Verhütungsmittel, Methodenwahl

Es gibt verschiedene Verhütungsmethoden, die sich nach Sicherheit, Anwenderfreundlichkeit, Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten, positiven Gesundheitseffekten und Nebenwirkungen unterscheiden.

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Nicht-hormonelle Verhütungsmittel

„Natürliche Verhütungsmethoden“

Zu den natürlichen Methoden gehören Coitus interruptus und die sogenannten „unfruchtbaren Phasen“, die mittels Temperaturmethode, symptothermaler Methode und Zyklus-Monitoring ermittelt werden. Diese Methoden bieten nur eine geringe verhütende Wirksamkeit und schützen zudem nicht vor Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten. Sie eignen sich deshalb nur für gut informierte Paare, die eine Schwangerschaft akzeptieren können.

Es gibt Hilfsmittel zur Bestimmung des Zeitpunkts des Eisprungs. Für alle, die sich als Verhütungsmethode an „unfruchtbare Phasen“ halten, können diese Messungen dennoch keine zuverlässige Sicherheit bieten, da auch Geschlechtsverkehr vor dem Eisprung zur Befruchtung führen kann. Diese Hilfsmittel können vielmehr denjenigen helfen, die versuchen schwanger zu werden.

Die menstruationsfreie Stillzeit ist eine größtenteils unfruchtbare Zeit, setzt aber voraus, dass Sie ausschließlich und regelmäßig stillen, und dass Ihre Menstruation aussetzt. Dies gilt maximal für die ersten sechs Monate nach der Geburt. Wenn eines dieser Kriterien nicht erfüllt wird, sinkt die Sicherheit deutlich. Da zudem der erste Eisprung vor der ersten Menstruation nach Geburt erfolgt, besteht insbesondere nach einigen Monaten Stillzeit kein sicherer Schutz.

Spirale

Das Gebärmutterimplantat, auch Spirale genannt, wird in die Gebärmutter eingesetzt. Es gibt Hormonspiralen und Kupferspiralen. Die Schwangerschaft wird verhindert, indem die Kupferpirale die Beweglichkeit der Spermien verschlechtert und die Befruchtung verhindert. Darüber hinaus wird verhindert, dass sich eine eventuell befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnistet. Die Hormonspirale übt die verhütende Wirkung über die Abgabe von Hormonen (Levonorgestrel) aus.

Beide Arten der Spirale sind sehr wirksame Verhütungsmethoden. Die Kupferspirale ist die sicherste „nicht-hormonelle“ Verhütungsmode. Der Nachteil der Kupferspirale ist, dass sie häufig stärkere Menstruationsblutungen und in einigen Fällen auch starke Schmerzen verursacht. Die Hormonspirale hingegen verringert die Menstruation, die Blutungen können sogar ganz ausbleiben. Nebenwirkungen der Hormonspirale können unregelmäßige Blutungen, Übelkeit, Völlegefühl, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Akne, verringerte Libido und Gewichtszunahme sein.

Die einzige Verhütungsmethode, die einen wirksamen Schutz gegen sexuell übertragbare Infektionen bietet, ist das Kondom. Für einen wirksamen Infektionsschutz müssen Sie bei Verwendung einer Spirale zusätzlich ein Kondom verwenden.

Die Spirale ist aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit ein sehr gutes Verhütungsmittel, auch für junge, besonders fruchtbare Frauen, und wird mittlerweile auch Frauen empfohlen, die kein Kind geboren haben, da es verschiedene Größen der Spirale gibt.

Die Kupferspirale (nicht die Hormonspirale!) ist auch sehr wirksam als akutes Verhütungsmittel, wenn sie innerhalb von fünf Tagen nach ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt wird.

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Gebärmutter mit Spirale

 

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Gebärmutter mit Hormonspirale

 

Kupferkette

Ein neueres Verfahren ist die Kupferkette. Sie wirkt wie die Kupferspirale und verbleibt 5 Jahre in der Gebärmutter; eingesetzt und entfernt wird sie durch die Frauenärztin/den Frauenarzt. Schmerzen beim Einsetzen werden beschrieben, da die Kette an der Gebärmuttermuskulatur fixiert wird. Ebenso werden auch Fälle von fehlerhaftem Einsetzen und von Verlust der Kupferkette innerhalb des ersten Jahres. Langzeitergebnisse liegen noch nicht vor.

Barrieremethoden

Zu den Barrieremethoden zählen das Kondom für Männer und das Pessar für Frauen. Das Kondom ist die einzige Verhütungsmethode, die vor sexuell übertragbarer Ansteckung schützt. Es sollte deshalb von allen angewendet werden, die mit Personen Geschlechtsverkehr haben, bei denen ein Ansteckungsrisiko besteht, auch wenn ein anderes Verhütungsmittel genutzt wird. Latexkondome werden am häufigsten verwendet. Wenn Sie Allergien oder Überempfindlichkeit gegen Latex haben, stehen auch Kondome aus anderen Materialien zur Verfügung.

