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Eierstockkrebs

Eierstockkrebs wird oft erst spät diagnostiziert, da die Krankheit nur wenige und nur schwach ausgeprägte Frühsymptome aufweist.

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Was ist Eierstockkrebs?

Definition

Eierstockkrebs ist ein bösartiger Tumor der Eierstöcke (Ovarien). Je nach Gewebe, dem die entarteten Zellen im Eierstock entstammen, unterscheidet man verschiedene Arten von Eierstockkrebs. Am häufigsten entsteht der Eierstockkrebs aus den oberflächlichen Zellen des Eierstocks, dem sog. Epithel.

Außerdem wird die Erkrankung in verschiedene Stadien eingeteilt. Diese geben an, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Im Stadium I ist die Krankheit auf die Eierstöcke begrenzt. Liegt ein Stadium IV vor, hat der Eierstockkrebs sich auch außerhalb der Bauchhöhle ausgebreitet. Dazwischen befinden sich die Stadien II und III.

Symptome

Die Krankheit kann zufällig in Verbindung mit einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt werden.

Im frühen Stadium treten meist nur wenige bis gar keine Symptome auf. Mögliche Anzeichen sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, z. B. Völlegefühl, Blähungen oder Bauchschmerzen. Auch Menstruationsstörungen und häufigere Harnentleerungen können auftreten. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann es zu einer Zunahme des Bauchumfangs aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen im Bauch kommen.

Ursachen

In den meisten Fällen ist die Ursache für die Entstehung von Eierstockkrebs unbekannt. Etwa 5–10 % der Fälle beruhen auf erblichen Faktoren (z. B. Veränderungen im BRCA-1- oder BRCA-2-Gen).

Vermutlich spielen auch die Geschlechtshormone eine Rolle für das Risiko einer Erkrankung. Eierstockkrebs tritt zum Beispiel häufiger bei Frauen auf, die keine Kinder bekommen haben. Auch Stillen scheint einen schützenden Effekt zu haben. Hormonelle Verhütungsmittel (wie die „Pille“) senken zudem das Risiko für die Entwicklung von Eierstockkrebs.

Risikofaktoren 

Häufigkeit

  • Im Jahr 2018 erkrankten in Deutschland rund 7.300 Frauen an Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Damit ist er, nach Brust- und Gebärmutterkrebs, die dritthäufigste gynäkologische Krebsart in Deutschland.
  • In den letzten beiden Jahrzehnten sind die Sterblichkeit und die Anzahl der Neuerkrankungen in Europa zurückgegangen.
  • Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren, aber es können Frauen jeden Alters betroffen sein.

Untersuchungen

  • Bei Verdacht auf Eierstockkrebs werden Sie an eine Frauenarztpraxis überwiesen.
  • Dort wird eine gynäkologische Untersuchung mit Scheidenspiegelung (Kolposkopie) durchgeführt.
  • Außerdem erfolgt eine vaginale Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke. Dabei wird über die Scheide eine Ultraschallsonde eingeführt, um die Organe des Unterleibs sichtbar zu machen. 
  • Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über bestimmte Tumormarker im Blut geben. So ist der Wert für das Protein CA 125 bei Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium häufig erhöht. Tumormarker können aber auch bei anderen Erkrankungen oder während der Menstruation erhöht sein.
  • Im späteren Verlauf können Blutuntersuchungen auf Tumormarker durchgeführt werden, um zu kontrollieren, ob die Krankheit erneut ausgebrochen ist.
  • Um die endgültige Diagnose stellen zu können, ist meist ein operativer Eingriff an den Eierstöcken nötig. Im Anschluss wird das entnommene Gewebe mikroskopisch untersucht.
  • Weitere bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET) können eingesetzt werden, um die Ausbreitung der Erkrankung zu beurteilen.
  • Allen Patientinnen mit Eierstockkrebs wird eine genetische Beratung und Testung angeboten, ggf. ist diese auch für enge Verwandte sinnvoll.

Behandlung

Operation

  • Die häufigste Behandlung bei Eierstockkrebs ist eine operative Entfernung von Eierstöcken und Eileitern, Gebärmutter, dem großen Netz (Omentum majus) sowie Lymphknoten und ggf. dem Blinddarm.
  • Zusätzlich werden möglichst alle Stellen im Bauchraum entfernt, die vom Krebs befallen sind.
  • Befindet sich die Krankheit in einem sehr frühen Stadium, kann eine Operation ausreichend sein. In den meisten Fällen sind jedoch noch zusätzliche Behandlungen nötig.

Chemotherapie

  • Fast alle Frauen mit Eierstockkrebs benötigen nach der Operation noch eine Behandlung mit Zellgiften, die sog. Chemotherapie.
  • In frühen Stadien wird eine Chemotherapie mit Carboplatin über 6 Zyklen durchgeführt.
  • In fortgeschrittenen Stadien wird eine Kombination verschiedener Zellgifte (Zytostatika) gegeben. Die am häufigsten angewendeten Wirkstoffe sind Carboplatin und Paclitaxel als Kombinationsbehandlung. Diese Mittel werden intravenös durch einen dünnen Schlauch direkt ins Blut gegeben, das sie in den ganzen Körper transportiert. Die Behandlung wird alle 3 Wochen für insgesamt 6 Zyklen durchgeführt.
  • In den Stadien III–IV wird zusätzlich eine Erhaltungstherapie mit dem Antikörper Bevacizumab und/oder einem sog. PARP-Inhibitor empfohlen. Diese Wirkstoffe hemmen das Tumorwachstum.

Weitere Maßnahmen

  • Zusätzlich wird allen Patientinnen und Angehörigen psychoonkologische Beratung bzw. Unterstützung angeboten.
  • Wenn der Krebs nicht geheilt werden kann, erfolgt eine palliative (lindernde) Behandlung.

Nachsorgeuntersuchungen

  • Es ist wichtig, regelmäßige Kontrollen zur Tumornachsorge wahrzunehmen. Diese werden ambulant in Form einer gynäkologischen Untersuchung durchgeführt.
  • Normalerweise werden 5 Jahre lang regelmäßig Kontrollen in immer länger werdenden Abständen empfohlen.

Vorbeugung

  • Bei Frauen mit nachgewiesener Mutation in einem der Hochrisiko-Gene (z. B. BRCA1/2) können vorbeugend beide Eierstöcke und Eileiter operativ entfernt werden.
  • Dadurch lässt sich das Risiko, an erblichem Eierstockkrebs zu erkranken, deutlich senken.

Prognose

Eierstockkrebs wird nur selten früh entdeckt, bei vielen Betroffenen ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits weit fortgeschritten. Wie bei allen Krebserkrankungen ist die Prognose schlechter, je später der Tumor entdeckt wird. Nach 5 Jahren leben noch 42 % der Betroffenen.

Weitere Informationen

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ovarialkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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