Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse (Thyreoidea) zu wenige Hormone, dies kann u. a. zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Veränderungen der Haut und Haare und Empfindlichkeit gegenüber kühlen Temperaturen führen.

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Fakten

  • Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse (Thyreoidea) zu wenige Hormone, dies führt zu einer Abnahme der Stoffwechselaktivität.
  • Die Frühsymptome können sehr vage ausfallen, wie beispielsweise Müdigkeit, depressive Verstimmungen und Kälteempfindlichkeit. Später können diverse andere Symptome wie Depression, dünnes, trockenes Haar, Stimmveränderungen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen vorkommen.
  • Anhand einer Blutuntersuchung, bei der die Werte zweier Hormone bestimmt werden, kann beurteilt werden, ob eine Hypothyreose vorliegt oder nicht.
  • Die Hypothyreose wird mit dem Hormon Thyroxin behandelt.
  • Bei entsprechender Behandlung ist die Prognose gut. Da es sich in der Regel um eine chronische Erkrankung handelt, muss die Behandlung meist lebenslang erfolgen.

Was ist eine Hypothyreose?

Schilddrüse
Die Abbildung zeigt die Lage der Schilddrüse: direkt unter der Haut auf der Vorderseite des Halses, vor der Luftröhre.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse (Thyreoidea) zu wenige Hormone, dies führt zu einer Abnahme der Stoffwechselaktivität.

Die Frühsymptome können sehr vage ausfallen, wie beispielsweise Müdigkeit, depressive Verstimmungen und Kälteempfindlichkeit. Im weiteren Krankheitsverlauf werden die Symptome immer deutlicher.

Nach einiger Zeit können verschiedene Symptome auftreten, z. B.:

Rund 0,9 % der Bevölkerung in Deutschland leidet an einer behandlungsbedürftigen Hypothyreose. Frauen sind 4- bis 5-mal häufiger betroffen als Männer, auch mit dem Alter steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Eine sehr seltene, aber gefährliche Variante der Schilddrüsenunterfunktion ist die angeborene Hypothyreose, die bei rund 1 von 5.000 Neugeborenen vorkommt. Sie kann zu geistiger Beeinträchtigung (sog. Kretinismus) führen und beruht entweder auf einer unzureichenden Jodzufuhr während der Schwangerschaft oder auf einem Schilddrüsendefekt. Jodmangel ist heutzutage eher selten, kommt aber in einigen Ländern immer noch vor.

Ursachen

Normalerweise beruht eine Hypothyreose auf einer Unterfunktion der Schilddrüse (Thyreoidea). Ursache ist eine Fehlfunktion oder Zerstörung von Schilddrüsengewebe, was zu einer verminderten Hormonproduktion führt. Zu den Erkrankungen, die die Schilddrüsenfunktion negativ beeinflussen können, gehören die Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) und die Ausbildung einer Struma, aber auch eine vorangegangene Operation zur Verkleinerung der Schilddrüse oder deren Entfernung wegen Schilddrüsenkrebs kann eine Unterfunktion bewirken. Weitere potenzielle Ursachen sind die Behandlung mit bestimmten Medikamenten, eine Strahlentherapie im Halsbereich sowie die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).

Auch Jodmangel kann zu einer verminderten Produktion von Schilddrüsenhormonen führen, da Jod Hauptbestandteil dieser Hormone ist.

Selten kann eine Hypothyreose auch auf einer Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) beruhen, da in dieser Drüse im Gehirn u. a. ein Hormon gebildet wird, das die Produktion der Schilddrüsenhormone anregt. Der Defekt kann auch in einer noch höher liegenden Schaltzentrale der Hormonregulierung im Gehirn liegen, dem Hypothalamus.

Bei bestimmten Erkrankungen ist das Risiko einer Hypothyreose erhöht. Dies gilt für das Down-Syndrom sowie für sog. Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft vorkommen. Etwa 2–6 Monate nach der Entbindung kann eine Schilddrüsenentzündung oder eine Hypothyreose auftreten. Meist handelt es sich dabei um eine vorübergehende Erkrankung, manchmal kann aber eine Behandlung notwendig sein.

Diagnostik

Symptome

Häufig erfolgt die Verdachtsdiagnose anhand der vorhandenen Symptome. Bei der ärztlichen Untersuchung werden Befunde erhoben, die den Verdacht erhärten. Häufig handelt es sich dabei um Symptome wie trockene und kühle Haut, trockenes und brüchiges Haar (die äußeren Enden der Augenbrauen verschwinden), spröde und dünne Nägel, Schwellungen rund um die Augen, ein verlangsamter Herzrhythmus und verlangsamte Reflexe sowie ein insgesamt eher träges Bewegungsmuster. Bei Kindern und Jugendlichen kann sich die Hypothyreose durch fehlendes oder verlangsamtes Wachstum zeigen. Es kann eine Vielzahl weiterer Beschwerden hinzukommen, wie Gelenk- und Muskelschmerzen, Depression, Gedächtnisstörungen, Schwindel, Missempfindungen, Verstopfung und andere, sodass Ärzt*innen meist viele andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen abgrenzen müssen. 

Bei der Hälfte der Betroffenen liegt überdies eine Struma vor. Die Struma ist eine Vergrößerung der Schilddrüse, die von außen sichtbar ist oder sich ertasten lässt.

Blutuntersuchung

Auch wenn anfangs nur vage Symptome vorliegen, können sie den Verdacht auf das Vorliegen einer Hypothyreose erhärten. Die Diagnosesicherung erfolgt über eine Blutuntersuchung, bei der die Werte des Hypophysenhormons TSH und des Schilddrüsenhormons Thyroxin bestimmt werden. Bei einer Hypothyreose ist üblicherweise der TSH-Wert erhöht, während der Thyroxin-Wert (FT4) unter der Norm liegt. Bei einem nur leicht erhöhten TSH-Wert (unter 10 mU/l) wird zunächst eine Wiederholungsmessung empfohlen. Die Ärzt*innen untersuchen auch die Schilddrüse und führt ggf. Bluttests durch, um den Wert bestimmter, potenziell vorhandener Antikörper gegen die Schilddrüse zu bestimmen, da auch einige Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse zu einer Unterfunktion führen können. Liegen Symptome der Herzfunktion vor, wird auch ein EKG durchgeführt. Entsprechendes gilt für andere organbezogene Beschwerden.

Subklinische Hypothyreose

Die sogenannte subklinische Hypothyreose ist eine Diagnose, die lediglich auf Blutwerten beruht. Hier ist der TSH-Wert erhöht (> 4 mU/l), das Thyroxin im Normbereich, klinische Symptome oder Anzeichen einer Hypothyreose finden sich meist nicht. Es handelt sich um eine Störung, die langfristig in eine manifeste Hypothyreose übergehen kann.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Um eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion aufzudecken, wird im Rahmen des Neugeborenen-Screenings auch der TSH-Wert bestimmt.

Therapie

Das Behandlungsziel besteht in der Normalisierung der Stoffwechselaktivität, wodurch die Symptome gelindert und potenzielle Komplikationen infolge der Erkrankung verhindert werden können. Die Therapie besteht in der regelmäßigen Verabreichung von Thyroxin als Levothyroxin-Tabletten zur Kompensation des entsprechenden Hormonmangels im Körper. Je nach Alter, der Ursache für die Hypothyreose und anderen vorliegenden Krankheiten sind unterschiedliche Dosierungen des Thyroxins erforderlich, die regelmäßig überprüft und ggf. angepasst werden.

Die Aufnahme von Levothyroxin wird durch andere Medikamente und bestimmte Lebensmittel beeinflusst. Daher wird empfohlen, Levothyroxin in einem zeitlichen Abstand von mindestens 30 Minuten einzunehmen, am besten eine halbe Stunde vor dem Frühstück oder abends vor dem Schlafengehen.

Kontrolluntersuchungen

Patient*innen sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, um zu berichten, wie sie die Behandlung vertragen, und um die Entwicklung der Hormonwerte überprüfen zu lassen. Eine gut behandelte Hypothyreose bedeutet meist keine Einschränkung für die Betroffenen.

Besonders häufige Kontrolluntersuchungen und eine genau angepasste Hormontherapie sind bei schwangeren Frauen mit Hypothyreose wichtig, um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.

Verlauf und Prognose

Bei angemessener Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion ist die Prognose günstig. Häufig ist jedoch eine lebenslange Therapie notwendig.

Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen (Myxödemkoma).

Weitere Informationen

Gesundheitsinformation.de

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypothyreose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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