Entwicklung von Altersdemenz

Demenz entwickelt sich meist schleichend. Anfangs sind die Symptome kaum bemerkbar: die Betroffenen sind etwas vergesslich, möglicherweise nicht immer orientiert oder emotional verändert. Später jedoch funktioniert neben dem Kurzzeitgedächtnis auch die Erinnerung an die frühe Vergangenheit nicht mehr, die Patient*innen kennen sich selbst zu Hause nicht mehr aus und erkennen ihre Angehörigen nicht mehr.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Entwicklung von Altersdemenz

Durch eine fortschreitende Schädigung des Hirngewebes und der Signalübertragung zwischen den Nervenfasern kommt es bei Patient*innen mit beginnender Demenz zunächst zu leichter Vergesslichkeit, Verlangsamung, möglicherweise Desorientierung in fremder Umgebung.

Je weiter sich diese Beeinträchtigungen ausbreiten (unabhängig von der Ursache des Hirnschadens), umso schwerer wird es für die Patient*innen, sich im Alltag zurecht zu finden. Einfache Aufgaben (eine Mahlzeit für sich selbst zubereiten, die eigene Medizin einnehmen oder Rechnungen bezahlen) werden immer schwieriger. Im weiteren Verlauf haben die Betroffenen oftmals Schwierigkeiten, die Körperhygiene einzuhalten und sich anzuziehen. Die Desorientierung führt dazu, dass der Ortssinn verloren geht und die Patient*innen Schwierigkeiten haben, sich in der eigenen Stadt zurechtzufinden oder den Weg nach Hause zu finden. Die Alzheimer-Krankheit entwickelt sich anfangs schleichend und verschlechtert sich mit der Zeit. Diese Verschlechterung verläuft in den ersten Jahren bei den meisten Patient*innen nur langsam. Allmählich beginnen die Demenzkranken sich jedoch merklich zu verändern. Zu den oben beschriebenen kognitiven Einbußen kommen psychische Auffälligkeiten hinzu; die Betroffenen werden oft unruhig, depressiv oder ängstlich, auch Schlafstörungen sind häufig. Viele Angehörige berichten über deutliche Änderungen der Persönlichkeit der Patient*innen. Nach längerer Zeit treten auch körperliche Beschwerden auf: Die Betroffenen verlieren immer mehr die Kontrolle über Urin und Stuhlgang, werden unbeweglicher und bettlägerig.

Bei einer durch Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns verursachten Demenz verläuft die Entwicklung häufig stufenweise. Hier können weitere Schlaganfälle auftreten, auf die kognitive Beeinträchtigungen folgen.

Wachsender Bedarf an Betreuung und Aufsicht

Wegen der Gedächtnisstörungen und Desorientierung brauchen die Demenzkranken immer mehr Betreuung und Aufsicht. In der Regel sorgen Verwandte und Bekannte dafür oder die öffentlichen Hilfsdienste. Die Stützpfeiler der öffentlichen Hilfsdienste sind Haushaltshilfe und Pflegedienste, die die betroffene Person allerdings nicht 24 Stunden am Tag betreuen und beaufsichtigen können. Viele demente Patient*innen verbringen den Tag auch in einer Tagespflegeeinrichtung und sind nur abends/nachts zuhause. Im späteren Verlauf ist in den meisten Fällen jedoch die dauerhafte Betreuung in einer Pflegeeinrichtung unumgänglich. 

Die Fürsorge und Betreuung von Demenzpatient*innen bedeuten für die meisten Menschen eine große physische wie auch psychische Belastung. Deshalb ist es wichtig, dass den Angehörigen Entlastungsmöglichkeiten angeboten werden – schon in den frühen Phasen der Erkrankung. Es hat sich gezeigt, dass Angehörige die Patient*innen viel besser betreuen können, wenn sie gut über den Krankheitsverlauf informiert sind und darüber, wie sie sich am besten in schwierigen Situationen verhalten sollen. Informationen können Ärzt*innen oder auch Selbsthilfegruppen und andere Expert*innen bieten.

Verunsicherung

Demenzkranke, die allein leben, fühlen sich oft sehr verunsichert, weil sie vergessen könnten, eine Kochplatte abzustellen oder das Bügeleisen auszuschalten. Man kann z. B. Sicherheitsschalter für den Herd einbauen, um die Brandgefahr zu vermindern. Ein Heimnotrufgerät ist sehr nützlich für ältere Menschen. Die Chance, dass Betroffene dieses Gerät sinnvoll bedienen können, steigt natürlich, wenn sie sich schon früh daran gewöhnen konnten. Auskünfte über Sicherheitsmaßnahmen sind bei den Pflegediensten zu erfragen. Es ist grundsätzlich zu empfehlen, einen Ersatzschlüssel in der Nachbarschaft zu hinterlegen, falls sich Demenzkranke selbst ausschließen.

Kommunale Angebote

Für Demenzpatient*innen kann der Platz in einem Tagespflegezentrum sehr nützlich sein. Hier werden sie verpflegt, durch verschiedene Aktivitäten stimuliert und vom Pflegepersonal versorgt. Auch für den täglichen Transport kann gesorgt werden. In manchen Städten gibt es speziell für Demenzkranke eingerichtete Tagespflegezentren.

Eine Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung kann den Angehörigen die Möglichkeit bieten, sich einmal auszuruhen und zu entspannen. Die Pflegedienste helfen bei der Vermittlung einer solchen Kurzzeitpflege. Der Umzug in eine Pflegeeinrichtung kann die Patient*innen noch weiter verwirren. Meistens lässt dies mit der Zeit nach, wenn sie sich an die neue Umgebung gewöhnt haben.

Entlastung für Angehörige

Es ist sehr belastend für die Angehörigen, wenn die zu betreuende Person ihren normalen Tagesrhythmus verliert, die Nacht zum Tag macht oder die Wohnung verlässt und nicht mehr zurückfindet. Eine strukturierte soziale Aktivierung während des Tages verbessert zuweilen den Nachtschlaf von Patient*innen mit Altersdemenz. Leicht ablesbare Uhren und Kalender, Checklisten oder ein Notizblock neben dem Telefon erleichtern Betroffenen den Alltag.

Besonders schwer sind lautes Schreien und Rufen sowie aggressives Verhalten zu ertragen. Die Ursachen sind manchmal Schwerhörigkeit, Halluzinationen oder körperliche Probleme. In der Übergangszeit kann es notwendig werden, beruhigende Arzneimittel zu verabreichen. Diese Arzneimittel haben jedoch oft zahlreiche Nebenwirkungen. Sie werden deshalb in möglichst niedriger Dosierung und nicht länger als unbedingt notwendig verabreicht.

Einweisung in eine Pflegeeinrichtung

Es ist nicht genau abzuschätzen, ab wann eine betroffene Person so krank ist, dass sie sich nicht mehr allein versorgen kann, selbst mit umfangreicher Unterstützung von Angehörigen, Haushaltshilfe und Pflegedienst. Wenn die Krankheit ein gewisses Stadium erreicht hat, wird es oft unumgänglich, einen Platz in einer Pflegeeinrichtung oder in einer speziell eingerichteten Wohnung für Demenzkranke (betreutes Wohnen) zu suchen. Der Pflegedienst kann Auskünfte erteilen, wie man am besten einen solchen Pflegeplatz finden kann. Die meisten modernen Pflegeeinrichtungen haben „geschützte“ Wohneinheiten mit besonderen Einrichtungen für Demenzkranke. 

Wohngruppen oder Wohngemeinschaften für Demenzkranke gibt es in mehreren Städten. Hier leben mehrere Demenzpatient*innen zusammen in einer kleinen Wohneinheit. Dort wird versucht, den Alltag so zu gestalten, dass für die Betroffenen der bestmögliche persönliche Lebensrahmen erhalten bleibt.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen