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Symptome der Demenz

Häufig sind es die nächsten Angehörigen und Freund*innen, die frühe Anzeichen für eine Demenz bemerken.

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Wie machen sich frühe Symptome bemerkbar?

Wenn sich bei jemandem eine Demenz entwickelt, erkennen häufig diejenigen, die den Betroffenen besonders nahestehen, als Erste, dass etwas nicht stimmt, insbesondere wenn sie zusammen wohnen. Die Betroffenen vergessen Verabredungen und Telefonnummern, kümmern sich nicht mehr um ihre Körperpflege und Kleidung, müssen ständig daran erinnert werden, was ansteht, und fragen immer wieder das Gleiche.

Häufig können sich Personen neue Informationen auch nicht mehr so merken wie früher, weil ihre Lernfähigkeit vermindert ist. Typisch ist auch, dass sich Betroffene deutlich besser an Dinge erinnern, die vor langer Zeit geschehen sind, als an aktuelle Ereignisse: Das Kurzzeitgedächtnis ist zuerst beeinträchtigt.

Häufig treten Probleme beim Sprechen auf; die Betroffenen finden nicht die richtigen Worte oder Formulierungen. Viele haben zunehmend Schwierigkeiten, Werkzeuge zu verwenden, zum Beispiel Schraubenzieher, Hammer oder Küchengeräte. Auch andere, früher alltägliche Aufgaben stellen Menschen mit Demenz immer mehr vor Probleme: Einkaufen, Bankgeschäfte erledigen usw. Das Autofahren kann gefährlich werden, weil die Betroffenen nicht mehr so gut mit plötzlichen, unvorhergesehenen Ereignissen im Straßenverkehr umgehen können.

Vor und während dieser Phase mit deutlichen Gedächtnisstörungen und eindeutigen Anzeichen für eine Abnahme der geistigen Fähigkeiten durchlaufen viele Betroffene mit beginnender Demenz eine sehr belastende Zeit. Sie fühlen Angst, Unsicherheit und Depressionen und sind auch dadurch nicht mehr in der Lage, die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags zu meistern. Die Betroffenen reagieren häufig damit, sich zurückzuziehen und den Kontakt mit anderen zu vermeiden.

Persönlichkeitsveränderungen

Bei Betroffenen kann es zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Möglicherweise wenden sich Menschen von anderen ab, obwohl sie sich früher liebevoll und engagiert um Familienangelegenheiten gekümmert und am Leben ihrer Enkelkinder und Freund*innen Anteil genommen haben. Andere verlieren ihr Interesse an der aktuellen Nachrichtenlage oder hören auf, sich mit ihren Hobbys zu beschäftigen. Nahestehende berichten häufig über Initiativlosigkeit oder Rastlosigkeit und mangelndes Vermögen der Betroffenen, ihre Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten auszufüllen.

Der Umgang mit Betroffenen kann sehr belastend und anstrengend werden, wenn sie starke Persönlichkeitsveränderungen zeigen: Manche Demenzkranke werden zum Beispiel sehr misstrauisch und beschuldigen die Familie oder Nachbarn, Dinge gestohlen zu haben, die sie selbst nicht mehr finden. Manche Demenzkranke reagieren oft gereizt, aggressiv oder sehr wütend.

In späteren Stadien der Erkrankung erkennen Demenzkranke zunächst Bekannte und Freund*innen, schließlich sogar die engsten Angehörigen nicht mehr. Das macht es für Familienmitglieder oft noch schwieriger, die Betroffenen alleine zu betreuen.

Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

Die Symptome einer Depression können zu Beginn einer Demenzerkrankung ähneln. Die Betroffenen ziehen sich zurück, verlieren das Interesse an früheren Tätigkeiten und leiden häufig unter schlechteren Gedächtnisleistungen. Wenn es sich um eine Depression handelt, können die Patient*innen mithilfe einer Therapie wieder gänzlich genesen. Es ist allerdings recht häufig, dass Betroffene sowohl Symptome für Demenz als auch für Depression zeigen. In jedem Fall ist eine eingehende fachärztliche Untersuchung nötig, um die beiden Krankheitsbilder voneinander zu unterscheiden.

Beim Zustand der akuten Verwirrtheit gleichen die Symptome einer ausgeprägten Demenz, sind aber auf körperliche Verletzungen oder Erkrankungen zurückzuführen (z. B. nach einem schweren Unfall oder einem Schlaganfall, bei ausgeprägten Infektionen oder Herzerkrankungen). Zudem treten diese Symptome im Gegensatz zur Demenz sehr plötzlich auf. Auch einige Medikamente können Verwirrtheitszustände bewirken. Solche Symptome bessern sich, wenn die auslösende Ursache behandelt wird bzw. die Medikamente abgesetzt werden.

Warum ist die Diagnose so wichtig?

Leider gibt es noch keine Therapie, mit der sich bei Demenzerkrankungen die Hirnfunktionen wiederherstellen lassen. Aus mehreren Gründen ist es aber wichtig, dass ärztliche Untersuchungen erfolgen und eine genaue Diagnose gestellt wird.

  1. Möglicherweise lassen sich andere, therapierbare Ursachen für den Gedächtnisschwund ermitteln, z. B. eine akute Verwirrtheit (Delir), Depressionen, Tumoren, Infektionen, Stoffwechselstörungen, Vitamin-B12-Mangel oder Medikamentennebenwirkungen.
  2. Symptome wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Angst und depressive Zustände lassen sich ebenfalls behandeln.
  3. Manche Patient*innen sprechen auf Medikamente an, die speziell für Demenz vom Typ Alzheimer entwickelt wurden. Diese Medikamente können die Demenzerkrankung nicht heilen oder aufhalten, aber sie können gewisse Symptome lindern, sodass die Betroffenen ihre Funktionsfähigkeit eine Zeit lang besser aufrechterhalten können. Wenn die Demenz auf Durchblutungsstörungen im Gehirn zurückzuführen ist, können Medikamente erneuten Schlaganfällen und damit einer weiteren Verschlechterung vorbeugen.
  4. Zusätzlich zu bestimmten Medikamenten gibt es eine Reihe anderer Therapieformen, die auch speziell bei Demenz sinnvoll sind, z. B. Musiktherapie, Ergotherapie und kognitives Training.
  5. Ärzt*innen und Pflegepersonal können die Betroffenen und ihre Angehörigen noch genauer informieren, wenn eine gesicherte Diagnose gestellt wurde.
  6. Betroffene und ihre Angehörigen finden leichter eine passende Pflegeeinrichtung, wenn die Diagnose klar ist, außerdem lassen sich die Therapie- und Pflegemaßnahmen besser planen und einsetzen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen