hypothyreose), Nieren- oder Lebererkrankungen, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum, die Verwendung bestimmter harntreibender Medikamente und bestimmte Medikamente wie Betablocker (Herzmittel), Kortison und Östrogen (weibliches Geschlechtshormon).

Häufigkeit

  • Erhöhte Blutfettwerte kommen häufig vor und steigen mit zunehmendem Alter an.
  • Der Blutspiegel für Cholesterin liegt bei mehr als der Hälfte der Erwachsenen in Deutschland oberhalb des empfohlenen Grenzwertes.
  • Die von den Laboren angegebenen Grenzwerte für Cholesterin sind jedoch problematisch, da keine Anpassung an das Alter der Patient*innen erfolgt.

Untersuchungen

Ärztliche Untersuchung

  • Mögliche Ursachen werden im Arztgespräch abgeklärt, beispielsweise ob andere Mitglieder der Familie hohe Blutfettwerte haben, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie vorliegen und ob die Patient*innen Vorerkrankungen haben oder Medikamente einnehmen, die die Blutfettwerte beeinflussen können.
  • Da hohe Blutfettwerte einer von mehreren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, werden auch Fragen zu Tabak- und Alkoholkonsum sowie zu den Ernährungsgewohnheiten und körperlichen Aktivitäten gestellt.
  • Darüber hinaus erfolgt eine sorgfältige körperliche Untersuchung.

Blutuntersuchungen

  • Die Messung der Blutfette umfasst die Messung von Gesamtcholesterin, HDL, LDL und Triglyzeriden.
  • Für die Blutabnahme von Gesamtcholesterin, HDL und LDL ist es nicht zwingend nötig, nüchtern (ohne Frühstück) zu kommen, für die Bestimmung der Triglyzeride ist dies jedoch notwendig. Da die Blutfette oft gemeinsam mit dem Blutzucker bestimmt werden, ist eine Nüchternblutabnahme insgesamt sinnvoll. 

Behandlung

  • Leicht erhöhte Blutfette sind an sich kein großes Risiko, sondern es ist die Summe der verschiedenen Risikofaktoren wie erhöhte Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes, erbliche Veranlagung, RauchenÜbergewicht und Alter, die von entscheidender Bedeutung ist.
  • Dieses Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bildet auch die Grundlage für die Art der Behandlung. Je mehr Risikofaktoren vorhanden sind, desto wichtiger ist es, sie zu behandeln, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden.

Änderung des Lebensstils

  • Zunächst wird eine Änderung des Lebensstils empfohlen. Die Patient*innen werden u. a. bezüglich Bewegung und Ernährung beraten (s. u.).
  • Effekte können nach ca. 6 Monaten festgestellt werden.

Medikamentöse Therapie

  • Bei Entscheidungen über die Behandlung sollen Ärzt*in und Patient*in abwägen, wie hoch der Nutzen ist und welche Nebenwirkungen und Nachteile die Behandlung haben kann.
  • Wenn das Gesamtrisiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der nächsten 10 Jahre hoch ist (über 20 %), wird eine medikamentöse Behandlung empfohlen.
  • Dazu werden sog. Statine verschrieben, die den Cholesterinspiegel senken.
  • Statine werden auch bei sehr hohen Cholesterinwerten (über 310 mg/dl bzw. 8 mmol/l) und bei einer familiären Hypercholesterinämie empfohlen.
  • Nebenwirkungen treten in Abhängigkeit von der Dosis auf und können Niere, Leber und Muskeln betreffen. Ggf. ist es hilfreich, das Medikament zu wechseln oder niedriger zu dosieren.
  • Bei sehr hohen Cholesterinwerten kann in bestimmten Fällen die kombinierte Einnahme eines Statins mit einem anderen Medikament (z. B. Ezetimib) erwogen werden.
  • In manchen Fällen kann es angebracht sein, Medikamente anzuwenden, die die Triglyzeridwerte senken.

Was können Sie selbst tun?

  • Regelmäßige körperliche Aktivität ist wichtig. Sie sollten sich mindestens 15 Minuten täglich oder 90 Minuten pro Woche moderat intensiv bewegen.
  • Bei Übergewicht wird eine Gewichtsabnahme empfohlen.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung. Eine mediterrane Ernährungsweise mit möglichst geringem Anteil an gesättigten Fetten wird empfohlen.
  • Verwenden Sie Kochsalz in Maßen (unter 6 g pro Tag).
  • Hören Sie auf zu rauchen und mäßigen Sie Ihren Alkoholkonsum.

Prognose

  • Die Blutfettwerte hängen von Alter und Geschlecht ab und steigen mit zunehmendem Alter an.
  • Erhöhte Blutfettwerte können zu Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
  • Die Prognose hängt von der Höhe des Cholesterinspiegels ab und dem Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Quellen

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperlipidämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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