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Eierstockkrebs

Eierstockkrebs wird oft erst spät diagnostiziert, da die Krankheit nur wenige und nur schwach ausgeprägte Frühsymptome aufweist. Je nach betroffenem Gewebe, dem die entarteten Zellen im Eierstock entstammen, unterscheidet man verschiedene Arten von Eierstockkrebs.

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Grundlagen

Eine Frau hat zwei Eierstöcke, jeder etwa 3-5 cm lang und bis zu einem cm breit. Zusammen haben sie ein Gewicht von rund 15 Gramm. Im Laufe der Jahre werden die Eierstöcke kleiner. Das lateinische Wort für Eierstock ist Ovar. In jedem Eierstock befinden sich mehrere Tausend Eizellen, die im Laufe des Lebens weniger werden. Bei menstruierenden Frauen wird jeden Monat eine Eizelle aus den Eierstöcken freigesetzt. Dieser Eisprung zwischen zwei Monatsblutungen ist die Voraussetzung für das Eintreten einer Schwangerschaft. In den Eierstöcken werden Hormone produziert, die unter anderem bei der Entwicklung typisch weiblicher Körpermerkmale von Bedeutung sind.

Im Jahr 2010 erkrankten in Deutschland fast 7.800 Frauen an Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Damit ist er, nach Brust- und Gebärmutterkrebs, die dritthäufigste gynäkologische Krebsart in Deutschland. In den letzten zehn Jahren sind die Sterblichkeit und die Anzahl der Neuerkrankungen in Europa zurückgegangen. 

Das Risiko, Symptome zu entwickeln, nimmt bis zum 60. Lebensjahr zu. Die meisten Patientinnen sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, aber auch jüngere Frauen sind betroffen. Eierstockkrebs ist eine ernsthafte Erkrankung, da sie oft erst spät entdeckt wird.

Die Krankheit kann zufällig in Verbindung mit einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt werden. Eines der ersten Symptome ist oft, dass der Bauch dicker wird. Dies ist normalerweise auf eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites) zurückzuführen, kann aber auch am Krebsgeschwür selber liegen.

Ein anderes Zeichen können Beschwerden im Magen-Darmtrakt sein wie z.B. Übelkeit, Bauchschmerzen oder Veränderungen in der Häufigkeit oder Beschaffenheit des Stuhlgangs. Diese Symptomatik führt dazu, dass viele Betroffene glauben, sie hätten eine Erkrankung im Magen oder Darm. Eierstockkrebs ist eine tückische Krankheit, da die Symptomatik wenig charakteristisch ist und jedes Symptom für sich genommen harmlos scheinen kann. Daher wird er oft erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Bei mehr als der Hälfte der Fälle hat der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits auf andere Organe gestreut.

Ursachen

Es existieren nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gründe der Entwicklung einer normalen Zelle im Eierstock zu einer Krebszelle. Aber vermutlich spielen die Geschlechtshormone eine Rolle für das Risiko einer Erkrankung. Eierstockkrebs tritt zum Beispiel häufiger bei Frauen auf, die keine Kinder bekommen haben. Gesichert ist die Tatsache, dass die Einnahme der Anti-Baby-Pille das Risiko einer Erkrankung reduziert.

Je nach betroffenem Gewebe, dem die entarteten Zellen im Eierstock entstammen, unterscheidet man verschiedene Arten von Eierstockkrebs. Am häufigsten entstammt der Eierstockkrebs aus den oberflächlichen Zellen des Eierstocks, dem sogenannten Epithel. Bei rund 10 % aller Karzinome des Eierstocks handelt es sich um Metastasen. Metastasen sind Tochtergeschwulste eines anderen an Krebs erkrankten Organs im Körper.

Bei etwa 5–10 % der Betroffenen spielt ein bestimmter Erbfaktor eine Rolle (das BRCA-1- oder das BRCA-2-Gen). Wenn bei Ihnen oder einer Ihrer nächsten Verwandten in jungen Jahren ein Ovarialkarzinom diagnostiziert wurde, sollte überprüft werden, ob es sich um eine erblich bedingte Erkrankung handelt. Ist dies der Fall, so können Informationen und Behandlungsstrategie genauer an die individuelle Situation angepasst werden.

