Schilddrüsenunterfunktion, latente (subklinische Hypothyreose)

Eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) fällt häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen durch niedrige Hormonspiegel in Bluttests auf. Die Patient*innen haben meist keine Beschwerden.

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Fakten

  • Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind die Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Körper erniedrigt und der Spiegel des Hormons TSH, das die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt, erhöht. Dies führt zu einem herabgesetzten Stoffwechsel in sämtlichen Körperzellen.
  • Bei der subklinischen Schilddrüsenunterfunktion ist lediglich der TSH-Wert erhöht, während T3 und T4 im Normbereich liegen. Im Gegensatz zur klinisch auffälligen Hypothyreose sind Patient*innen mit einer subklinischen Schilddrüsenunterfunktion meist beschwerdefrei.
  • Eine subklinische Hypothyreose fällt häufig im Rahmen von Routine-Blutuntersuchungen auf.
  • 3–10 % der deutschen Bevölkerung weisen eine subklinische Hypothyreose auf. Frauen und ältere Personen sind häufiger betroffen.
  • Als Therapie kann Schilddrüsenhormon (Thyroxin) in Tablettenform eingenommen werden. Empfohlen wird eine Behandlung bei Schwangeren, Frauen mit Kinderwunsch, bei stark erhöhten TSH-Werten sowie bei auftretenden Beschwerden.
  • Die Erkrankung war Gegenstand kontroverser Diskussionen, und lange bestand keine Einigkeit bezüglich ihrer Definition, ihres natürlichen Verlaufs und des Behandlungsbedarfs.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse (Thyreoidea) zu wenige Hormone, dies führt zu einer Abnahme der Stoffwechselaktivität. 

Der Körperstoffwechsel ist ein komplexes System, dessen Regulierung unter anderem auf einer genau abgestimmten Zusammenarbeit zwischen Teilen des Zwischenhirns (Hypothalamus), Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und Schilddrüse (Thyreoidea) beruht. Die Schilddrüse, die unterhalb des Kehlkopfes am vorderen Hals liegt, wird von der Hirnanhangsdrüse durch das thyreoideastimulierende Hormon (TSH) zur Hormonproduktion angeregt. Sie setzt die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) frei, die den Körperstoffwechsel steigern.

Das Hormonsystem ist einer genauen Kontrolle unterworfen: Sind die Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut zu niedrig, so wird mehr TSH ausgeschüttet und die Schilddrüse hierdurch zur Produktion von mehr Hormonen angeregt. Umgekehrt haben hohe T3- und T4-Spiegel eine verminderte TSH-Produktion zur Folge.

Die Abbildung zeigt die Lage der Schilddrüse: direkt unter der Haut auf der Vorderseite des Halses, vor der Luftröhre.
Die Abbildung zeigt die Lage der Schilddrüse: direkt unter der Haut auf der Vorderseite des Halses, vor der Luftröhre.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird der Stoffwechsel sämtlicher Zellen und Organe des Körpers heruntergefahren. Aus diesem Grund kann sie sich durch eine Vielzahl an Symptomen äußern. Zu den klassischen Symptomen zählen Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall, ein erhöhtes Schlafbedürfnis, Menstruationsstörungen und Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen. Blutuntersuchungen zeigen einen niedrigen FT4- sowie einen erhöhten TSH-Spiegel.

Was ist eine subklinische Hypothyreose?

Subklinisch bedeutet, dass weder Ihnen als Patient*in noch Ihren Ärzt*innen typische Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion auffallen. Eine Blutuntersuchung zeigt jedoch einen erhöhten TSH-Spiegel (über 4 mU/l), die Schilddrüse muss also verstärkt zur Hormonproduktion angeregt werden. Der Thyroxin-Spiegel befindet sich dabei im Normbereich.

Bei einigen Patient*innen zeigen sich leichte Symptome einer herabgesetzten Stoffwechselaktivität.

Die subklinische Hypothyreose kommt verhältnismäßig häufig vor. In Deutschland sind etwa 3–10 % der Bevölkerung betroffen, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Auch ältere Personen sind häufiger betroffen.

Ursachen

Häufig

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine Entzündung der Schilddrüse, die sog. Hashimoto-Thyreoiditis. Hierbei greift das körpereigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe an und zerstört dieses. Der TSH-Spiegel steigt allmählich an, während die Produktion von Hormonen durch die beschädigte Schilddrüse abnimmt. Bei manchen Patient*innen zeigt sich zunächst eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion. Ein Hinweis für eine Hashimoto-Thyreoiditis ist der Nachweis von Thyreoperoxidase-Antikörpern (Anti-TPO) im Blut.
  • Eine unzureichende Therapie bei bestehender Schilddrüsenunterfunktion kann sich in erhöhten TSH-Werten zeigen.
  • Jodmangel: Jodmangel kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma oder Kropf) sowie zu einer Abnahme der Hormonproduktion führen. 
  • Subakute Schilddrüsenentzündung: Eine Entzündung der Schilddrüse kann im Verlauf zu einer vorübergehenden Schilddrüsenunterfunktion führen.
  • Nach einer schwerwiegenden Erkrankung können gelegentlich erhöhte TSH-Werte beobachtet werden, die sich mit der Zeit von selbst normalisieren.

Selten

  • Radiojodtherapie
  • Bestrahlung in der Halsregion
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (z. B. Thyreostatika, Lithium, Amiodaron)
  • Störungen des Zwischenhirns und der Hirnanhangsdrüse

Diagnostik

Patient*innen können evtl. vage Symptome einer herabgesetzten Stoffwechselaktivität zeigen (z. B. Müdigkeitdepressive Verstimmung), typische Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion bestehen in der Regel nicht.

Die Diagnose wird über Blutuntersuchungen gestellt. Bei einer subklinischen Schilddrüsenunterfunktion ist der TSH-Wert erhöht (über 4 mU/l), der Thyroxin-Spiegel liegt aber im Normbereich. Bei einem nur leicht erhöhten TSH-Wert (unter 10 mU/l) wird zunächst eine Wiederholungsmessung empfohlen. Zusätzlich kann das Blut auf TPO-Antikörper überprüft werden, die auf eine Hashimoto-Thyreoiditis hinweisen.

Therapie

Eine Schilddrüsenunterfunktion, die sich durch typische Symptome und erniedrigte FT4-Spiegel zeigt, wird mit Levothyroxin behandelt. Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion sollte die Entscheidung für eine hormonelle Behandlung individuell abgewogen werden. Patient*innen ohne Beschwerden mit nur leicht erhöhten TSH-Werten (unter 10 mU/l) sollten keine Schilddrüsenhormone erhalten. Eine Therapie wird empfohlen, wenn der TSH-Wert in mehreren Messungen über 10 mU/l liegt oder wenn diese von Patient*innen nach einem Aufklärungsgespräch über Vor- und Nachteile gewünscht wird. Bei vorliegenden Herzerkrankungen ist jedoch Vorsicht geboten.

Für eine Behandlung spricht, dass

  • Symptome gelindert werden. Diese können so subtil sein, dass eine betroffene Person Beschwerden zunächst nicht bemerkt, sich aber nach Beginn einer Therapie besser fühlt.
  • ein Kinderwunsch vorliegt. In der Schwangerschaft ist eine gute Einstellung der Schilddrüsenfunktion besonders wichtig, um Komplikationen vorzubeugen.
  • möglicherweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert werden können.

Gegen eine Behandlung spricht, dass

  • viele Personen behandelt werden, die keinen Nutzen aus der Behandlung ziehen.
  • Nebenwirkungen der Behandlung auftreten können wie Tachykardien (zu schneller Herzschlag) und ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche bei älteren Personen.

Besprechen Sie das für Sie beste Vorgehen mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, sollte bei Ihnen eine subklinische Hypothyreose vorliegen. Hilfreich ist möglicherweise auch der Ratgeber des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Latente Schilddrüsenunterfunktion behandeln: Ja oder nein?

Welche Folgen kann eine subklinische Hypothyreose haben?

Die subklinische Schilddrüsenunterfunktion kann ein Vor- oder Frühstadium der klinischen Hypothyreose darstellen. Bis zu 5 % der Patient*innen mit leicht erhöhtem TSH-Spiegel ohne spezielle Beschwerden entwickeln innerhalb des folgenden Jahres Symptome. Bei anderen Personen normalisiert sich der TSH-Wert hingegen im Verlauf wieder. Häufig wird der Wert deshalb nach 6–12 Monaten erneut kontrolliert.

Patient*innen mit subklinischer Schilddrüsenunterfunktion haben auch ohne Behandlung keine verringerte Lebenserwartung. Auch die Lebensqualität ist in den meisten Fällen nicht beeinträchtigt. Mit zunehmendem TSH-Wert steigt jedoch das Risiko für Herzerkrankungen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dietrich August, Arzt, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypothyreose, subklinische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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