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Hyperparathyreoidismus

Der Hyperparathyreoidismus ist eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen, bei der zu viel Parathormon (PTH) produziert wird.

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Was ist ein Hyperparathyreoidismus?

Definition

Beim Hyperparathyreoidismus produzieren die Nebenschilddrüsen zu viel eines Botenstoffes, des sog. Parathormons (PTH). Dieses Hormon ist für die Regulierung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich. Bei einer vermehrten Bildung von PTH wird Kalzium aus den Knochen freigesetzt.


Die vier Nebenschilddrüsen, auch als Epithelkörperchen oder Glandulae parathyreoideae bezeichnet, liegen meist in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden oberen und unteren Polen der Schilddrüse. Sie produzieren das Parathormon (PTH).

Symptome

Mehr als die Hälfte aller Patient*innen zeigt zunächst keine Symptome. Liegen Symptome vor, so sind sie oftmals nur milde ausgeprägt und nicht besonders typisch. Sie können sich z. B. in Form von Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Verdauungsstörungen, vermehrtem Harndrang und starkem Durst äußern. Erkrankte Personen weisen in ihrer Krankheitsgeschichte oftmals auch Nierensteine auf. Diese können infolge der erhöhten Kalziumausscheidung über die Nieren entstehen. Da das PTH den Abbau von Kalzium aus dem Skelett fördert, kann es im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf zu Knochenbrüchen infolge von Knochenschwund (Osteoporose) kommen.

Ursachen

Eine Überproduktion der Nebenschilddrüsen kann aufgrund eines gutartigen Tumors, eines sog. Adenoms, Nebenschilddrüsenvergrößerung oder sehr selten aufgrund eines Karzinoms entstehen. Es kommt dabei zu einer erhöhten Hormonausschüttung. Man spricht dabei von einem „primären Hyperparathyreoidismus“.

Beim „sekundären Hyperparathyreoidismus“ kommt es aufgrund eines Kalziummangels, der durch eine andere Erkrankung, z. B. eine Nierenschwäche, ausgelöst wird, zu einem erhöhten Bedarf an Parathormon, das die Nebenschilddrüsen dann vermehrt produzieren.

Häufigkeit

Etwa 0,1–0,3 % der Bevölkerung leiden an einer autonomen PTH-Überproduktion (pHPT). Der primäre Hyperparathyreoidismus tritt gehäuft nach dem 50. Lebensjahr auf und ist bei Frauen dreimal häufiger als bei Männern.

Untersuchungen

Da sich der primäre Hyperparathyreoidismus oft nur durch wenige und unspezifische Symptome äußert, ist er recht schwer zu diagnostizieren. In den meisten Fällen sind es zufällige Befunde, die den Verdacht auf diese Erkrankung lenken.

Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose wird der Kalziumspiegel im Blut und im Urin bestimmt. Anhand einer Blutuntersuchung wird der PTH-Wert ermittelt.

Eine Ultraschalluntersuchung des Halses und der Nieren sollte durchgeführt werden. Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig, wie eine nuklearmedizinische Untersuchung (Szintigrafie) zur Darstellung der Nebenschilddrüsen oder eine Knochendichtemessung.

Behandlung

Liegt eine milde und asymptomatische Form der Erkrankung vor, kann es ausreichend sein, Laborkontrollen, eine Knochendichtemessung sowie eine Bildgebung der Nieren durchführen zu lassen. Außerdem ist es wichtig, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten (2,5–3 l/d) und genügend Kalzium mit der Nahrung aufzunehmen (800–1.000 mg/d), weil ein Kalziummangel wiederum zu einem Anstieg des Parathormons führen kann. Falls ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, sollte dieser ausgeglichen werden.

Auch bei asymptomatischen Krankheitsverläufen kann eine Operation nötig sein, wenn der Kalziumspiegel im Blut und im Urin sehr hoch bzw. die Knochendichte reduziert ist, oder die Patient*innen unter 50 Jahre alt sind. Bei der Operation, die u. U. auch minimalinvasiv erfolgen kann, wird das betroffene Gewebe entfernt. In ausgewählten Fällen kann auch eine Radiofrequenzablation erfolgen, ein Verfahren, bei dem erkranktes Gewebe durch große Hitze zerstört wird.

Der sekundäre HPT wird durch die Behandlung der Grunderkrankung therapiert, bei der Behandlung der Folgeprobleme an Nieren und Knochen können Medikamente eingesetzt werden. Bei schweren Verläufen kann auch hierbei eine operative Maßnahme erforderlich sein.

Prognose

Viele Patient*innen mit Hyperparathyreoidismus sind über lange Zeit beschwerdefrei. Die Heilungsraten bei operativer Therapie liegen bei 95–99 %. Wenn eine Operation nicht möglich oder erwünscht ist, kann es ausreichend sein, die Blutwerte, die Nierenfunktion sowie die Knochendichte regelmäßig zu kontrollieren, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Weitere Informationen

Autorinnen

  • Susanna Allahwerde, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Berlin
  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg