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Übergewicht

Die Definition von Übergewicht ist nicht ganz einfach. Die Begriffe Übergewicht und Adipositas bedeuten in der Regel: Der Betroffene wiegt im Verhältnis zu seiner Körpergröße deutlich zu viel, was durch ein Übermaß an Fettgewebe verursacht wird.

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Was ist Übergewicht?

Übergewicht betrifft heutzutage immer mehr Menschen. Es wird davon ausgegangen, dass sich das europaweit zunehmende Körperdurchschnittsgewicht künftig auf die Gesundheit des Einzelnen und auf die Sozialsysteme auswirkt. Deswegen rückt dieses Problem immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. In Deutschland sind knapp 63% der Bevölkerung übergewichtig und knapp 22% adipös (Definition siehe Tabelle).

Als Hilfsmittel zur Klassifizierung von Übergewicht wird der sog. Körpermasse-Index (Body Mass Index, BMI) verwendet. Dieser beinhaltet das Körpergewicht im Verhältbis zur Körpergröße. Der BMI hilft uns dabei festzustellen, ob Übergewicht vorliegt und in welchem Grad.

Hierbei muss betont werden, dass der BMI nur ein Hilfsmittel ist, das einen ersten Anhaltspunkt bietet. Viele Faktoren, darunter Körperbau und der Grad der körperlichen Aktivität müssen im Hinblick auf Übergewicht und Adipositas berücksichtigt werden. Der BMI liefert erste Hinweise zur Diagnose Übergewicht eines Menschen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass Personen mit einem hohen BMI statistisch häufiger an bestimmten Folgeerkrankungen leiden (siehe unten).

Der BMI wird nach folgender Formel berechnet:

BMI = kg/m2 (kg = Körpergewicht in kg und m= Körpergröße in Metern).

Die folgende Tabelle zeigt, bei welchem BMI definitionsgemäß welcher Grad an Übergewicht besteht (gilt nur für Erwachsene; für Kinder gibt es andere Definitionen):

Klassifizierung

BMI

Normalgewicht

18,5–25

Übergewicht

25–30

Adipositas

30

Adipositas Grad I

30–35

Adipositas Grad II

35–40

Adipositas Grad III

> 40

Ein weiteres Maß für Übergewicht ist der Taillenumfang: Als erhöht gelten hier > 102 cm bie Männern und > 88 cm bei Frauen. Der Taillenumfang liefert neben dem  BMI zusätzliche Informationen für die Diagnose Übergewicht oder Adipositas.

Konsequenzen

Übergewicht und Adipositas haben viele psychische Effekte. Dies hängt vor allem von der eigenen Körperwahrnehmung ab, aber auch davon, welche körperlichen Normen die Umwelt beispielsweise durch Zeitschriften und Fernsehen setzt. Darüber hinaus kann Übergewicht das Aktivitätsniveau und die Möglichkeiten, an Aktivitäten teilzunehmen, einschränken. Außerdem kann es zu praktischen Problemen kommen, beispielsweise, dass Kleidung nicht passt und das Tragen von Schuhen unbequem wird.

Wichtiger ist aber wohl, welche Bedeutung Übergewicht und Adipositas für die weitere Gesundheit im Leben haben. Herz- und Gefäßerkrankungen, Typ-II-Diabetes, Gallenwegserkrankungen, bestimmte Krebsarten, nächtliche Atembeschwerden, Erkrankungen von Knochen und Muskeln sowie Komplikationen während einer Schwangerschaft treten mit dem Grad des Übergewichts zunehmend häufiger auf. Diese Krankheiten sind nicht nur „lästig", sondern viele von ihnen können zu einem frühzeitigen Tod führen.