Risikofaktoren für die Entstehung von Eierstockkrebs

Alter: Bei den meisten Frauen tritt ein Ovarialkarzinom nach dem 50. Lebensjahr auf.

Anzahl der Eisprünge: Eine geringere Anzahl an Eisprüngen scheint sich zu einem gewissen Grad positiv auf das Erkrankungsrisiko auszuwirken. Sowohl durch Schwangerschaft und Entbindung, als auch durch die Anwendung der Pille und anderer hormoneller Verhütungsmethoden verringert sich die Anzahl an Eisprüngen. Daher ist das Risiko bei Frauen, die keine Kinder geboren haben, bei dieser Krebsart etwas höher.

Hormontherapie: Findet eine Hormontherapie zur Linderung der Beschwerden in den Wechseljahren statt, erhöht sich das Risiko für die Entstehung von Eierstockkrebs geringfügig.

All die genannten Faktoren führen allerdings jeweils zu einer lediglich geringfügigen Erhöhung des Erkrankungsrisikos.

Diagnostik

Wenn Ihr Hausarzt einen Verdacht auf Eierstockkrebs hat, werden Sie zum Gynäkologen überwiesen. Dieser führt eine gynäkologische Untersuchung und eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke durch. Mittels Ultraschall werden auf einem Bildschirm die inneren Organe abgebildet. Dabei kann die Untersuchung entweder von außen durch die Bauchdecke oder besser noch durch die Scheide vorgenommen werden. Jedoch ist die Ultraschalluntersuchung für eine sichere Diagnostik nicht ausreichend. Sind Geschwulste in den Eierstöcken zu sehen, müssen diese genauer untersucht werden.

Enthält der Bauchraum eine größere Menge Flüssigkeit, kann der Arzt diese entnehmen und in Hinblick auf mögliche Krebszellen untersuchen. Die Flüssigkeit wird mit Hilfe einer dünnen Nadel entnommen. Dennoch ist zumeist ein operativer Eingriff an den Eierstöcken nötig, um die endgültige Diagnose stellen zu können. Das liegt daran, dass es schwierig sein kann, gutartige von bösartigen Geschwülsten zu unterscheiden. Wenn ein Verdacht besteht, dass der Darm oder die Harnwege von der Krebserkrankung betroffen sind, werden diese ebenfalls untersucht.

Schließlich wird ein Röntgenbild der Lunge angefertigt, um zu untersuchen, ob sich die Krankheit bereits in die Lungen ausgebreitet hat. Auch eine Blutuntersuchung wird durchgeführt. Bei den meisten Formen von Eierstockkrebs werden spezielle Stoffe ins Blut ausgeschieden. Diese Stoffe nennt man Tumormarker. Je größer die Anzahl von Krebsmarkern im Blut, desto weiter fortgeschritten ist die Krankheit normalerweise. Tumormarker könne aber auch durch gutartige Krankheiten erhöht sein und sind somit kein zuverlässiger Vorhersagewert, ohne, dass die Diagnose feingeweblich gesichert ist. Auch im späteren Verlauf können Blutuntersuchungen auf Tumormarker durchgeführt, um zu kontrollieren, ob die Krankheit erneut ausgebrochen ist.

Verschiedene Stadien

Bevor der Arzt entscheidet, welche Form der Behandlung für Sie die richtige ist, muss festgestellt werden, wie weit sich die Krankheit bereits ausgebreitet hat. Die Ärzte sprechen von vier Stadien der Krebserkrankung. Entscheidend bei der Einteilung in die verschiedenen Stadien ist, wie weit die Krebszellen bereits gestreut haben.

Im Stadium I ist die Krankheit auf die Eierstöcke begrenzt. Liegt ein Stadium IV vor, hat der Eierstockkrebs sich auch außerhalb der Bauchhöhle ausgebreitet. Dazwischen befinden sich Stadium II und III. Eierstockkrebs breitet sich meist durch ein Zellwachstum in der Bauchhöhle aus, wo sich Geschwulste um die Organe herum ausbreiten. Krebszellen können auch durch die Lymphbahnen in den Körper und in die Lymphknoten gelangen. In seltenen Fällen befällt die Krankheit auch Leber oder Lunge.

Behandlung

Operation

Die häufigste Behandlung bei Eierstockkrebs ist eine operative Entfernung von Eierstöcken und Eileitern, Gebärmutter, dem großen Netz (Omentum majus) sowie Lymphknoten und ggfs. dem Blinddarm. Auf lateinisch wird die Operation beidseitige Adnektomie, Hysterektomie, Omentektomie, Lymphonodektomie und ggfs. Appendektomie genannt. Zusätzlich werden möglichst alle Stellen im Bauchraum entfernt, die vom Krebs befallen sind. Oftmals handelt es sich hierbei um das Bauchfell, es kann aber auch Teile des Dünn- oder Dickdarms oder des Zwerchfells betreffen.

Während der Operationen wird die Bauchhöhle mit Wasser gespült, das später im Labor untersucht wird. Werden hierbei Krebszellen gefunden, kann das ein Hinweis sein, dass die Krankheit sich bereits auf die Bauchhöhle ausgebreitet hat ohne dass dies mit dem bloßen Auge gesehen werden kann. Befindet sich die Krankheit in einem sehr frühen Stadium, kann eine Operation ausreichend sein. In den meisten Fällen sind jedoch noch zusätzliche Therapien, zumeist eine Chemotherapie nötig.

Chemotherapie

Fast alle Frauen mit Eierstockkrebs benötigen nach der Operation noch eine Behandlung mit Zellgiften, die so genannte Chemotherapie. Oft wird eine Kombination verschiedener Zellgifte (Zytostatika) gegeben. Die am häufigsten angewendeten Präparate sind Carboplatin und Paclitaxel als Kombinationsbehandlung. Diese Mittel werden intravenös durch einen dünnen Schlauch direkt ins Blut gegeben, das sie in den ganzen Körper transportiert. In einfachen Fällen können Zellgifte auch in Tablettenform verabreicht werden. Normalerweise wird die Behandlung in drei- bis vierwöchigen Abständen über einen Zeitraum von sechs Monaten durchgeführt. Dies kann ambulant erfolgen, manchmal ist aber auch eine stationäre Behandlung nötig.

Nebenwirkungen

Zellgifte können auch vorübergehende oder belibende Schäden an gesunden Zellen verursachen. Daher kann die Behandlung Nebenwirkungen haben. Die gewöhnlichsten sind Unwohlsein, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall. Nach Beendigung der Behandlung verschwinden die Nebenwirkungen normalerweise und die Haare wachsen wieder. In seltenen Fällen können die Nebenwirkungen aber auch länger anhalten. Eine Behandlung mit Chemotherapie kann auch die Blutzellen verändern, daher besteht vorübergehend ein erhöhtes Infektions- oder Blutungsrisiko. Aus diesem Grund werden regelmäßige Blutuntersuchungen durchgeführt.

Nachsorgeuntersuchungen

Es ist wichtig, regelmäßige Kontrollen zur Tumornachsorge wahrzunehmen. Diese werden ambulant in Form einer gynäkologischen Untersuchung durchgeführt. Normalerweise werden fünf Jahre lang regelmäßig Kontrollen in immer länger werdenden Anständen durchgeführt. Anschließend erfolgt die jährliche Untersuchung bei Ihrem Frauenarzt.

Prognose

Eierstockkrebs wird nur selten früh entdeckt, bei vielen Betroffenen ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits weit fortgeschritten. Wie bei allen Krebserkrankungen ist die Prognose schlechter, je später der Tumor entdeckt wird. Die Tatsache, dass ein Ovarialkarzinom oft spät diagnostiziert wird, führt daher zu einer verhältnismäßig schlechten Prognose. Das bedeutet, dass der Krebs in vielen Fällen wiederkommt, also rezidiviert. Rezidive können mittels Chemotherapie, anderer medikamentöser Therapien oder mit einer erneuten Operation behandelt werden. Eierstockkrebs ist in fortgeschrittenen Stadien oftmals als chronische Erkrankung zu verstehen, die einer dauerhaften Beobachtung und in vielen Fällen erneuter Behandlungsmaßnahmen bedarf.

Weitere Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.