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Wirbelkörperbruch (vertebrale Kompressionsfraktur) bei älteren Menschen

Mit dem Alter werden die Knochen zunehmend porös. Dies kann dazu führen, dass die Wirbelkörper der Wirbelsäule zusammengedrückt werden und akute Rückenschmerzen auftreten.

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Was ist eine vertebrale Kompressionsfraktur?

Ein Wirbelkörperbruch (Wirbelkörperfraktur), medizinisch auch vertebrale Kompressionsfraktur genannt, beschreibt das Einsinken, den Kollaps oder die Kompression eines Wirbelkörpers. Sie ist eine häufige Komplikation einer Osteoporose und insgesamt eine sehr häufige Erkrankung im höheren Lebensalter, die deutliche negative Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Rückens und die Lebensqualität der Patienten hat. Lediglich bei 1/3 aller Wirbelkörperbrüche wird die Fraktur als solche erkannt, da Rückenschmerzen oft als Bestandteil eines normalen Alterungsprozesses gesehen werden.

Die Häufigkeit des Auftretens einer Wirbelkörperfraktur steigt mit dem Alter und beträgt bei Frauen im Alter von 80 Jahren 40 %.

Ursachen

Vertebrale Kompressionsfrakturen sind meist auf eine Osteoporose zurückzuführen. Viele der Risikofaktoren für eine Osteoporose spielen auch für die Kompressionsfraktur eine Rolle, z. B.:

  • zunehmendes Alter
  • weibliches Geschlecht: Frauen entwickeln nach der Menopause häufiger eine Osteoporose und haben ein höheres Risiko für Knochenbrüche als Männer.
  • familiär gehäuftes Auftreten von Frakturen
  • erhöhter Alkohol- und Tabakkonsum
  • Östrogenmangel
  • verminderte körperliche Aktivität
  • ein niedriges Körpergewicht
  • Kalzium und/oder Vitamin-D-Mangel
  • bösartige Erkrankungen
  • eine erhöhte Sturzneigung
  • Medikamente.

Bei einer Osteoporose werden die Knochen porös, verlieren an Struktur und damit an Stabilität. Ist die Osteoporose ausgeprägt, kann es bereits bei alltäglichen Bewegungen zu Frakturen kommen, ohne, dass eine hohe Gewalteinwirkung nötig ist. Diese sogenannten Spontanfrakturen entstehen, wenn das Gewicht des Oberkörpers die Belastungsgrenze eines Wirbels übersteigt. Bei einer weniger stark ausgeprägten Osteoporose treten Wirbelkörperfrakturen erst bei stärkerer Belastung oder Krafteinwirkung auf.

Symptome

Mehr als 2/3 der vertebralen Kompressionsfrakturen verursachen keine Symptome und werden nur zufällig entdeckt. Die Fraktur kann aber auch zu akuten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Bettruhe lindert die Schmerzen, im Stehen und Gehen nehmen die Schmerzen zu.

Die Fraktur tritt in der Regel im vorderen Teil des Wirbels auf, während der hintere Teil intakt ist. Dies hat einen Höhenverlust in der vorderen Ebene, jedoch nicht in der hinteren Ebene der Wirbelsäule zur Folge. Bei mehrfachen Brüchen über mehrere Wirbel entsteht eine verstärkte Krümmung des oberen Rückens, was als Kyphose bezeichnet wird. Außerdem reduziert sich dadurch die Körpergröße. Der Höhenverlust der Wirbelsäule geht mit einer Verkürzung der Wirbelsäulenmuskulatur einher. Die Muskulatur wird dadurch zum Aufrichten der Wirbelsäule stärker beansprucht. Infolge der Muskelermüdung können Rückenschmerzen auftreten. Diese können noch lange, nachdem die Spontanfraktur abgeheilt ist, bestehen bleiben. Der Brustkorb kann in Richtung Becken gedrückt werden, was das Volumen des Brust- und Bauchraumes reduziert. In schweren Fällen kann dies zu einer verminderten Lungenfunktion und einem hervorstehenden Bauch führen. Es besteht ein geringes Risiko für Nervenschäden.

Diagnostik

Neben der Krankengeschichte mit den beschriebenen Symptomen können Ärzte in der körperlichen Untersuchung evtl. Bewegungseinschränkungen und Schmerzen beim Beklopfen der Wirbelsäule feststellen. Traten bereits mehrere Wirbelfrakturen auf, können die verstärkte Krümmung des Rückens und eine Abnahme der Körpergröße auffallen. Mit einer Röntgenuntersuchung, bei spezielleren Fragestellungen auch mit CT oder MRT, kann die Fraktur bestätigt werden. Besteht der Verdacht auf eine Osteoporose, kann eine Knochendichtemessung  durchgeführt werden.

Therapie

Therapieziel ist die Schmerzlinderung und die Wiederherstellung der Beweglichkeit, soweit dies möglich ist. Außerdem sollten Maßnahmen ergriffen werden, um weitere Stürze zu verhindern. Dies kann zum Beispiel durch Absetzen sturzfördernder Medikamente, Kräftigung der Muskulatur oder Balanceübungen durch eine Physiotherapie erfolgen. Wichtig ist, die körperliche Aktivität zu erhalten und die Entwicklung einer Sturzangst zu vermeiden. Dies hilft auch, Komplikationen wie die Entwicklung einer Lungenentzündung, Druckgeschwüren oder Gerinnseln in den Beinen (Beinvenenthrombose) zu umgehen.

Kompressionsfrakturen sind meist stabil und müssen nur selten operiert werden. Es wird deshalb meist konservativ, d. h. symptombezogen, therapiert. Die Schmerzen können in Absprache mit den behandelnden Ärzten medikamentös behandelt werden.

Vorbeugende Maßnahmen (Prävention)

Um einen Knochenschwund und somit das Risiko für die Entstehung einer vertebralen Kompressionsfraktur zu mindern, ist körperliche Aktivität nachweislich geeignet. Außerdem sollte auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet werden. Besteht eine Gangunsicherheit kann es helfen, die Wohnsituation anzupassen, sodass ein geringeres Sturzrisiko zu Hause besteht. Bei vorhandener Osteoporose sollte diese ausreichend therapiert werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim