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Verschiedene Demenzformen

Demenz ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Gehirnerkrankungen, die hauptsächlich im hohen Alter auftreten. Typische Symptome sind Gedächtnisstörungen, eine verminderte Handlungsfähigkeit, eine beeinträchtigte Sprachfunktion sowie Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen.

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Was ist Demenz?

Demenz ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Gehirnerkrankungen, die hauptsächlich im hohen Alter auftreten. Typische Symptome sind Gedächtnisstörungen, eine beeinträchtigte Sprachfunktion, Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen sowie Probleme, Alltagsaktivitäten wie gewohnt durchzuführen. Patient*innen mit Demenz verlieren zunehmend die Fähigkeit, für sich selbst sorgen, also selbstständig leben zu können. Dies verschlechtert sich mit der Zeit immer weiter, und sie werden abhängiger von der Hilfe anderer. Bei einigen Patient*innen schreitet die Verschlechterung bis zur völligen Abhängigkeit von der Hilfe anderer schnell voran, bei anderen langsamer.

Im Gehirn findet im Rahmen der Demenz eine Reihe von Veränderungen statt. Die bedeutendsten Veränderungen sind die Zerstörung der Verbindungen zwischen den Nervenzellen und das Absterben der Zellen selbst. Demenzerkrankungen treten selten bei 50-Jährigen auf; ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. So sind in Deutschland etwa 1,3 % der 65- bis 69-Jährigen betroffen und etwa 40,9 % der Menschen über 90 Jahre. In Deutschland gibt es ungefähr 1,5 Million Demenzkranke.

Demenzerkrankungen bringen viele Probleme für die Kranken selbst und für ihre Angehörigen mit sich.

Alzheimer-Krankheit

Ungefähr 60 % der Demenzerkrankten leiden an der Alzheimer-Krankheit. Die Krankheit hat ihren Namen von dem deutschen Arzt Alois Alzheimer, der sie 1907 zum ersten Mal beschrieb. Die Alzheimer-Krankheit ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der die Nervenzellen v. a. im Bereich des Schläfenlappens, verschiedener anderer Teile der Großhirnrinde und des sog. Hippocampus geschädigt werden und absterben. Allmählich breiten sich die Schäden auf große Teile des Gehirns aus, in späten Stadien schrumpft das Hirngewebe. Mikroskopisch ist erkennbar, dass außerhalb der Nervenzellen Eiweißstoffe namens Beta-Amyloid verklumpen, sog. senile Plaques. Diese Plaques schädigen die Nervenzellen. In den Zellen verknäueln sich die Fasern, die die Zellstrukturen zusammenhalten, und bilden sog. Neurofibrillen, die ebenfalls die Hirnzellen schädigen.

Die Krankheit entwickelt sich in der Regel langsam über mehrere Jahre hinweg. Das erste Symptom ist bei den meisten Patient*innen ein eingeschränktes Erinnerungsvermögen. Es können aber auch andere erste Symptome auftreten: die Betroffenen haben z. B. Schwierigkeiten, ein Gespräch zu führen, oder Probleme bei praktischen Aufgaben des Alltags, wie der Zubereitung von Mahlzeiten, der Bezahlung von Rechnungen oder der Orientierung in einer neuen Umgebung. Viele Betroffene werden passiv, unruhig und reizbar. Andere werden ängstlich und misstrauisch. In der Anfangsphase kann sich die Krankheit so langsam entwickeln, dass sie kaum bemerkbar ist. In der frühen Phase verschlechtert sich oft nur das Gedächtnis, andere Symptome sind nicht erkennbar. Diese Fälle werden als leichte kognitive Beeinträchtigung bezeichnet. Im weiteren Verlauf nehmen die Symptome jedoch stetig zu: Alltagstätigkeiten werden zunehmend unmöglich, die Betroffenen finden sich auch in der bekannten Umgebung nicht mehr zurecht, können einem Gespräch nicht mehr folgen und erkennen schließlich selbst vertraute Personen nicht mehr.

Vaskuläre Demenz

Die vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Demenzform und tritt bei ungefähr 10–50 % aller Patient*innen auf. Diese Demenzform wird durch Schlaganfälle und Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns verursacht (Schlaganfall und TIA). Bei einer eventuellen CT-Untersuchung (Computertomografie) kann man die Bereiche erkennen, die wegen Durchblutungsstörungen geschädigt sind.

Diese Demenzform lässt sich auch bei älteren Menschen beobachten, die nicht erfolgreich gegen zu hohen Blutdruck oder Diabetes mellitus behandelt werden konnten. Häufig verschlechtert sich der Zustand der Patient*innen mit vaskulärer Demenz allmählich, weil sie entweder neue Schlaganfälle erleiden oder zusätzlich an der Alzheimer-Krankheit erkranken. Bei älteren Demenzpatient*innen sieht man oft eine Kombination von Alzheimer-Krankheit und Schlaganfall als Ursache. Die Schlaganfälle können sehr gering ausgeprägt sein (Mikroinfarkte), sodass sie kaum sofort Symptome verursachen, mit zunehmender Häufung dann aber zu Demenz führen.

Andere Ursachen für Demenz

Demenz kann auch bei anderen selteneren Gehirnerkrankungen vorkommen – dazu gehören z. B. die frontotemporale Demenz (Frontallappendemenz oder Pick-Krankheit), die Lewy-Körper-Demenz, das Parkinson-Syndrom mit Demenz oder die Huntington-Krankheit mit Demenz.

Frontotemporale Demenz (Stirnlappen-Demenz) tritt hauptsächlich bei Personen im Alter von 50–60 Jahren auf und verändert deren Verhalten und Persönlichkeit. Bei einigen Patient*innen ist ein sozial unkritisches Verhalten zu beobachten, andere werden passiv, depressiv und reizbar. Allmählich kommen Gedächtnisprobleme und Sprachschwierigkeiten hinzu.

Die Lewy-Körper-Demenz tritt vor allem im hohen Alter auf. Diese Demenzerkrankung ist gekennzeichnet durch ein vermindertes Gedächtnis und andere intellektuelle Probleme, durch Perioden mit optischen Halluzinationen (die Betroffenen sehen Menschen, Tiere und anderes, was nicht tatsächlich vorhanden ist) und durch Parkinson-Syndrome wie Zittern und Muskelsteife. Die Symptome treten gleichzeitig in wechselnder Stärke auf.

Das Parkinson-Syndrom tritt bei ungefähr 1 % der Bevölkerung im Alter von 50–70 Jahren auf. Die häufigsten Symptome sind Muskelsteifheit, Zittern, Gangstörungen und veränderte Körperhaltung. Ungefähr 80 % dieser Patient*innen entwickeln bis zur letzten Phase der Krankheit eine Demenz.

Weitere Ursachen einer Demenz sind langjähriger Alkoholmissbrauch, ausgeprägter Vitaminmangel, bestimmte unbehandelte Stoffwechsel- und Hormonstörungen, Infektionen oder Tumoren des Gehirns sowie große Hirnschäden z. B. nach einem Unfall. Auch bestimmte Medikamente können Gedächtnisstörungen verursachen, ebenso wie manche psychischen Krankheiten, z. B. eine Depression.

Weil Gedächtnisstörungen von so unterschiedlichen Ursachen ausgelöst werden können, ist es sehr wichtig, dass Betroffene fachärztlich gründlich untersucht werden. Während die meisten Formen der Demenz nur gelindert, aber nicht geheilt werden können, ist durchaus eine erfolgreiche Therapie möglich, wenn andere Krankheiten solche Symptome hervorrufen.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
  • Susanne Meinrenken, Dr. med.,  Bremen