Das Pessar wird wie ein Schild vor den Gebärmutterhals gesetzt und hindert die Spermien daran, in die Gebärmutter einzudringen. Es muss vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden und noch einige Stunden nach dem Geschlechtsverkehr dort verbleiben. Die Sicherheit der Barrieremethoden basiert in hohem Maße auf einer korrekten Anwendung, kann aber auch dann nicht besonders gut vor einer Schwangerschaft schützen. Das Kondom kann bei Bedarf mit wirksameren Verhütungsmethoden kombiniert werden. Spermienabtötende Mittel erhöhen die Sicherheit bei der Verwendung von Kondom oder Pessar, sind allein aber nicht ausreichend als Verhütungsmittel.

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Einsetzen des Pessars

Sterilisation

Die Sterilisation ist eine der sichersten und effektivsten Verhütungsmethoden. Bei der Sterilisation des Mannes werden unter lokaler Betäubung die Samenleiter durchtrennt. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant.

Bei der Sterilisation der Frau werden die Eileiter durchtrennt. Der Eingriff wird unter Narkose mit der sogenannten Schlüssellochtechnik (Laparoskopie) durchgeführt. Alternativ können Sie die Sterilisation auch im Rahmen eines geplanten Kaiserschnitts vornehmen lassen.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Für alle hormonellen Methoden gilt, dass sie nicht vor sexuell übertragbarer Ansteckung schützen. Sie sollten deshalb gemeinsam mit einem Kondom verwendet werden, wenn man sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen möchte.

Die Kosten für Verhütungsmittel variieren. Die Kosten für ärztlich verordnete Verhütungsmittel werden für Frauen bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernommen. Für welche Verhütungsmittel diese Regelungen gelten und welche Altersgrenzen angewendet werden, variiert. Jugendsprechstunden geben darüber Auskunft.

Hormonspirale

Siehe oben. 

Orale Kontrazeptiva („Pille“)

Kombinierte orale Kontrazeptiva sind Tabletten, die Östrogen und Gestagen (gelbkörperähnliche Hormone) enthalten. Diese Hormone kommen natürlicherweise im Körper der Frau vor und sind für den Eisprung und eine Schwangerschaft entscheidend. Sie verhindern den Eisprung. Auch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und des Zervixschleims werden beeinflusst. Die „Pille“ bietet einen guten Schutz vor Schwangerschaft und gehört zu den häufigsten Verhütungsmethoden bei jungen Frauen.

Orale Kontrazeptiva, wie auch die anderen hormonellen Methoden und die Spirale, werden von der Frauenärztin/vom Frauenarzt verschrieben, die/der Sie auch bei der Wahl des für Sie besten Mittels berät. Bei Risikofaktoren für Blutgerinnsel sollten kombinierte hormonelle Verhütungsmittel (wie die „Pille“) nicht angewendet werden. Das Risiko für Blutgerinnsel bei Frauen, die nicht die Pille nehmen, liegt bei ca. 2 Fällen pro 10.000 Frauen pro Jahr. Es steigt bei Frauen, die die Pille nehmen, auf ca. 5–7 Fälle pro 10.000 Frauen. Orale Kontrazeptiva der 3. und 4. Generation weisen das höchste Risiko auf, mit 6–12 von 10.000 Frauen. Präparate mit Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron haben das geringste Risiko. Bei Frauen, die schwanger sind, beträgt das Risiko ca. 10 pro 10.000. Das Risiko für ein Blutgerinnsel ist während des ersten Jahres oder bei einer Wiederaufnahme nach einer Pause von 4 Wochen oder mehr bei der Verwendung von jeglichen kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln am größten.

Die Pille hat eine positive Wirkung auf Menstruationsschmerzen, Akne und die Blutungsstärke. Sie hat eine schützende Wirkung gegen Eierstock(Ovarial)- und Gebärmutterkörperkrebs und bewahrt die Fruchtbarkeit. Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs hingegen steigt. Frauen über 35 Jahre, die rauchen, wird aufgrund des erhöhten Risikos für Blutgerinnsel empfohlen, orale Kontrazeptiva nicht zu nehmen. Dies gilt auch für Frauen jeden Alters, die ein Blutgerinnsel hatten oder Verwandte ersten Grades mit einem Blutgerinnsel haben.

Vaginalring

Vaginalringe enthalten wie die kombinierte Pille ebenfalls Östrogen und Gestagen und sind als Verhütungsmittel genauso wirksam. Der Vaginalring mit den Hormonen wird direkt in die Scheide (Vagina) eingeführt. Der Ring wird einmal im Monat von der Frau selbst eingesetzt. Der erste Vaginalring wird zwischen Tag eins und fünf des Menstruationszyklus in die Vagina eingesetzt und wird in drei oder vier aufeinanderfolgende Wochen verwendet, also nach drei oder vier Wochen von der Frau selbst wieder entfernt.

