Eisenvergiftung

Eine Eisenvergiftung tritt bei der Einnahme von Eisen in giftigen (toxischen) Dosen auf. Der Zustand kann bei der Einnahme von hohen Dosen in seltenen Fällen zum Tode führen, besonders bei Kindern.

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Was ist eine Eisenvergiftung?

Eine Eisenvergiftung tritt bei der Einnahme von Eisen in giftigen (toxischen) Dosen auf. Der Zustand kann bei der Einnahme von hohen Dosen in seltenen Fällen zum Tode führen, besonders bei Kindern. Eine frühzeitige Diagnose ist notwendig, um eine angemessene Therapie zu gewährleisten und einen tödlichen Verlauf zu verhindern.


Was geschieht bei einer Eisenvergiftung?

Die meisten Vergiftungen geschehen versehentlich und haben keine oder nur eine minimale Schädigung zur Folge. Eisenvergiftungen treten am häufigsten bei Kindern unter fünf Jahren nach einer versehentlichen Überdosierung auf und sind in der Regel auf eine nicht fachgerechte Aufbewahrung zurückzuführen.

Freies, nicht gebundene Eisen ist giftig für lebendes Gewebe und wirkt lokal ätzend auf die Darmschleimhaut. Wenn die Eisenbindungskapazität des Blutes überschritten wird (Serumeisen von 90 μ mol/l), können freie Ionen Gewebeschädigungen in den meisten Organen, einschließlich der Leber und des Herzens, verursachen.

Welche Menge eine minimal toxische Dosis und eine tödliche Dosis ausmacht, ist nicht vollständig geklärt. Patienten, die weniger als 20 mg/kg freies Eisen konsumieren, haben in der Regel keine Symptome. Bei einer Aufnahme von 20–60 mg/kg können Symptome einer schweren Vergiftung auftreten, jedoch nicht zwingend. Die Einnahme von 60 mg/kg kann zu einer schweren Vergiftung führen. Bei Todesfällen durch Eisenvergiftungen wird von einem breiten Dosierungsspektrum von 60 bis 300 mg/kg berichtet. Die maximale Plasmakonzentration wird bei einer Überdosierung innerhalb von 4–6 Stunden erreicht, bei der Einnahme von Präparaten mit Depotwirkung oder „verzögerter Freisetzung“ innerhalb von 8 Stunden.

Eisen wirkt auf zahlreiche Prozesse in den Zellen toxisch. Lokale toxische Wirkungen können Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Blutungen im Verdauungstrakt sein und sind auf Schäden der Schleimhaut des Verdauungstraktes durch die Einnahme von Eisentabletten zurückzuführen. Allgemeine toxische Wirkungen (systemische Toxizität) treten als Folge einer Schädigung des Herzkreislaufsystems und der Leber auf. Die Todesursachen bei Eisenvergiftungen sind in der Regel Schock oder Leberversagen.

Symptome und Beschwerdebilder

Symptome und Anzeichen einer Eisenvergiftung werden in der Regel als fünf, sich häufig überschneidende, Phasen beschrieben:

  • Phase 1: Die Magen-Darm-Phase beginnt 30 Minuten bis 6 Stunden nach der Einnahme.
  • Phase 2: Eine latente oder relativ stabile Phase kann 6 bis 24 Stunden nach der Einnahme eintreten.
  • Phase 3: Die Schock-und-Säurephase (metabolische Azidose) tritt gegebenenfalls nach 6 bis 72 Stunden auf.
  • Phase 4: Die Phase der Leberschädigung kann nach 12 bis 96 Stunden eintreten.
  • Phase 5: Phase mit Verengungen im Verdauungstrakt als Ergebnis der Granulombildung. Kann 2–8 Wochen nach der Einnahme der toxischen Dosis auftreten.

Phase 1 ist durch Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Erbrechen von Blut, Blut im Stuhl, Müdigkeit, Schock und einem hohem Säuregehalt von Körperflüssigkeiten (metabolische Azidose) gekennzeichnet. Erbrechen ist in dieser Phase der sensibelste Indikator für schwere Vergiftungen und wird in der Regel durch eine Schockentwicklung infolge des Flüssigkeitsverlustes verursacht. Die meisten Patienten mit leichten bis mittelschweren Eisenvergiftungen erleben lediglich Phase 1 und die Vergiftung schreitet nicht weiter voran. Die Symptome bilden sich in diesem Fall in der Regel innerhalb von 4–6 Stunden zurück.

In Phase 2 dauert der Zustand nur relativ kurz an. Bei schweren Vergiftungen ist diese Phase von kurzer Dauer oder tritt gar nicht auf. Die Abgrenzung, ob sich ein Patient in diesem Stadium befindet, oder ob es sich um eine leichte Vergiftung mit bereits abklingenden Symptomen handelt, kann schwierig sein.

In Phase 3 können Schock, Blässe, Tachykardien und/oder Hypotonie auftreten.

In Phase 4 treten Leberschäden mit einem Zerfall des Lebergewebes auf. In Phase 5 kann es zu Passagestörungen im Magen-Darm-Trakt, meist am Magenausgang, kommen.

Diagnostik

Meist ist die Diagnose eindeutig. Für den Arzt ist es wichtig, folgende Informationen zu erhalten:

  • Wie viel /wie viele Tabletten wurden genommen? Welche Art von Präparat? Enterotabletten?
  • Wann geschah die Einnahme? Wurden alle auf einmal oder über längere Zeit eingenommen?
  • Hat der Patient erbrochen? Wurde versucht, das Erbrechen zu provozieren? Andere Maßnahmen?
  • Zeigte die Einnahme bei dem Patienten eine Wirkung?

Bei dem Verdacht auf Vergiftung wird der Patient ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wird der Eisengehalt des Blutes bestimmt. Hohe Werte bestätigen die Diagnose und liefern Informationen über den Schweregrad. Bei den vorgenommenen Analysen werden auch die Ergebnisse weiterer Blutuntersuchungen berücksichtigt. Eine Röntgenaufnahme des Bauches kann Eisen-Tabletten im Verdauungstrakt zeigen.

Therapie

Wenn seit der Einnahme der Tabletten weniger als eine Stunde vergangen ist, sollten Sie versuchen, Erbrechen herbeizuführen. Dies darf nicht geschehen, wenn sich der Patient im Schockzustand befindet oder das Bewusstsein beeinträchtigt ist. In diesen Fällen kann der Mageninhalt leicht in die Atemwege gelangen, wodurch Erstickungsgefahr besteht.

Wenn seit der Einnahme der Tabletten weniger als zwei Stunden vergangen sind, wird man im Krankenhaus versuchen, den Mageninhalt durch einen Schlauch abzusaugen. Bei Patienten, die seit der Einnahme und seit sechs Stunden symptomfrei waren, und bei der ärztlichen Untersuchung keine Vergiftungssymptome zeigen, ist keine Therapie indiziert. Bei Patienten mit leichten Symptome nach der Einnahme ist nur eine symptomatische Therapie indiziert.

Im Falle von schweren Vergiftungen wird das Medikament Deferoxamin verabreicht, das die Ausscheidung von Eisen verstärkt. Darüber hinaus wird eine intensive Therapie mit einer intravenösen Flüssigkeitszufuhr und einer engmaschige Überwachung initiiert.

Prognose

Der Verlauf kann schwer sein, in den meisten Fällen ist er jedoch leicht und vorübergehend. Giftige (toxische) Dosen für 2–3 Jährige sind 400 mg Eisen. Patienten, die 72 Stunden nach der Einnahme noch leben, werden in der Regel vollständig geheilt.

Weitere Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Eisenvergiftung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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