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Hyperparathyreoidismus

Der Hyperparathyreoidismus ist eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen, bei der zu viel Parathormon (PTH) produziert wird.

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Was sind die Nebenschilddrüsen?


Die vier Nebenschilddrüsen, auch als Epithelkörperchen oder Glandulae parathyreoideae bezeichnet, liegen meist in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden oberen und unteren Polen der Schilddrüse (Thyreoidea). Sie produzieren das sogenannte Parathormon (PTH). Dieses Hormon ist für die Regulierung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich. Bei einer vermehrten Bildung von PTH wird Kalzium aus den Knochen freigesetzt, das heißt das Skelett baut Kalk ab.

Was ist ein Hyperparathyreoidismus?

Beim Hyperparathyreoidismus produzieren die Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon (PTH). Dies kann verschiedene Ursachen haben:

  • Überproduktion aufgrund eines autonomen gutartigen Adenoms oder einer Nebenschilddrüsenvergrößerung, bei denen eine eigenständige (autonome) Hormonsekretion besteht, die nicht mehr den normalen Rückkopplungsmechanismen unterliegt (Primärer Hyperparathyreoidismus, pHPT).
  • Beim sekundären Hyperparathyreoidismus kommt es zu einer Vergrößerung der Nebenschilddrüsen infolge eines über einen längeren Zeitraum erhöhten Bedarfs aufgrund eines Kalziummangels ausgelöst durch eine andere Erkrankung (z.B. an Niere oder Darm).

Etwa 0,2–0,4 % der Bevölkerung leiden an einer autonomen PTH-Überproduktion (pHPT). Der primäre Hyperparathyreoidismus tritt gehäuft nach dem 50. Lebensjahr auf und ist bei Frauen zwei- bis dreimal häufiger als bei Männern. Erkrankte Personen weisen in ihrer Krankheitsgeschichte oftmals auch Nierensteine auf. Diese können infolge der erhöhten Kalziumausscheidung über die Nieren entstehen.

Symptome

Mehr als die Hälfte aller Patienten zeigt primär keine Symptome. Liegen Symptome vor, so sind sie oftmals nur milde ausgeprägt und nicht besonders typisch. Sie können sich z. B. in Form von einer depressiven Grundstimmung, Müdigkeit, Verdauungsstörungen, vermehrtem Harndrang und starkem Durst äußern. Nierensteine können sich bilden. Da das PTH den Abbau von Kalzium aus dem Skelett fördert, kann es im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf zu Brüchen infolge von Knochenschwund (Osteoporose) kommen.

Diagnostik

Da sich der primäre Hyperparathyreoidismus oft nur durch wenige und unspezifische Symptome äußert, ist er recht schwer zu diagnostizieren. In den meisten Fällen sind es zufällige Befunde, die den Verdacht auf diese Erkrankung lenken. Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose wird der Kalziumspiegel im Blut und im Urin bestimmt. Anhand einer Blutuntersuchung wird der PTH-Wert ermittelt. Der Arzt entscheidet, ob eine Überweisung an einen Endokrinologen notwendig ist, um weitere Untersuchungen durchführen zu lassen.

Ein Ultraschallbild des Halses und der Nieren sollte durchgeführt werden. Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig, wie eine Szinitgrafie zur Darstellung der Nebenschilddrüsen oder eine Knochendichtemessung. 

Therapie

Primäres Ziel der Behandlung des primären Hyperparathyreoidismus ist die Normalisierung des Kalziumspiegels. Liegt eine milde und asymptomatische Form der Erkrankung vor, kann es ausreichend sein, kalziumreiche Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel zu vermeiden. Der Arzt muss dann jedoch regelmässig die Blutwerte und möglicherweise die Knochendichte kontrollieren. 

Liegen stärkere Beschwerden vor, so kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden, in den meisten Fällen ist aber eine Operation vorzuziehen.

Der sekundäre HPT wird durch die Behandlung der Grunderkrankung therapiert, bei der Behandlung der Folgeprobleme an Nieren und Knochen können Medikamente eingesetzt werden.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Mehr als 80 % der Fälle von primärem Hyperparathyreoidismus werden durch ein kleines, gutartiges Adenom verursacht, dessen operative Entfernung normalerweise zur Heilung führt. Eine Operation empfiehlt sich für all jene Patienten, die an Symptomen, Nierensteinerkrankungen, herabgesetzter Nierenfunktion oder Osteoporose infolge des Hyperparathyreoidismus leiden. Auch bei asymptomatischen Krankheitsverläufen kann eine Operation nötig sein, wenn der Kalziumspiegel im Blut und im Urin sehr hoch bzw. die Knochendichte reduziert ist. Vor allem jüngere Patienten unter 50 bis 60 Jahren werden meist operiert.

Die Operation ist bei einem erfahrenen Chirurgen sehr sicher und in 95–98 % erfolgreich. Meist wird heutzutage ein minimal-invasiver Eingriff (Schlüsselloch-Chirurgie) durchgeführt. 

Prognose

Viele Patienten mit Hyperparathyreoidismus sind über lange Zeit beschwerdefrei. Die operative Therapie heilt den primären HPT. Wenn eine Operation nicht möglich oder erwünscht ist, kann es ausreichend sein, die Blutwerte, die Nierenfunktion sowie die Knochendichte regelmässig zu kontrollieren, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Weitere Informationen

Illustrationen

  • Schilddrüse (Thyreoidea)

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg