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Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft

Wenn in der Schwangerschaft eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) vorliegt, soll diese behandelt werden, um Schäden für das Ungeborene und die Schwangere zu vermeiden. Die Therapie ist einfach und sehr wirksam.

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Was ist eine Unterfunktion der Schilddrüse?

Die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bedeutet, dass die Funktion der Schilddrüse herabgesetzt ist. Diese Erkrankung kann Frauen betreffen, die bereits vor der Schwangerschaft erkrankt waren und entsprechend behandelt wurden. Es kann aber auch in der Schwangerschaft erstmalig eine Hypothyreose auftreten.

Bei gesunden Personen wird die Funktion der Schilddrüse über Hormone gesteuert, die im Gehirn, genauer gesagt in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) produziert werden. In der Hirnanhangsdrüse wird ein Hormon produziert, das als TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) oder auch als Thyreotropin bezeichnet wird. Dieses Hormon regt die Schilddrüse dazu an, das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) zu produzieren. Wenn die Organe normal funktionieren, ist die Produktion von TSH und T4 normal. Die Werte können mithilfe von Blutuntersuchungen gemessen werden.

Wenn das Schilddrüsenhormon in zu niedriger Konzentration vorliegt, erhöht die Hypophyse die Produktion von TSH, um die Schilddrüse „anzutreiben“, mehr T4 zu produzieren. Unter diesen Umständen vergrößert sich die Schilddrüse häufig, was als Struma (Kropf) bezeichnet wird. Wenn die Schilddrüse es trotz der verstärkten Anregung durch TSH nicht schafft, ausreichend T4 zu produzieren, treten Symptome der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auf. Bei der Blutuntersuchung wird eine Hypothyreose festgestellt, wenn der TSH-Wert höher als normal und der Wert des freien T4 niedriger als normal ist.

Im Artikel Schilddrüsenunterfunktion können Sie mehr darüber und über die mit einer Hypothyreose verbundenen Symptome erfahren; typisch sind Erschöpfung, brüchige Nägel, trockene Haut, Verstopfung, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit und erhöhter Schlafbedarf. Bei den meisten Betroffenen lässt sich die Hypothyreose leicht durch Einnahme des Wirkstoffs Levothyroxin in Tablettenform behandeln. So kann sich der Stoffwechsel normalisieren, und die Beschwerden verschwinden.

Etwa 0,4 % aller Schwangeren sind von einer behandlungsbedürftigen Schilddrüsenunterfunktion betroffen. Häufigste Ursache ist eine autoimmune Schilddrüsenentzündung, die sog. Hashimoto-Thyreoiditis.

Bei einigen Frauen tritt eine sog. subklinische Hypothyreose auf. Das bedeutet, dass eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt, sich aber keine klinischen Symptome zeigen. Sie ist dadurch definiert, dass der TSH-Wert leicht erhöht ist, der FT4-Wert dagegen normal. Frauen, die von einer subklinischen Hypothyreose betroffen sind, wird häufig eine Behandlung empfohlen, wenn sie schwanger werden, selbst wenn vor der Schwangerschaft kein Anlass zur Therapie bestand.

Stoffwechsel in der Schwangerschaft

Während einer normalen Schwangerschaft kommt es zu einer Reihe von Veränderungen im Körper, die den Stoffwechsel belasten. Die Schilddrüse wächst um ca. 10 % und die Produktion der Schilddrüsenhormone steigt um ca. 50 %. Dies ist u. a. auf die erhöhte Menge an Östrogenen zurückzuführen, die bestimmte Wirkungen der Stoffwechselhormone blockieren können. Zudem ist das Kind bis zum 5. Schwangerschaftsmonat auf das T4 der Mutter angewiesen, da die Schilddrüse zuvor nicht voll entwickelt ist. Frauen, die bereits eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) haben, wenn sie schwanger werden, fehlen diese notwendigen Reservekapazitäten. Daher erhöht sich bei ihnen der Bedarf an Schilddrüsenhormonen im Verhältnis zu der Zeit vor der Schwangerschaft.

Zu beachten ist auch der vermehrte Bedarf an Jod über die Ernährung, da ja auch das Ungeborene das für die Schilddrüsenhormone notwendige Jod benötigt.

Frauen mit Hypothyreose, die Levothyroxin einnehmen, wird (in Absprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt) empfohlen, die Dosis sofort um bis zu 50 % zu erhöhen, wenn sie von ihrer Schwangerschaft erfahren. Wird die Dosis nicht erhöht oder werden die Schilddrüsenhormone in der Schwangerschaft sogar abgesetzt, fehlen Schilddrüsenhormone für einen reibungslosen Stoffwechsel in der Schwangerschaft, was eine ganze Reihe möglicher schädlicher Wirkungen hat.

Eine Schilddrüsenunterfunktion erhöht das Risiko für eine verspätete und beeinträchtigte Entwicklung des kindlichen Nervensystems und eine verzögerte geistig-intellektuelle Entwicklung beim Kind. Zudem erhöht sich das Risiko für eine Fehlgeburt und bei der Frau selbst für Bluthochdruck und eine sogenannte Gestose, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet wird. Es besteht außerdem ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt und eines zu geringen Geburtsgewichts. 

Behandlung

Eine Schilddrüsenunterfunktion soll auch in der Schwangerschaft immer mit Levothyroxin in Tablettenform behandelt werden. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass die erforderliche Dosis höher als vor der Schwangerschaft ist. 

Bei Schwangeren mit Schilddrüsenunterfunktion werden in der Regel alle 4–8 Wochen mit einer Blutuntersuchung die Schilddrüsenwerte kontrolliert. Zu beachten ist, dass der TSH-Wert in der Schwangerschaft niedriger ist als sonst. Die Dosis an Levothyroxin wird je nach dem Ergebnis der Blutuntersuchungen angepasst. Bei vielen Schwangeren muss die Dosis nach und nach auf einen Wert gesteigert werden, der bis zu 50 % über dem vor der Schwangerschaft liegt.

In bestimmten Fällen wird auch eine latente Schilddrüsenunterfunktion mit Levothyroxin behandelt, insbesondere wenn der TSH-Wert stark erhöht ist oder bestimmte Antikörper (Anti-TPO) im Blut nachweisbar sind. Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen kann zudem wiederholten Fehlgeburten vorbeugen.

Nach der Geburt sinkt der Bedarf an Levothyroxin recht schnell wieder auf das Niveau vor der Schwangerschaft. Auch dieser Wert wird je nach dem Ergebnis der Blutuntersuchungen angepasst. Die Blutuntersuchungen zur Kontrolle des Schilddrüsenhormons erfolgen meist kurz nach der Geburt sowie 6 und 12 Monate danach.

Empfehlungen

Schwangeren wird in Deutschland die tägliche Einnahme von 100–150 µg Jod empfohlen. Wenn Sie an einer Schilddrüsenerkrankung leiden, lassen Sie sich dazu ärztlich beraten. Zudem sollten Sie ausreichend Jod über die Nahrung aufnehmen, z. B. über Milchprodukte, Seefisch und Jodsalz.

Prognose

Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft nicht behandelt wird, besteht eine hohe Gefahr für körperliche und geistige Beeinträchtigungen des Kindes und für Schwangerschaftskomplikationen.

Wenn die Therapieempfehlungen befolgt werden, besteht bei einer Schwangerschaft kein erhöhtes Risiko – weder für die Mutter noch für das Kind.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.