Autofahren und Demenz

Zunehmende Probleme mit dem Autofahren können auf Demenz hindeuten. Angehörige sollten bei möglicherweise betroffenen Personen sehr aufmerksam auf Veränderungen im Fahrverhalten achten. Wenn der Verdacht besteht, dass eine Person mit Führerschein aus dem Familien- oder Freundeskreis unter Demenz leidet, sollte die Situation ärztlich abgeklärt werden.

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Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist Demenz?

Demenz ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Erkrankungen des menschlichen Gehirns. Kennzeichen der Demenz sind eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung und anderer geistiger Fähigkeiten, Probleme im Umgang mit Emotionen und Schwierigkeiten mit der Bewältigung von Alltagssituationen. Betroffene haben oft Probleme, sich in fremden Orten/Situationen zurechtzufinden, und ihre Reaktionsgeschwindigkeit ist langsamer. Demenz bei älteren Menschen ist häufig auf die Alzheimer-Krankheit zurückzuführen.

Wie wirkt sich eine Demenzerkrankung auf das Fahrvermögen aus?

In der Anfangsphase einer sich entwickelnden Demenz haben die Betroffenen oft noch keine Probleme mit dem Autofahren. Dennoch ist es ratsam, mit Demenzkranken schon zu Beginn der Krankheit genau zu besprechen, dass sie im weiteren Verlauf nicht mehr in der Lage sein werden, Auto zu fahren. Angehörige und Ärzt*innen sollten in mehrfachen Gesprächen gemeinsam die betroffene Person davon überzeugen, freiwillig auf das Fahren zu verzichten.

Die Symptome der Demenz wirken sich beispielsweise dadurch aus, dass die Patient*innen sich verfahren, insbesondere an neuen, nicht vertrauten Orten. Sie bekommen zunehmend Probleme, vergessen den Spurwechsel vor dem Abbiegen, schaffen es nicht, Radio zu hören und sich gleichzeitig auf die Fahrt zu konzentrieren oder so rasch wie früher auf eine plötzliche und unerwartete Situation zu reagieren. Da demente Personen in der Regel über 70 Jahre alt sind, kommen zusätzlich möglicherweise Schwierigkeiten hinzu, die auch gesunde ältere Menschen haben: eingeschränkte motorische Koordination, Sehschwierigkeiten, vermindertes Reaktionsvermögen.

Wie erkennt man, dass ein Problem vorliegt?

Angehörige sollten sehr aufmerksam auf die Warnsignale für Demenz achten. So können Betroffene z. B. vergesslicher werden, sie wiederholen Fragen und Aufgaben, wissen nicht, welcher Tag oder wie spät es ist, oder haben Probleme mit gewöhnlichen Alltagsaufgaben wie Kochen oder Telefonieren.

Es sollte auch auf eine Veränderung des Fahrverhaltens geachtet werden. Fühlen sich die Mitfahrer*innen noch sicher, wenn die betreffende Person hinter dem Lenkrad sitzt? Würde man seine Kinder mitfahren lassen? Fährt die Person zu schnell oder zu langsam, wechselt die Spur, ohne sich umzusehen, oder missachtet die Vorfahrtregeln? Gibt es Probleme mit dem Linksabbiegen an Kreuzungen mit Ampeln? Wird die betreffende Person bei dichtem Verkehr unruhig oder verwirrt oder hat Probleme, Verkehrszeichen zu folgen? Werden andere Autofahrer*innen ärgerlich und hupen? Hat das Auto viele Kratzer und Beulen?

Was können Angehörige tun?

Wenn der Verdacht besteht, dass eine Person mit Führerschein aus dem Familien- oder Freundeskreis unter Demenz leidet, sollte die Situation ärztlich abgeklärt werden. Bei der Untersuchung kann festgestellt werden, ob die Betroffenen unter Demenz leiden oder ein anderes Problem vorliegt, das sich auf das Fahrvermögen auswirkt. Es können weitere Untersuchungen oder eine Fahrprüfung veranlasst werden.

Es gibt zwar keine spezielle oder optimal geeignete Fahrprüfung für Personen mit Demenz, wenn Betroffene aber deutliche Unsicherheiten im Straßenverkehr zeigen, erlaubt es ihnen ihre Krankheit nicht mehr, mit dem Auto zu fahren. Wichtig ist, den Betroffenen dabei zu helfen, auf andere Transportmittel umzusteigen.

Es besteht die Gefahr, dass ältere Menschen deprimiert oder auch verärgert reagieren, wenn sie aufgefordert werden, das Autofahren einzustellen. Lassen Sie sich als Angehörige ärztlich beraten, was Sie in dieser Situation tun können. Grundsätzlich gilt weiterhin die ärztliche Schweigepflicht. Ärzt*innen können jedoch bei ernsten Befürchtungen um die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer*innen und der dementen Person selbst, die den Führerschein nicht abgeben will, die zuständigen Behörden darüber informieren.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen