Postkoitalpille – „Pille danach“

Die Postkoitalpille ist ein Notfallverhütungsmittel nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Notfallverhütung

Sog. postkoitale oder Notfallverhütungsmittel können nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr oder wenn ein Verhütungsmittel nicht funktioniert hat angewendet werden, um eine unerwünschte Schwangerschaft zu verhindern. Eine bereits bestehende Schwangerschaft wird nicht abgebrochen.

Die regulären Verhütungsmittel, die vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden (z. B. Pille, Spirale) sind wirksamer.

Es gibt zwei verschiedene Methoden der postkoitalen Verhütung:

  1. Pille danach
  2. Kupferspirale.

Was ist die „Pille danach“?

Die Postkoitalpille („Pille danach“) ist eine Hormontablette mit Gestagen, die den Eisprung verzögert. Die Hormontablette enthält Levonorgestrel oder Ulipristalacetat (UPA).

Levonorgestrel

Die Pille danach, die am längsten auf dem Markt ist, beinhaltet das Hormon Levonorgestrel. Die Behandlung besteht aus einer Tablette. Die Tablette sollte so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, möglichst innerhalb von 24 Stunden und spätestens innerhalb von 72 Stunden (3 Tagen). Die Wirkung nimmt ab, je später die Einnahme erfolgt.

Ulipristalacetat 

Die andere Pille danach enthält Ulipristalacetat (UPA). Dieses Medikament hat eine dokumentierte Wirkungszeit von 120 Stunden – also von bis zu 5 Tagen nach dem Geschlechtsverkehr. Die Wirksamkeit nimmt mit der Zeit nicht ab. Ulipristilacetat sollte für die Empfängnisverhütung an den Tagen 4 und 5 nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Levonorgestrel ist für diesen Zeitraum nicht zugelassen und nach 72 Stunden auch deutlich weniger wirksam.

Wirkung

Die Pille danach wirkt in erster Linie, indem der Eisprung gehemmt bzw. herausgezögert wird und dadurch eine Befruchtung verhindert wird. Wenn der Eisprung zum Zeitpunkt der Einnahme schon erfolgt ist, wirkt die Pille danach nicht mehr und kann die Schwangerschaft weder verhindern noch unterbrechen. Da sie den Eisprung nur hinauszögert, kann ungeschützter Verkehr trotzdem zur Schwangerschaft führen.

  • Eine mehrfache Anwendung im gleichen Zyklus wird nicht empfohlen.
  • Bis zur nächsten Menstruation sollte ein nichthormonelles Verhütungsmittel genutzt werden.
  • Lassen Sie sich beraten, wenn Sie mit der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln beginnen oder diese fortführen wollen.
  • Bestimmte Medikamente (z. B. Antiepileptika, Virostatika,  Johanniskraut und Antibiotika wie Rifampicin) können zu Wechselwirkungen führen und die Wirksamkeit beeinträchtigen.
  • Wenn die folgende Menstruation schwach ist oder mehr als 1 Woche zu spät kommt, sollten Sie zur Sicherheit einen Schwangerschaftstest machen.

Nebenwirkungen

  • Aufgrund der hohen Hormondosis der Postkoitalpille können Übelkeit und Erbrechen auftreten. Das lässt sich vermeiden, indem Sie vorher eine Kleinigkeit essen.
  • Sollten Sie dennoch innerhalb von 3 Stunden nach der Einnahme erbrechen oder unter Durchfall leiden, muss die „Pille danach“ erneut eingenommen werden, damit sie wirken kann.
  • Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Brustschmerzen, Unterbauchschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel.
  • Die nächste Menstruation nach der Einnahme der Postkoitalpille kann Unregelmäßigkeiten aufweisen, z. B. früher oder später eintreten, schwächer oder stärker ausfallen.
  • Wenn Sie dennoch schwanger werden, besteht keine Gefahr, dass der Embryo geschädigt worden sein könnte.

Kosten

  • Die „Pille danach" ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und kostet zwischen 18 und 35 €.
  • Für gesetzlich versicherte Mädchen und Frauen unter 18 Jahren ist die „Pille danach" kostenfrei, wenn ein Rezept vorgelegt wird.
  • Frauen bis 22 Jahre müssen nur eine Rezeptgebühr von 5 € bezahlen.

Alternative „Kupferspirale danach“

 

103 Gebärmutter mit Spirale.jpg
Gebärmutter mit Spirale

 

Die Kupferspirale oder Kupferkette kann alternativ zur „Pille danach“ als Notfallverhütung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr verwendet werden. Sie sollte erwogen werden, wenn Gegenanzeigen für die „Pille danach“ bestehen (z. B. Vorerkrankungen oder Einnahme bestimmter Medikamente), bei stark übergewichtigen Frauen oder wenn sie längerfristig mit der Kupferspirale oder Kupferkette verhüten möchten.

Wirkung

  • Die Kupferspirale verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle, indem sie die Gebärmutterschleimhaut und den Schleim des Gebärmutterhalses beeinflusst.
  • Die Methode ist eine wirksame Verhütungsmethode und bietet auch in der Folgezeit weiterhin Schutz. Sie schützt jedoch nicht vor Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität).
  • Die Befruchtung findet in der Regel in den Eileitern statt. Die befruchtete Eizelle wandert danach in die Gebärmutter, um sich nach etwa einer Woche in der Gebärmutter einzunisten. Wenn die Spirale innerhalb von 5 Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingesetzt wird, besteht eine gute präventive Wirkung.
  • Das Risiko einer Schwangerschaft wird um 99 % reduziert. Hierzu muss die Spirale allerdings mindestens bis zur nächsten Periodenblutung liegen bleiben.

Nachteile

  • Bei einer unbehandelten Infektion sollte die Spirale nicht eingesetzt werden, da diese sonst in die Gebärmutter aufsteigen kann. Eine Infektion sollte ausgeschlossen sein und/oder die Behandlung vor dem Einsetzen begonnen werden.
  • Außerdem können Nebenwirkungen wie stärkere Monatsblutungen und Unterleibschmerzen auftreten.

Kosten

  • Ein weiterer Nachteil der Kupferspirale danach sind die relativ hohen Kosten von 120–300 €.
  • Bis zum 22. Lebensjahr können die Kosten teilweise von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Weitere Informationen

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kontrazeption, Methodenwahl. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bonnema RA, McNamara MC, Spencer AL. Contraception choices in women with underlying medical conditions. Am Fam Physician 2010; 82: 621-8. American Family Physician
  2. Schwarz EB, Postlethwaite DA, Hung YY, Armstrong MA. Documentation of contraception and pregnancy when prescribing potentially teratogenic medications for reproductive-age women. Ann Intern Med 2007; 147: 370-6. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Davis AR, Pack AM, Kritzer J, Yoon A, Camus A. Reproductive history, sexual behavior and use of contraception in women with epilepsy. Contraception 2008; 77: 405-9. PubMed
  4. Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Verordnungsforum 43: Moderne Empfängnisregelung, November 2017. (07.05.2021) www.kvbawue.de
  5. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Verhütungsverhalten Erwachsener 2018, Köln 2020. www.forschung.sexualaufklaerung.de
  6. Woodhams EJ, Gilliam M. Contraception. Ann Intern Med. 2019 Feb 5;170(3):ITC18-ITC32. doi: 10.7326/AITC201902050. PMID: 30716758. www.acpjournals.org
  7. Holl, K: Hormonelle Kontrazeption - Die Pille wird 60. Pharmazeutische Zeitung, 12.03.2020. (16.03.2021). www.pharmazeutische-zeitung.de
  8. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Sichergehn, Verhütung für Sie und Ihn- Köln, Juni 2019. www.bzga.de
  9. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Hormonelle Empfängisverhütung. AWMF-Leitlinie Nr. 015-015. S3, Stand 2019. www.awmf.org
  10. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Checkliste für die Verschreibung kombinierter hormonaler Kontrazeptiva, Stand August 2017 (11.03.2021). deximed.de
  11. Hess, T: Checkliste Hormonelle Kontrazeption, Ars Medici 2/2011. www.tellmed.ch
  12. Kassenärztliche Vereinigung Bayerns: Verordnung aktuell - Verordnung von (Notfall)-Kontrazeptiva, 9.3.2020. (11.03.2021) www.kvb.de
  13. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Venöse Thromboembolien und kombinierte hormonale Kontrazeptiva, Stand 19.12.2018 (15.03.2021) www.bfarm.de
  14. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu hormonellen Kontrazeptiva: Neuer Warnhinweis zu Suizidalität als mögliche Folge einer Depression unter der Anwendung hormoneller Kontrazeptiva, 21.01.2019. (15.03.2021) www.bfarm.de
  15. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Update to CDC's U.S. medical eligibility criteria for contraceptive use, 2010: revised recommendations for the use of contraceptive methods during the postpartum period. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2011; 60: 878-83. PubMed
  16. Ludwig M. Hormonelle Kontrazeption. Hamburg: optimist, 2015. optimist-verlag.de
  17. Reifferscheid, E. Gelbe Liste: Gestagene, Stand 24.01.2019. (15.03.2021) www.gelbe-liste.de
  18. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu dienogest- und ethinylestradiolhaltigen Kontrazeptiva: Risiko venöser Thromboembolien, 11.12.2018. (05.05.2021) www.bfarm.de
  19. Berg, C: Verhütungspflaster: Weniger Anwendungsfehler. Pharmazeutische Zeitung Ausgabe 39/2015, 22.09.2015. www.pharmazeutische-zeitung.de
  20. Curtis KM, Martins SL. Progestogen-only contraception and bone mineral density: a systematic review. Contraception 2006; 73: 470-87. PubMed
  21. Kaunitz AM, Arias R, McClung M. Bone density recovery after depot medroxyprogesterone acetate injectable contraception use. Contraception 2008; 77: 67-76. PubMed
  22. Haider S, Darney PD. Injectable contraception. Clin Obstet Gynecol 2007; 50: 898-906. PubMed
  23. Kaunitz AM. Depo-Provera's black box: time to reconsider? Contraception 2005; 72: 165-7. PubMed
  24. International Collaboration of Epidemiological Studies of Cervical Cancer, Appleby P, Beral V, Berrington de González A, Colin D, Franceschi S, Goodhill A, Green J, Peto J, Plummer M, Sweetland S. Cervical cancer and hormonal contraceptives: collaborative reanalysis of individual data for 16,573 women with cervical cancer and 35,509 women without cervical cancer from 24 epidemiological studies. Lancet. 2007 Nov 10;370(9599):1609-21. doi: 10.1016/S0140-6736(07)61684-5. PMID: 17993361. www.thelancet.com
  25. Trussel J. Contraceptive failure in the United States. Contraception 2011; 83: 397-404. doi:10.1016/j.contraception.2011.01.021 DOI
  26. Rabe T, Goeckenjan M. Postkoitale Kontrazeption. Gynäkologische Endokrinologie volume 10, 45–56 (2012). link.springer.com
  27. arznei-telegramm. NOTFALLKONTRAZEPTION: NEUE DATEN ZU ULIPRISTAL (ELLAONE)? a-t 2019; 50: 53-4. www.arznei-telegramm.de
  28. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Information der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Ellaone® (Ulipristalacetat). Stand 2009 www.akdae.de
  29. KBV-Praxisnachrichten: Pille jetzt bis zum 22. Lebensjahr Kassenleistung. 04.04.2019 (29.03.2021). www.kbv.de
  30. Vinogradova Y, Coupland C, Hippisley-Cox J. Use of combined oral contraceptives and risk of venous thromboembolism: nested case-control studies using the QResearch and CPRD databases. BMJ 2015; 350: h2135. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  31. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote Hand Brief: Anwendungsbeschränkungen von Cyproteronacetat aufgrund des Risikos für Meningeome, 16.4.2020 (04.05.2021). www.bfarm.de
  32. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG). Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF-Leitlinie Nr. 015-045. S2k, Stand 2020. www.awmf.org
  33. MacClellan LR, Giles W, Cole J, et al. Probable migraine with visual aura and risk of ischemic stroke: the stroke prevention in young women study. Stroke 2007; 38: 2438-45. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  34. Skovlund CW, Mørch LS, Kessing LV, Lidegaard Ø. Association of Hormonal Contraception With Depression. JAMA Psychiatry 2016 Nov 1; 73(11): 1154-1162. pmid:27680324 PubMed
  35. Skovlund CW, Mørch LS, Kessing LV, et al. Association of Hormonal Contraception With Suicide Attempts and Suicides. Am J Psychiatry 2017 Nov 17. pmid:29145752 PubMed