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Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome der Demenz (BPSD)

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Definition:
Neben kognitiven Defiziten gehören Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome bei Demenz (Behavioral and Psychological Symptoms of Dementia, BPSD) zu den charakteristischen Symptomen der Erkrankung. Andere Bezeichnungen sind nichtkognitive Symptome, psychiatrische Symptome, psychopathologische Symptome oder herausforderndes Verhalten bei Demenz.
Häufigkeit:
BPSD treten bei jedem Demenzkranken zu irgendeinem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf auf. Rund 70 % der Bewohner*innen von Pflegeeinrichtungen sind davon betroffen.
Symptome:
Apathie, Agitiertheit, Angst, Depressivität, Halluzinationen (in der Regel visuell) und Wahnvorstellungen sowie Verhaltensstörungen in Form von motorischer Unruhe, unangemessenes Verhalten, Enthemmung und verbale oder körperliche Aggression.
Befunde:
Neben den typischen kognitiven Symptomen einer Demenz treten auch BPSD in unterschiedlicher Kombination und Ausprägung auf.
Diagnostik:
Abgrenzung von anderen organischen und psychischen Grunderkrankungen sowie von Medikamenteneffekten. Stufendiagnostik der Demenz mit primärem Schwerpunkt auf Eigen- und Fremdanamnese sowie psychopathologischer Untersuchung, ggf. flankiert von BPSD-spezifischen Testverfahren. Bei Hinweis auf sekundäre Demenz oder hirnorganisches Psychosyndrom: weitere organmedizinische Abklärung mit ggf. kranieller Bildgebung, erweiterter Blut- und Liquordiagnostik. Bei bestätigten BPSD: Suche nach ursächlichen oder auslösenden Stressoren, z. B. Schmerzen, Infektionen, Unbehagen oder Überforderung durch fehlgeleitete Kommunikation, ungünstige Umweltfaktoren.
Therapie:
An erster Stelle steht die Behandlung oder Beseitigung möglicher Ursachen und Auslöser. Psychosoziale und stimulierende Maßnahmen stehen an erster Stelle der Therapie und Prävention von BPSD. Nur wenn die durchführbaren nichtmedikamentösen Maßnahmen ausgeschöpft sind, kommt eine möglichst kurzfristige Behandlung mit Psychopharmaka infrage. Deren begrenzter therapeutischer Nutzen ist mit dem bei manchen Substanzen erheblichen Nebenwirkungsrisiko abzuwägen.
  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg