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Myxödemkoma

Beim Myxödemkoma handelt es sich um eine seltene, lebensbedrohliche Komplikation einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), die mit Bewusseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit, einer niedrigen Körpertemperatur und niedrigem Pulsschlag einhergehen kann.

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Was ist ein Myxödemkoma?

Beim Myxödemkoma handelt es sich um eine seltene, lebensbedrohliche Komplikation der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), die mit Bewusstlosigkeit, einer niedrigen Körpertemperatur und weiteren Symptomen einhergehen kann.

Das Myxödemkoma wird in der Regel durch eine akute, durch Stressfaktoren (z. B. Infektion, Operation, Unterkühlung) ausgelöste Verschlechterung einer undiagnostizierten oder unbehandelten Hypothyreose hervorgerufen. Es handelt sich um einen akutmedizinischen Notfall mit hoher Sterblichkeit! Entscheidend für das Überleben der Patient*innen sind eine frühzeitige Diagnose und sofortiger Therapiebeginn.

Ein Myxödemkoma tritt heutzutage nur noch sehr selten auf. Ältere Menschen, vor allem Frauen, mit langfristig undiagnostizierter oder unbehandelter Schilddrüsenunterfunktion sind am häufigsten betroffen.

Ursachen

Das Myxödemkoma entwickelt sich aus einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), die häufig im Zusammenhang mit chronischen autoimmunen Entzündungsprozessen in der Schilddrüse (Thyreoiditis) auftritt. Infolge der Schilddrüsenunterfunktion kann es zu Funktionsstörungen in mehreren Organsystemen und einer Verringerung der Aktivität bei diversen Stoffwechselprozessen im Körper kommen. Bei einer schweren Hypothyreose kann dies lebensbedrohlich sein.

Heutzutage wird eine Schilddrüsenunterfunktion in der Regel so früh diagnostiziert, dass kein Risiko für das Eintreten eines Myxödemkomas besteht. Die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen beugt der Entstehung vor. Zuweilen geschieht es allerdings, dass die Diagnose übersehen oder eine medikamentöse Behandlung abgebrochen wird; in diesen Fällen ist das Risiko eines Myxödemkomas hoch.

Als Auslöser gelten Situationen, in denen Patient*innen mit schwerer Schilddrüsenunterfunktion akutem Stress ausgesetzt sind. Dabei kann es sich um Infektionen, Operationen, Verletzungen, Herzinfarkt, Magen- oder Darmblutungen, Schlaganfall, Unterkühlung oder um eine Behandlung mit bestimmten Medikamenten (Beruhigungs- und Narkosemittel, Antidepressiva, Opiate) handeln.

Diagnostik

Die Hauptsymptome des Myxödemkomas sind Bewusstseinstrübung, niedrige Körpertemperatur, eine schwache Atmung und eine teigige Schwellung der Haut (Myxödem). Darüber hinaus kann es zu Krampfanfällen kommen. 

Die Diagnose wird über die Bestimmung der Blutwerte der Stoffwechselhormone (TSH und freies T4) gesichert.

Andere typische Symptome sind solche, die auch normalerweise bei einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Dazu zählen Müdigkeit, Depression, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung, trockene Haut und unregelmäßige Menstruationsblutungen bei Frauen.

Oftmals liegt eine Infektion oder eine andere akute Erkrankung vor, die das Myxödemkoma ausgelöst hat.

Bei der ärztlichen Untersuchung können ein niedriger Blutdruck, ein verlangsamter Puls, eine verlangsamte Atmung sowie eine erniedrigte Körpertemperatur festgestellt werden. Mit Blutuntersuchungen werden die Schilddrüsenhormone (TSH und T4), Kortisol sowie der Natrium- und Blutzuckerspiegel bestimmt. Außerdem wird der Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut gemessen.

Therapie

Die Behandlung eines Myxödemkomas sollte so schnell wie möglich eingeleitet werden. Dabei gilt der Verdacht als hinreichender Grund für eine Therapie. Am wichtigsten ist es, der betroffenen Person schnellstmöglich Schilddrüsenhormone zuzuführen, um den Hormonspiegel im Blut zügig anzuheben. Eine derartige Behandlung ist allerdings nicht ganz ungefährlich, da sie auch einen Herzinfarkt auslösen und zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Wird das hormonelle Gleichgewicht im Körper nicht schnell genug wiederhergestellt, besteht jedoch ein hohes Risiko, dass das Myxödemkoma tödlich endet.

Schilddrüsenhormone und evtl. Kortison werden anfangs direkt ins Blut verabreicht. Die Patient*innen werden auf der Intensivstation eines Krankenhauses unter Beobachtung gestellt, wo Herz- und Atemfunktion sowie Blutdruck und Temperatur überwacht werden. In manchen Fällen ist eine maschinelle Beatmung erforderlich, und es erfolgt eine intravenöse Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr.

Zudem soll die auslösende Erkrankung (z. B. Infektion) diagnostiziert und behandelt werden.

Prognose

Die Sterberate liegt bei älteren Patient*innen um die 30–50 %, wobei Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen am meisten gefährdet sind.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden