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Descensus genitalis/Genitalprolaps

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Definition:
Der Descensus genitalis ist das Tiefertreten der Scheide und/oder des Uterus in Richtung des Scheideneingangs, bedingt durch Veränderungen der bindegewebigen und muskulären Fixation im kleinen Becken. Aufgrund enger Lagebeziehungen zwischen den Beckenorganen sind häufig auch Harnblase und Darm betroffen. Deszensus bezeichnet ein Tiefertreten bis zum Hymenalsaum, während der Prolaps das Tiefertreten über den Hymenalsaum hinaus beschreibt. Klinische Varianten sind Uterusprolaps, Zystozele, Zystourethrozele, Rektozele, Enterozele, Rektoenterozele und Scheidenstumpfprolaps.
Häufigkeit:
Die Prävalenz eines klinisch signifikanten Deszensus wird mit 1–2 % angegeben.
Symptome:
Der moderate Prolaps ist weitestgehend asymptomatisch. Bei ausgeprägten Veränderungen können vaginales Druckgefühl, Vorfallgefühl bis hin zu tastbarem Vorfall, Unterbauchbeschwerden, Harnentleerungsstörungen, rezidivierende Zystitiden bei Restharnsymptomatik, Defäkationsbeschwerden, Schmerzen beim Gehen, Schmerzen im kleinen Becken, sexuelle Dysfunktion, Dyspareunie sowie Druckgefühl oder Schmerzen des Rektums vorkommen.
Befunde:
Die Diagnose wird für gewöhnlich i. R. der gynäkologischen Untersuchung gestellt. Der Vorfall kann in gynäkologischer Lagerung provoziert werden, indem man die Patientin pressen lässt.
Diagnose:
Weitere mögliche Untersuchungen: Introitussonografie, Restharnbestimmung, Nierensonografie bei Restharn, Überprüfung der Fähigkeit der gezielten Beckenbodenkontraktion. Evtl. urodynamische Untersuchung, um die Patientinnen zu identifizieren, die den größten Nutzen von einer Operation haben.
Behandlung:
Bei der Behandlung sollten zunächst immer konservative Therapieoptionen ausgeschöpft werden. Hierzu stehen konsequente vaginale Östrogenisierung, Beckenbodengymnastik, Life-Style-Änderung und Pessartherapien zur Verfügung. Bei Versagen der konservativen Therapie kann die operative Sanierung erwogen werden.
  • Erika Baum, Prof. Dr. med., Professorin für Allgemeinmedizin, Universität Marburg (Review)
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.
  • Terje Johannessen, professor i allmennmedisin, Institutt for samfunnsmedisinske fag, Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Trondheim
  • Barbro Larson, docent och specialist i gynekologi och obstetrik, Stockholm (Medibas)