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Hyperaldosteronismus

Aldosteron ist ein Hormon, das in den Nebennieren produziert wird. Dessen wichtigste Funktion ist die Regelung des Salz- und Flüssigkeitshaushalts im Körper. Der Hyperaldosteronismus kann die Ursache für arteriellen Bluthochdruck sein.

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Anatomie

Die beiden Nebennieren liegen an der Oberseite jeder Niere und wiegen jeweils ca. 4 g. Die Nebennieren setzen sich aus zwei Teilen zusammen, dem Nebennierenmark und der Nebennierenrinde. Das Nebennierenmark bildet die zentralen 20 % der Drüse und ist verbunden mit dem vegetativen, sympathischen Nervensystem. Es setzt die Hormone Adrenalin und Noradrenalin frei, die den Körper für die Überwindung einer akuten Krise mobilisieren. Die Nebennierenrinde setzt eine völlig andere Gruppe von Hormonen frei, die man adrenokortikale Hormone oder Nebennierenrindenhormone nennt. Aldosteron gehört zu dieser zweiten Gruppe von Hormonen.

 

 

Was ist Aldosteron?

Aldosteron ist ein Hormon, das in den Nebennieren produziert wird. Dessen wichtigste Funktion ist die Regelung des Salz- und Flüssigkeitshaushalts im Körper. Dabei regelt das Aldosteron die Ausscheidung von Natrium, Kalium und Wasser in den Nieren. Dies kann auch den Blutdruck beeinflussen. Aldosteron ist demnach ein wichtiges Hormon für die Blutdruckregulierung des Körpers.

Was ist Hyperaldosteronismus?

Bei dieser Erkrankung produziert der Körper zu viel Aldosteron. Infolgedessen erhöht sich der Natriumwert im Blut und der Kaliumwert wird niedriger. Erhöhte Natriumwerte gehen mit einem erhöhten Wassereinstrom in die Blutgefäße einher. Diese Veränderungen bewirken, dass das Flüssigkeitsvolumen im Blutkreislauf ansteigt und damit der Blutdruck steigt.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge tritt die Erkrankung bei etwa 1,5–3,5 % der Bevölkerung auf. Von allen Menschen mit Bluthochdruck ist der Hyperaldosteronismus in 5–12 % der Fälle die Ursache. In den letzten Jahren wird die Erkrankung immer häufiger diagnostiziert. Dies liegt vor allem an einer verbesserten Diagnostik, nicht an einer Zunahme der Erkrankung.

Ursachen

Die Ursachen unterscheiden sich in eine primäre und eine sekundäre. Die primäre Ursache ist eine gestörte Funktion der Nebennieren. In einigen Fällen liegt ein hormonbildender, gutartiger Tumor der Nebennieren (Adenom) vor, dann spricht man vom Conn-Syndrom. In anderen Fällen wächst die Nebennierenrinde zu stark an (Hyperplasie). Selten sind ein Nierenzellkarzinom oder bestimmt Gene (familiärer Hyperaldosterinismus) die Ursache.

Sekundäre Ursache bedeutet, dass der Grund der Überproduktion nicht von den Nebennieren, sondern von einer anderen Stelle im Körper ausgeht. Beispiele dafür sind die Leberzirrhose mit Bauchwasser (Aszites), verschiedene Erkrankungen an den Nieren, eine Herzinsuffizienz oder die Folgen einer Diuretikatherapie („Wassertabletten“). 

Diagnostik

Anzeichen wie Bluthochdruck, geringe Kaliumkonzentration im Blut und Symptome wie Muskelschwäche, Verstopfung, häufiges Wasserlassen, Durst, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Missempfindungen können den Verdacht auf einen Hyperaldosteronismus lenken. In vielen Fällen liegen jedoch keine oder nur geringe Symptome vor.

Mit einem Screeningtest wird die Konzentration an Aldosteron und auch das Hormon Renin im Blut gemessen. Bei einem Ergebnis, das eine zu hohe Aldosteronproduktion im Blut vermuten lässt, sollten verschiedene Bestätigungstests durchgeführt werden. In der Regel werden diese Untersuchung von Fachärzt*innen durchgeführt, mitunter ist eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus notwendig.

Beim primären Hyperaldosteronismus wird zur ursächlichen Abklärung eine Bildgebung des Bauches durchgeführt, z. B. mit CT, MRT oder Nierenszintigrafie. Weitere Hinweise zur Ursache kann ein Orthostasetest liefern. Hierbei wird das Aldosteron vor und nach strikter Bettruhe gemessen. Bei unklaren Befunden wird eine Nebennierenvenen-Katheterisierung empfohlen. Das ist ein invasives angiografisches Verfahren, bei dem das Aldosteron selektiv in beiden Nebennierenvenen gemessen wird.

Die ergänzende Diagnostik schließt begleitende Erkrankungen aus. Möglicherweise werden weitere Blutuntersuchungen, eine EKG-Untersuchung, eine Langzeitblutdruckmessung und ein Ultraschall des Bauches oder Herzens veranlasst.

Behandlung

Die Behandlung ist abhängig von der Ursache. Wenn die Aldosteronproduktion sekundär erhöht ist, muss man die ursächliche Erkrankung (an Leber, Niere, Herz) behandeln. Wenn die erhöhte Hormonproduktion direkt aus der Nebennierenrinde resultiert, ist die Behandlung abhängig davon, ob ein gutartiges Adenom (Conn-Syndrom) oder eine Hyperplasie (Vergrößerung eines Organs) vorliegt.

Adenome werden vorzugsweise chirurgisch entfernt. Der Eingriff nennt sich Adrenalektomie und wird laparoskopisch an spezialisierten Zentren durchgeführt. Das maximale Ausmaß der Verbesserung tritt erst 1–6 Monaten nach dem Eingriff ein.

Eine Hormonüberproduktion aufgrund einer Hyperplasie wird dauerhaft mit Medikamenten (Aldosteronhemmern) behandelt. Die Leitsubstanz ist das Spironolacton. Es hat einen der Wirkung des Aldosterons entgegengesetzten Effekt auf den Salz- und Wasserhaushalt. In den meisten Fällen sind neben dem Spironolacton noch zusätzliche Blutdruckmedikamente notwendig.

Eine medikamentöse Behandlung kann auch beim Conn-Syndrom mit Vorliegen eines Adenoms erwogen werden, um die Zeit bis zu einer OP zu überbrücken oder auch als Alternative zur OP, falls diese nicht infrage kommt. Dies muss immer individuell entschieden werden.

Prognose

Eine Langzeitbeobachtungsstudie zeigte, dass die Nierenfunktion bei medikamentöser oder operativer Behandlung teilweise verbessert wird.

Bei Entfernung der Adenome (Adrenalektomie) gibt es einige Faktoren, die eine Heilung des Bluthochdrucks wahrscheinlicher machen:

  • Vor der Operation waren zwei oder weniger Bluthochdruckmedikamente erforderlich.
  • weibliches Geschlecht
  • Der Bluthochdruck bestand weniger als 6 Jahre.
  • BMI < 25 kg/m².

Oft kann der Bluthochdruck durch die Entfernung der Nebenniere nicht geheilt werden. Nebennierenkarzinome sind selten, aber haben eine schlechte Prognose.

Die Komplikationen des Hyperaldosteronismus werden vor allem durch den Bluthochdruck bedingt. Er ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Schlaganfall, Herzinfarkt) oder chronische Niereninsuffizienz.

Weitere Informationen

Quellen

  1. Riester A, Reincke M. Morbus Conn (Primärer Hyperaldosteronismus). Informationsbroschüre für Patientinnen und Patienten. Fürth, Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen, Stand 2014.www.glandula-online.de