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Vergiftungen durch Pflanzen

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Wie kommt es zu Vergiftungen durch Pflanzen?

Es gibt zahlreiche nichtheimische und heimische Pflanzen, deren Blätter, Früchte, Blüten oder Wurzeln giftig sind. Gerade Kleinkinder stecken sich alles Mögliche in den Mund, also auch Pflanzen im eigenen Garten oder beim Spaziergang im Park oder Wald. Da viele giftige Pflanzen nicht gut schmecken, werden sie glücklicherweise meist wieder ausgespuckt.

Bei größeren Kinder und Erwachsenen kann die Einnahme giftiger Pflanzen durch Verwechslung (z. B. Maiglöckchen statt essbarer Bärlauch), durch Selbstbehandlung mit „Heilkräutern“ oder in suizidaler Absicht vorkommen.

Giftige Pflanzenteile können auch geraucht oder aufgegossen in Tee getrunken werden. Außerdem können auch Vergiftungen durch Haut- oder Augenkontakt auftreten.

Häufigkeit

  • Laut Giftinformationszentren (GIZ)  sind Vergiftungen durch Pflanzen häufig.
    • Besonders Kinder im Alter von 1–6 Jahren sind gefährdet, giftige Pflanzen in den Mund zu nehmen, die wie essbare Früchte/Beeren aussehen.
  • Lebensbedrohliche Pflanzenvergiftungen sind in Deutschland relativ selten.
    • Kinder nehmen meist nur geringe Mengen auf.
    • Erwachsene, die falsch indentifizierte Pflanzen sammeln oder daraus Tees oder Extrakte zubereiten, nehmen manchmal große bis sehr große Mengen auf.

Symptome und Vergiftungsrisiko

Die meisten Vergiftungen äußern sich in Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit/Erbrechen, es können auch Herzrasen, Kreislaufbeschwerden, Sehstörungen, Halluzinationen und andere Beschwerden auftreten.

Manche Pflanzengifte sind lebensgefährlich! Dann ist eine sofortige notärztliche Behandlung nötig.

Das Vergiftungsrisiko hängt von vielen Faktoren ab, z. B.:

  • der Giftkonzentration in den aufgenommenen Pflanzenteilen (am höchsten bei Tollkirsche in den Früchten, bei Herbstzeitlose in den Samen, bei der Eibe in den Nadeln, bei Germer in den Wurzeln)
  • der eingenommenen Menge der giftigen Substanz
  • dem Alter (Kinder und ältere Personen sind besonders gefährdet)
  • den Begleiterkrankungen (z. B. chronische Nieren- oder Leberfunktionsstörungen)
  • Wie wurde das Gift aufgenommen (gegessen, geraucht, über Hautkontakt etc.)?

Die fragliche Pflanze sollte möglichst genau identifiziert werden (Fotodokumentation)!

Die häufigsten heimischen Giftpflanzen

  • Der Eisenhut (Aconitum spec.) ist die giftigste Pflanze Europas.
  • Tollkirsche (Atropa belladonna)
  • Engelstrompete (Brugmansia spec.)
  • Wasserschierling (Cicuta virosa)
  • Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
  • Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
  • Stechapfel (Datura stramonium)
  • Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)
  • Wunderbaum (Ricinus communis)
  • Weißer Germer (Veratrum album)
  • Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
  • Europäische Eibe (Taxus baccata)
  • Seidelbast (Daphne mezerum): Alle Pflanzenteile sind sehr giftig.
  • Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Behandlung

  • Wurden sicher (durch ärztliches Personal festgestellt!) ungiftige oder nur wenig giftige Pflanzenzeile oder sicher ungefährliche Mengen aufgenommen, sind in der Regel keine weiteren Maßnahmen erforderlich.
  • Betroffene, die nach möglicher Aufnahme giftiger Pflanzen keine Symptome zeigen, sollten für mehrere Stunden unter ärztlicher Aufsicht bleiben.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Kein Erbrechen auslösen, bzw. kein Salzwasser verabreichen.
  • Weitere Giftaufnahme stoppen (z. B. Pflanzenteile aus dem Mund entfernen).
  • Wache Person: Wasser, Saft oder Tee trinken lassen (keine Milch!).
  • Giftinformationszentrum (GIZ ) anrufen, ggf. Hausarztpraxis kontaktieren, Empfehlungen befolgen.
  • Pflanze bzw. Pflanzenteile zur Identifikation aufbewahren, am besten einen ganzen Zweig; alternativ Fotodokumentation möglichst vieler Pflanzenteile.
  • Verständigen Sie bei schweren Symptomen die Notärztin/den Notarzt unter 112!

Medikamentöse Behandlung

  • Bei mittelschweren oder unklaren/unbekannten Vergiftungen wird die Gabe von Aktivkohle empfohlen.
  • Für einige wenige Pflanzengifte stehen Gegengifte (Antidote) zur Verfügung:
    • Physostigmin (z. B. bei Vergiftung mit Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche)
    • Digitalis-Antikörper (bei Vergiftung mit pflanzlichen Herzglykosiden aus dem Fingerhut).

Behandlung im Krankenhaus

  • Unter Umständen muss der Wasser- und Elektrolythaushalt durch Flüssigkeitsgabe (Infusion) wieder ausgeglichen werden, da der Körper durch Durchfall und Erbrechen viel Flüssigkeit verliert.
  • Falls nötig, werden Schmerzen behandelt.
  • Bei lebensgefährlicher Vergiftung kann eine Magenspülung, bei Atemnot kann eine kontrollierte Beatmung notwendig werden.
  • Bei Bedarf wird eine Hämodialyse (Blutreinigung) durchgeführt.

Vorbeugung

  • Keine Giftpflanzen im Garten, besonders wenn Kleinkinder zum Haushalt gehören. Giftige Pflanzen aus der Reichweite von Kindern entfernen.
  • Giftige Pflanzen Kindern zeigen und erklären.
  • Informieren Sie sich beim Kauf von Pflanzen über die Giftigkeit, z. B. unter www.botanikus.de .
  • Prüfen Sie die Pflanzen genau, bevor sie sie essen oder als Tee zubereiten (z. B. charakteristischer Geruch von Bärlauch im Vgl. zu Maiglöckchen).

Prognose

  • Die Prognose ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie z. B. Menge und Pflanzenteile sowie Pflanzenart.

Weitere Informationen

Autorin

  • Ulrike Boos, Redakteurin Deximed, Freiburg

Kilder

Referanser

Dette dokumentet er basert på det profesjonelle dokumentet Vergiftungen durch Pflanzen. Referanselisten for dette dokumentet vises nedenfor.

  1. Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Poisoning by plants. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 317–24. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0124. www.aerzteblatt.de 
  2. BMJ Best Practice. Common toxic plant ingestions. Stand 12.04.2022. (letzter Zugriff am 12.05.2022) bestpractice.bmj.com 
  3. Bastigkeit M, Böhm R. Giftpflanzen lauern überall - Intoxikationen erkennen und behandeln. retten! 2013; 4: 250-7. www.thieme.de 
  4. DGUV Information 202-023. Giftpflanzen - Beschauen, nicht kauen! November 2006 www.unfallkasse-nrw.de 
  5. Charité. Giftnotruf der Charité. Vergiftungen durch Pflanzen. (letzter Zugriff am 12.05.2022) giftnotruf.charite.de