Neueren Studien zufolge jedoch geht leichtes Übergewicht (BMI von 27 kg/m2) statistisch inzwischen mit der geringsten Sterblichkeit einher; insbesondere ältere Menschen mit Übergewicht und Herz-Kreislauf-Krankheiten leben einigen Studien zufolge im Durchschnitt eher länger als ihre ebenfalls am Herzen erkrankten Alterskollegen, die eher Normal- oder Untergewicht aufweisen. Diese Daten weisen darauf hin, dass für die Diagnose Übergewicht/Adipositas und entsprechende gesundheiltliche Probleme der BMI also nicht allein ausschlaggebend ist.

Ursachen

Die Ursachen für Übergewicht/Adipositas sind vielfältig. Die wichtigste Ursache besteht darin, dass wir – bei reichlich Nahrungszufuhr – uns zu wenig bewegen, sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause. Wir verbringen zu viel Zeit im Sitzen vor dem Computer und dem Fernseher. Seltener ist die Hauptursache, dass wir trotz ausreichender Bewegung zu viel essen. Allerdings ernähren viele übergewichtige Menschen sich unausgewogen, nehmen z. B. zu viel verarbeitete Fette und zuckerhaltige Nahrung zu sich. Erbliche Faktoren, Stoffwechsel, psychologische Faktoren, Umwelt, soziale und wirtschaftliche Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Grundsätzlich aber ist Übergewicht oder Adipositas eine Folge des Missverhältnisses zwischen Aufnahme von Energie mit der Nahrung und Verbrauch von Energie durch körperliche Aktivität.

Behandlung

Die wichtigste Gegenmaßnahme besteht darin, aktiv zu sein und sich zu bewegen. Körperliche Aktivität in der Freizeit ist wichtig, noch wichtiger ist jedoch, Bewegung auch in den Alltag, bei der Arbeit und zu Hause zu integrieren (mit dem Fahrrad zur Arbeit radeln, Treppen steigen statt Aufzug nutzen, häufiger vom Schreibtisch aufstehen etc.). Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, wie viel und was Sie essen (siehe weiterführende Informationen unten).

Einfach gesagt, besteht die Behandlung von Übergewicht entweder darin, den Energieverbrauch zu erhöhen oder die Energieaufnahme zu verringern oder beides zu erreichen. Die Behandlung lässt sich in zwei Phasen einteilen: Die Phase der Gewichtsabnahme, bei der die Kalorienaufnahme kleiner als der -verbrauch ist, und der Erhaltungsphase, in der die Energieaufnahme dem Verbrauch entspricht, das niedrigere Körpergewicht gehalten werden kann.

Im Idealfall verliert man in der Phase der Gewichtsabnahme möglichst viel Fett und möglichst wenig Muskelmasse und Wasser. Um dies zu erreichen, muss die Gewichtsabnahme langsam stattfinden; etwa 0,5–1 kg Gewichtsabnahme pro Woche sind bei vielen ein vernünftiges Ziel. So sollten etwa 10% des Gewichts innerhalb von 3–6 Monaten verloren gehen. Hierdurch können auch Gegenreaktionen des Körpers, wie etwa Hungergefühle, leichter vermieden werden, denn diese können große Gewichtsschwankungen oder einen Jojo-Effekt zur Folge haben.

In der Erhaltungsphase ist das Ziel, eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Hierzu muss die Energieaufnahme dem Energieverbrauch entsprechen. Diese Phase ist für viele besonders schwierig. Viele suchen Rat, um diese Phase zu bewältigen. Häufig ist eine psychologische Unterstützung durch Experten oder in einer Selbsthilfegruppe sinnvoll. Häufig ist es nämlich nötig, sich viele Faktoren wie Stressverarbeitung, Motivation, Selbstbild etc. bewusst zu machen und zu verändern, um eine dauerhafte Kontrolle des Gewichts zu erreichen. 

Zusammenfassung: Die beiden wichtigsten Hilfsmittel zur Kontrolle des Körpergewichts sind gesteigerte körperliche Aktivität und die Umstellung der Ernährung und der Essensgewohnheiten.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen