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Klimakterium

Das Klimakterium, oder die Wechseljahre, sind ein normaler Prozess und keine Krankheit. Die Beschwerden, die auftreten können, hängen damit zusammen, dass die Eierstöcke immer weniger Östrogen produzieren. Schließlich kommt es nicht mehr zur Regelblutung.

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Was ist das Klimakterium?

Das Klimakterium ist die Zeit um und nach der letzten regulären Menstruationsblutung, es wird auch Wechseljahre genannt. Die letzte Regelblutung selbst bezeichnen Fachleute als Menopause, die Zeit davor als Prä-/Perimenopause und den anschließenden Zeitraum als Postmenopause. Die Menopause kann erst im Nachhinein bestätigt werden, wenn die letzte Menstruationsblutung 1 Jahr zurückliegt.

Die Menopause tritt in Deutschland im Durchschnitt mit 50–53 Jahren ein. Das Klimakterium hängt mit der Abnahme der Eizellen in den Eierstöcken zusammen. Die Eierstöcke können deshalb nicht mehr auf die Hormone reagieren, die die Eizellen stimulieren, zu einer fruchtbaren Eizelle heranzureifen. Während des Klimakteriums treten bei vielen Frauen verschiedene Beschwerden auf.

Symptome

Einige Frauen haben gar keine Wechseljahresbeschwerden, während andere viele Jahre unter Symptomen leiden. Man geht davon aus, dass etwa drei von vier Frauen irgendeine Art von Beschwerden im Zusammenhang mit dem Klimakterium haben.

Blutungsstörungen

Vor der Menopause sind die Blutungen häufig unregelmäßig. Einige Frauen bekommen sehr starke Blutungen, während andere nur noch schwache Blutungen haben. Das typische Muster vor der Menopause ist, dass die Blutungen mengenmäßig abnehmen und seltener auftreten.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche

Schweißausbrüche und Hitzewallungen sind häufige Beschwerden in den Wechseljahren. Sie sind bedingt durch die Veränderungen im Hormonhaushalt, v. a. das Absinken des Östrogenspiegels. Allerdings sind die Ursachen nicht ganz genau geklärt. Bei einigen Frauen können die Hitzewallungen den Nachtschlaf stören. Die Beschwerden nehmen nach und nach ab und sind einige Jahre nach der Menopause häufig völlig verschwunden.

Veränderungen der Schleimhaut

Die Schleimhäute in der Harnröhre und in der Vagina werden nach der Menopause dünner und trockener. Beim Wasserlassen kann es brennen. Die Frauen können häufiger Harnwegsinfektionen bekommen und sie spüren Schmerzen und Trockenheit. Auch eine Belastungsinkontinenz kann vorkommen. Manchmal treten beim Geschlechtsverkehr kleine Blutungen auf.

Psychische Symptome

Während der Jahre vor und nach der Menopause treten häufig psychische Beschwerden auf. Es kann zu leichteren Stimmungsschwankungen kommen und die Frauen reagieren häufiger gereizt, aber auch Depressionen können vorkommen. Oft treten in diesem Lebensabschnitt auch Schlafprobleme auf. Hitzewallungen und Schweißausbrüche können in ausgeprägten Fällen zu sozialem Vermeidungsverhalten führen, und trockene Schleimhäute im Unterleib können die Libido mindern (siehe auch Sexuelle Funktionsstörungen in den Wechseljahren).

Ursachen

Während der fruchtbaren Jahre des Lebens produzieren die Eierstöcke die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Während des Klimakteriums nimmt die Aktivität der Eierstöcke ab und das Hormonniveau sinkt. Die Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen, regulieren in der Regel die Menstruationsblutungen, stimulieren die Schleimhäute im Unterleib, wirken gegen den Knochenabbau und fördern die Libido. Die Beschwerden in den Wechseljahren können in hohem Maße durch den Östrogenmangel erklärt werden. Bei vielen Frauen geschehen während des Klimakteriums auch viele soziale Veränderungen, sodass Stress und Belastungen die Symptome zusätzlich beeinflussen können.

Bei Raucherinnen und Frauen mit geringem Gewicht sinkt der Hormonspiegel stärker, weswegen sie häufig stärkere Beschwerden haben und die Menopause früher einsetzt. Das Gleiche gilt für Frauen, deren Eierstöcke durch Operation entfernt wurden, und die deshalb einen plötzlichen Hormonabfall erleben. Übergewichtige Frauen leiden häufig stärker unter Hitzewallungen. Auch Vererbung beeinflusst die Stärke der Beschwerden während der Wechseljahre.

Diagnose

Die typischen Beschwerden, die Frauen im Klimakterium beschreiben, machen die Diagnose häufig leicht. Der Hormonspiegel kann durch Blutuntersuchungen gemessen werden. Das geschieht aber nicht routinemäßig, weil die Diagnose bei über 45-jährigen Frauen auch ohne Untersuchungen klar ist. Wenn bei jüngeren Frauen Wechseljahresbeschwerden auftreten, kann ein Hormontest jedoch sinnvoll sein.

Therapie

Was können Sie selbst tun?

Viele Frauen berichten über Linderung der Beschwerden durch rezeptfreie Medikamente oder andere Methoden, auch wenn bislang für die meisten Wirkstoffe eine Wirkung wissenschaftlich nicht nachgewiesen wurde. Körperliche Aktivitäten wie Yoga können sich positiv auf die Stimmung und den Schlaf auswirken, reduzieren aber nicht das Schwitzen und die Hitzewallungen. Betroffene können auch versuchen die Beschwerden zu lindern, indem sie

  • Entspannungsübungen machen.
  • Kleidung aus Synthetikmaterialien oder Kleidung, die sehr eng sitzt, meiden.
  • weniger heiße Getränke und Alkohol trinken, weil dies die Hitzewallungen und die Schweißausbrüche verstärken kann.
  • stark gewürztes Essen meiden.
  • den Intimbereich nicht häufiger als einmal am Tag waschen und dabei eine unparfümierte Intimwaschlotion anstelle von Seife nutzen.
  • ein Gleitmittel oder spezielle Feuchtigkeitscremes verwenden, wenn die trockene Schleimhaut den Geschlechtsverkehr unangenehm macht.

Medikamentöse Behandlung

Eine Hormonersatztherapie wirkt effektiv gegen die durch Östrogenmangel verursachten Beschwerden. Eine solche Behandlung bedeutet, dass man durch Tabletten, Gel oder Pflaster in einer geringen Dosis Hormone zuführt, die den ganzen Körper beeinflussen. Ob die Behandlung sinnvoll ist, hängt von den jeweiligen Symptomen ab und davon, wie stark eine Frau die Einschränkung der Lebensqualität durch diese Symptome erlebt.

Bei der Hormonbehandlung sind verschiedene Punkte zu beachten, über die Ärzt*innen informieren können. Vor allem sind Begleiterkrankungen der Frau zu berücksichtigen, insbesondere ist Vorsicht geboten bei Vorliegen von Krebs oder auch einer Thrombose in der Vorgeschichte. 

Eine Hormonersatztherapie kann auch bei Gesunden das Risiko für die Entstehung von Brustkrebs oder auch Eierstockkrebs erhöhen. Wird die Therapie über mehr als 5 Jahre durchgeführt, kann das Risiko nach Absetzen noch 10 Jahre oder länger erhöht sein. Man hat auch ein etwas erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) bei der Behandlung mit Hormontabletten festgestellt; auch eine Lungenembolie, ein Schlaganfall, Gallenwegserkrankungen und Harninkontinenz sind mit einer lang andauernden Hormontherapie in Zusammenhang gebracht worden. In der Regel wird daher empfohlen, dass vor allem bei besonders starken, nicht tolerierbaren Beschwerden eine möglichst niedrig dosierte Hormonbehandlung über einen kürzeren Zeitraum von maximal 5 Jahren durchgeführt wird.

Neben Östrogen wird auch das Gelbkörperhormon (Gestagen) gegeben, um zu verhindern, dass die Schleimhaut in der Gebärmutter wächst und damit ein erhöhtes Risiko für Krebs in der Gebärmutterschleimhaut entsteht. Bei sehr starken Blutungen kann auch Gestagen alleine eingesetzt werden. Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, können nur mit Östrogen behandelt werden, während Frauen mit Gebärmutter zusätzlich Gestagen bekommen sollten.

Pflaster oder Gel

Das Pflaster wird auf der Haut angebracht und zweimal in der Woche ausgetauscht; das Gel wird täglich auf die Haut aufgetragen. Bei einem reinen Östrogenpräparat soll zusätzlich Gestagen z. B. in Form von Ovula, die in die Scheide eingeführt werden, gegeben werden, sofern die Gebärmutter nicht entfernt wurde.

Tabletten

Werden täglich eingenommen. Sie können entweder nur Östrogen enthalten oder eine Kombination aus Östrogen und Gestagen.

Salbe oder Zäpfchen gegen Scheidentrockenheit

Wenn das Problem trockene Schleimhäute in der Scheide und in der Harnröhre sind, reicht eine lokale Behandlung in der Vagina mittels Salbe oder Zäpfchen. Diese Medikamente beinhalten eine geringe Menge Östrogen oder ein schwaches Östrogen, das nicht den gesamten Körper beeinflusst, sondern nur örtlich gegen die Beschwerden wirkt. Lokale Östrogene können zusätzlich zu Befeuchtungs- oder Gleitmitteln angewendet werden.

Neben der Therapie mit Östrogen und/oder Gestagen gibt es andere Medikamente, die zur Therapie der Wechseljahrsbeschwerden zugelassen sind. Lassen Sie sich darüber in Ihrer Arztpraxis informieren.

Weitere Therapien

Die Belastung durch Wechseljahresbeschwerden kann durch eine kognitive Verhaltenstherapie und achtsamkeitsbasierte Verfahren nachweislich reduziert werden.

Laut Studien kann Akupunktur die Intensität von Hitzewallungen ähnlich stark verringern wie eine Hormontherapie. Die Häufigkeit der Hitzewallungen lässt sich dadurch jedoch weniger reduzieren.

Zu den meisten pflanzlichen Arzneimitteln liegen nur wenig hochwertige oder gar keine Daten aus klinischen Studien vor. Für Isoflavone (sog. Phytoöstrogene) und Cimicifuga (Traubensilberkerze) gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Wechseljahresbeschwerden. Sie können ausprobieren, ob Ihnen diese Wirkstoffe helfen.

Prognose

Ohne Behandlung verschwinden die Beschwerden normalerweise nach rund 7 Jahren. Viele Frauen leiden aber viele Jahre darunter. Nach dem Klimakterium treten infolge der veränderten Hormonspiegel häufiger Osteoporose, Herz-Gefäß-Erkrankungen und Harnwegsinfektionen auf.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Müster/W.