Zum Hauptinhalt springen

Osteoporose

Osteoporose (Knochenschwund) ist eine Skeletterkrankung, bei der sich die Knochenmasse verringert und Veränderungen im Knochenbau auftreten. Dadurch wird das Skelett instabiler und die Gefahr von Frakturen erhöht sich. Besonders häufig betroffen sind Frauen über 50 Jahre.

Zuletzt überarbeitet:



Was ist Osteoporose?

Fakten

  • Osteoporose (Knochenschwund) ist eine Skeletterkrankung, bei der sich die Knochenmasse verringert und Veränderungenen im Knochenbau auftreten. Dies macht das Skelett weniger stabil und erhöht die Gefahr von Knochenbrüchen. Besonders häufig betroffen sind Frauen über 50 Jahre.
  • Der Knochenschwund verursacht zunächst nur selten Beschwerden, sondern wird oftmals erst bei einem Bruch festgestellt.
  • Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Osteoporose für beide Geschlechter aufgrund der schwindenden Knochenmasse. Frauen nach den Wechseljahren sind außerdem durch einen verminderten Östrogenspiegel stärker betroffen.
  • Bei der Untersuchung werden Risikofaktoren berücksichtigt, wie zurückliegende Knochenbrüche, körperliche Aktivität, eingenommene Medikamente und andere Erkrankungen. Bei erhöhtem Risiko für Knochenbrüche wird eine Knochendichtemessung durchgeführt.
  • Raucherentwöhnung, eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität – vorzugsweise tagsüber im Freien – sind die besten selbstständig durchführbaren Maßnahmen, um einem Knochenschwund vorzubeugen. Durch Kraft- und Gleichgewichtstraining können Stürze verhindert werden.
  • Bei stark betroffenen Patient*innen kann eine Behandlung mit Kalzium, Vitamin D und weiteren Medikamenten sinnvoll sein.

Symptome

Osteoporose ist selten durch körperliche Beschwerden zu erkennen, sondern wird oftmals erst bei einem Knochenbruch festgestellt.

  • Die häufigsten Stellen für Brüche aufgrund von Osteoporose sind Oberschenkel, Rückenwirbel und Unterarme.
  • Eine Person mit Osteoporose kann auch bei kleineren Unfällen leichter einen Knochenbruch erleiden. Das Skelett ist bei Osteoporose geschwächt, weshalb sonst unproblematische Stöße und Stürze bereits zu Brüchen oder Rissen führen können.
  • Einige Betroffene klagen darüber hinaus über Schmerzen, die am häufigsten im Rücken auftreten. Diese können auch ein Hinweis auf einen Wirbelbruch sein.
  • Mit der Zeit kann die Körpergröße abnehmen und ein Rundrücken entstehen.

Ursachen

Osteoporose kann von allein (primär) oder als Folge einer anderen Erkrankung (sekundär) entstehen.

Osteoporose ohne verursachende Grunderkrankung

Bei den meisten Betroffenen liegt eine primäre Form der Osteoporose vor. Die wichtigsten Risikofaktoren hierbei sind das Alter und hormonelle Veränderungen bei Frauen.

  • Ab dem Alter von 40 Jahren nimmt die Knochenmasse bei allen Menschen allmählich ab. Je höher das Alter, desto höher ist deshalb die Wahrscheinlichkeit, von Osteoporose betroffen zu sein. 
  • Die Wahrscheinlichkeit einer Osteoporose ist bei Frauen nach den Wechseljahren höher. Dies wird auf niedrigere Spiegel des Geschlechtshormons Östrogen zürückgeführt, das den Knochenstoffwechsel beeinflusst.
  • Ab dem 70. Lebensjahr tritt Osteoporose bei beiden Geschlechtern durch alterbedingten Verlust der Knochendichte auf.
  • Die Knochenfestigkeit ist vermutlich zum Teil auch genetisch bedingt.

Osteoporose infolge einer Grunderkrankung

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die zu Osteoporose führen können, z. B.:

  • Diabetes und Störungen des Hormonhaushalts 
  • rheumatische Erkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Zöliakie
  • Bettlägerigkeit infolge von anderen Erkrankungen.

Auch Medikamente, beispielsweise eine dauerhafte Behandlung mit Kortison-Tabletten, spielen eine Rolle.

Risikofaktoren 

  • Das Risiko für Osteoporose ist erhöht für untergewichtige Personen und bei geringer sportlicher Betätigung sowie starkem Rauchen und Alkoholkonsum.
  • Außerdem beschleunigt ein Mangel an Kalzium und Vitamin D (z. B. durch fehlendes Tageslicht) den Verlauf.
  • Verminderte Kraft und eine Neigung zu Stürzen erhöhen das Risiko für Knochenbrüche.
  • Das Risiko nimmt mit dem Alter zu, insbesondere wenn bereits Knochenbrüche aufgetreten sind.

Häufigkeit

  • Osteoporose ist eine häufige Erkrankung, die vornehmlich Menschen über 50 Jahren betrifft. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter an, Frauen sind im Schnitt 10 Jahre früher betroffen als Männer.
  • In Deutschland sind ca. 5,2 Mio. Frauen und 1,1 Mio. Männer betroffen.
  • Schätzungen zufolge erleiden 50 % der Frauen und 20 % der Männer in Deutschland in ihrem Leben einen Knochenbruch, der auf Osteoporose zurückzuführen ist.

Untersuchungen

Wenn Knochenbrüche ohne erklärende Verletzungsursache aufgetreten sind oder bei einem erhöhten Risiko für solche Knochenbrüche, z. B. aufgrund von Vorerkrankungen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine Untersuchung auf Osteoporose wird zudem Frauen ab dem 70. Lebensjahr und Männern ab dem 80. Lebensjahr sowie nach 3 Monaten Therapie mit höher dosierten Kortison-Tabletten empfohlen.

Anamnesegespräch

  • Im Anamnesegespräch werden Risikofaktoren für Osteoporose erfragt wie erbliche Faktoren (z. B. unerklärliche Knochenbrüche bei Familienangehörigen), körperliche Aktivität, Sonnenlichtexposition, Ernährung, Konsum von Alkohol und Tabak, Medikamenteneinnahme und Erkrankungen.
  • Außerdem werden Schmerzen und funktionelle Beeinträchtigungen erfasst.

Körperliche Untersuchung

  • Eine körperliche Untersuchung kann Hinweise auf einen Knochenschwund liefern, beispielsweise durch eine Verformung des Rückens oder durch eine Abnahme der Körpergröße.
  • Auch das Gewicht wird gemessen, da bei Untergewicht das Risiko für Osteoporose erhöht ist.
  • Mit verschiedenen Tests können Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht erfasst werden, um so das Sturzrisiko zu ermitteln.
  • Um andere Erkrankungen auszuschließen, werden möglicherweise Blutuntersuchungen durchgeführt.

Bildgebende Untersuchungen

  • Bei Rückenschmerzen und Rückenverformungen wird eine Röntgenaufnahme des Rückens gemacht.
  • Eine Röntgenuntersuchung erfolgt auch, um Wirbelkompressionen oder andere Knochenbrüche zu erkennen.

Knochendichtemessung

Die darüber hinaus wichtigste Untersuchung ist die Knochendichtemessung, durch die der Mineralgehalt des Skeletts ermittelt wird. Dabei kommen verschiedene Röntgentechniken zur Anwendung. Am häufigsten wird die sog. DXA-Technik (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry) eingesetzt. Die Messung erfolgt an der Lendenwirbelsäule und/oder am Oberschenkelknochen.

Die Knochendichtemessung wird empfohlen, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen zukünftigen Knochenbruch durch Osteoporose hoch ist. Bei Patient*innen, die eine Fraktur erlitten haben, wird sie durchgeführt, um festzustellen, ob diese auf Osteoporose zurückzuführen ist. So soll die Knochendichtemessung dabei helfen zu entscheiden, ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist.

Behandlung

Ziele

Bei der Behandlung der Osteoporose werden verschiedene Ziele verfolgt.

  • In erster Linie soll Knochenbrüchen vorgebeugt werden, auch durch Vermeidung von Stürzen.
  • Eine Behandlung soll außerdem die Lebensqualität verbessern, Funktion und Beweglichkeit erhalten und Schmerzen reduzieren.
  • Zudem soll ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Die Behandlung kann aus selbstständig durchführbaren Maßnahmen wie körperlichem Training und ausgewogener Ernährung bestehen sowie aus Medikamenten und Maßnahmen gegen die Sturzgefahr. Die Therapie bei Osteoporose infolge einer Grunderkrankung unterscheidet sich je nach Ursache.

Medikamente

Das Risiko, in den nächsten Jahren einen Knochenbruch durch Osteoporose zu erleiden, ist dafür entscheidend, ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist. Bei einem hohen Risiko oder bei einem bereits bestehenden Wirbelkörper- oder Oberschenkelbruch wird eine medikamentöse Therapie empfohlen. Die Therapie sollte mindestens 3 Jahre andauern, kann aber auch (ggf. mit Unterbrechung) lebenslang notwendig sein.

Kalzium und Vitamin D

Die Basis der Behandlung ist stets eine ausreichende Zufuhr von Kalzium (1.000 mg täglich) und Vitamin D (800–1.000 IE), ggf. über Nahrungsergänzungsmittel.

Bisphosphonate

Darüber hinaus angewandt werden Bisphosphonate, die das Knochengewebe stabilisieren und den Abbau hemmen. Als Nebenwirkung können Verdauungsbeschwerden auftreten. Da bei Einnahme von Bisphosphonaten bestimmte Zahnbehandlungen nur mit Vorsicht durchgeführt werden sollten, wird eine zahnärztliche Kontrolle vor Beginn der Therapie empfohlen. Bei schlechter Verträglichkeit existieren neuere Alternativmedikamente wie der Antikörper Denosumab.

Weitere Medikamente

Bei bereits fortgeschrittener Erkrankung mit mehreren Knochenbrüchen können andere Medikamente eingesetzt werden, die den Knochen wiederaufabauen. Dazu gehört Teriparatid, ein biotechnologisch hergestelltes Fragment des Parathormons aus der Nebenschilddrüse.

Östrogene wirken einer Osteoporose entgegen. Frauen, die aufgrund von Wechseljahresbeschwerden bereits eine Hormonersatztherapie erhalten, benötigen daher in der Regel keine weitere medikamentöse Behandlung.

Ergänzende Maßnahmen

  • Physiotherapie dient sowohl der Vorbeugung als auch der Behandlung von Knochenbrüchen bei Osteoporose. Physiotherapeutische Übungen können das Sturzrisiko verringern.
  • Bei Schmerzen kann die Einnahme von Schmerzmitteln hilfreich sein. Mögliche Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sollten dabei berücksichtigt werden.

Verlaufskontrolle

  • Während der Behandlung sollten regelmäßige ärztliche Kontrollen erfolgen.
  • Bei einer Therapie mit Bisphosphonaten und Denosumab werden zusätzlich regelmäßige zahnärztliche Kontrollen empfohlen.
  • Eine medikamentöse Osteoporose-Therapie sollte nach 3–5 Jahren überprüft werden.

Was können Sie selbst tun?

Durch verschiedene Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, können Sie zu einem Erhalt der Knochendichte beitragen. Hierzu zählen regelmäßige Aktivitäten im Freien und eine ausgewogene Ernährung.

Ernährung

  • Vermeiden Sie sowohl Unter- als auch Übergewicht.
  • Wichtig ist die ausreichende Einnahme von Kalzium und Vitamin D. Empfohlen werden 1.000 mg Kalzium Gesamtzufuhr täglich und 800–1.000 IE Vitamin D3.
  • Kalzium ist beispielsweise in Milchprodukten und grünen Gemüsesorten enthalten.
  • Vitamin D befindet sich vor allem in Seefisch, Butter und Eiern.
  • Die häufigste Ursache eines Vitamin-D-Mangels ist jedoch nicht die mangelhafte Einnahme über die Nahrung, sondern zu wenig Sonnenlicht.

Lebensstil

  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sollten vermieden werden.
  • Halten Sie sich regelmäßig im Freien auf, um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Sie sollten jeden Tag für ca. 30 min mit unbedeckten Händen und Kopf in die Sonne gehen.

Körperliche Aktivität

  • Körperliche Betätigung wirkt sich fördernd auf das Skelett sowie die Muskelkraft aus und mindert die Neigung zu Stürzen. Insbesondere Training von Kraft, Gleichgewicht und Koordination hat positive Effekte.
  • Empfohlen werden z. B. Treppensteigen, Radfahren, Wandern, Tanzen, Gymnastik sowie Krafttraining.

Vorbeugung von Stürzen

  • Wichtig ist es auch, Stürzen vorzubeugen. Hier kann es beispielsweise helfen, potenzielle Sturzquellen wie Teppiche in Wohnungen zu entfernen, einen Sitz in der Dusche zu installieren oder Handläufe zu montieren.
  • Darüber hinaus werden gutes Schuhwerk sowie optimale Sehhilfen empfohlen. Bei Personen, die unsicher auf den Beinen sind, können Gehhilfen hilfreich sein.

Prognose

Bei der Mehrzahl der Patient*innen mit Osteoporose besteht eine chronische Erkrankung mit einem dauerhaft erhöhten Risiko für Knochenbrüche. Dies kann zu eingeschränkter Beweglichkeit, chronischen Schmerzen und einer verminderten Lebensqualität führen.

Wenn das erhöhte Risiko durch Medikamente oder Rauchen bedingt ist, kann es 1–2 Jahre nach Beendigung der Einnahme bzw. des Nikotinkonsums wieder zurückgehen.

Eine medikamentöse Behandlung kann das Risiko von Knochenbrüchen durch Osteoporose um 50–80 % senken.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dietrich August, Dr. med., Arzt, Freiburg im Breisgau