Während der Unterbrechung von einer Woche ohne Ring setzt eine menstruationsähnliche Blutung ein. Ein neuer Ring wird immer am gleichen Wochentag und ungefähr zur selben Zeit in die Vagina eingesetzt. Der Ring ist wirksam, unabhängig davon, wie er in der Vagina platziert ist. Es bedarf keines besonderen Geschicks, um den Ring einzusetzen bzw. zu entfernen. Wenn der Ring herausfällt oder kurzzeitig entfernt wird, sollte er gereinigt werden und so schnell wie möglich erneut eingesetzt werden:

  • Bis zu maximal drei Stunden am Tag kann der Ring auch gezielt entfernt werden, z. B. wenn er beim Geschlechtsverkehr als störend empfunden wird. Die drei Stunden dürfen keinenfalls überschritten werden, da sonst keine Wirksamkeit mehr besteht.
  • Wenn der Ring länger als drei Stunden außerhalb der Vagina war, muss an den kommenden sieben Tagen zusätzlich eine Barrieremethode verwendet werden.

Das Risiko für Blutgerinnsel kann sich wie bei oralen Kontrazeptiva („Pille“) erhöhen. Der Vaginalring sollte deshalb nicht von Frauen verwendet werden, die selbst ein Blutgerinnsel (Thrombose) hatten oder in deren nahen Verwandtschaft eines vorgekommen ist bzw. eine erbliche Anlage für Blutgerinnsel vorliegt. Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel werden nicht bei Frauen empfohlen, die rauchen und über 35 Jahre alt sind.

Hormonpflaster

Hormonpflaster funktionieren im Prinzip wie die Pille und auch der Vaginalring, mit dem Unterschied, dass die Hormone auf andere Weise und in höherer Dosis in den Körper gelangen. Im Vergleich zu Pille und Ring enthält das Pflaster eine relativ hohe Dosis Östrogen und Gestagen. Die Hormone werden durch die Haut aufgenommen und hemmen ebenfalls den Eisprung.

Jeder Zyklus dauert vier Wochen. Das Pflaster wird drei Wochen lang an einem festen Tag jede Woche auf der Haut angebracht – an Tag 1, Wechsel an Tag 8 und Tag 15. Die vierte Woche ist pflasterfrei. In dieser Woche tritt eine menstruationsähnliche Blutung ein. Wirkung und Nebenwirkungen sind die gleichen wie bei oralen Kontrazeptiva, auch im Hinblick auf ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel. Die Blutungen können sich verschieben wie bei der Pille und dem Ring.

Minipille und mitteldosierte Gestagen-Pille

Die Minipille oder die mitteldosierte Gestagen-Pille enthalten nur das gelbkörperähnliche Hormon, das Gestagen genannt wird. Sie enthalten im Unterschied zu den kombinierten Pillen kein Östrogen. Sie beeinflussen die Gebärmutterschleimhaut und den Zervixschleim, sodass die Spermien nicht hindurch kommen. Mitteldosierte Gestagen-Pillen hemmen auch den Eisprung.

Die Minipille wird täglich immer zur gleichen Zeit ohne pillenfreien Zeitraum eingenommen. Frauen, die die Minipille oder mitteldosierte Gestagen-Pillen nehmen, haben häufig unregelmäßige oder gar keine Blutungen. Gestagen-Pillen haben keine schweren Nebenwirkungen. Sie erhöhen auch nicht das Risiko für Blutgerinnsel und können eine gute Alternative zur Pille für Frauen sein, die rauchen, übergewichtig oder über 35 Jahre alt sind oder für Frauen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel besteht. Die Minipille kann auch während der Stillzeit eingenommen werden.

Verhütungsspritze

Die Verhütungsspritze enthält nur Gestagen, also den gleichen Hormontyp wie die Minipille. Die Verhütungsspritze hemmt den Eisprung und beeinflusst den Zervixschleim und die Gebärmutterschleimhaut. Sie wird alle drei Monate ärztlich verabreicht.

Häufig führt sie dazu, dass die Menstruation nach einer anfänglichen Zeit mit unregelmäßigen Blutungen verschwindet. Es kann nach Ende der Behandlung bis zu zehn Monate dauern, und in bestimmten Fällen auch länger, bis die Frau wieder fruchtbar ist.

Als Nebenwirkung kann eine reduzierte Knochendichte auftreten. Die Verhütungsspritze ist nicht die erste Wahl für Frauen mit Risiko für Osteoporose oder für jugendliche Frauen, deren Knochen noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Etonogestrel-Implantat (Verhütungsstäbchen)

Dies ist auch ein Verhütungsmittel, das ausschließlich Gestagen enthält. Das Hormon befindet sich in einem vier Zentimeter langen Plastikstab (Implantat), der unter die Haut des nicht dominanten Oberarms geschoben wird. Der Stab sondert jeden Tag eine kleine Menge des Hormons ab. Er kann drei Jahre unter der Haut verbleiben.

Das Implantat wirkt, indem es den Eisprung hemmt und indem es den Zervixschleim im Gebärmutterhals für Spermien weniger durchlässig macht. Es ist ein sehr wirksames Verhütungsmittel. Wie die anderen Gestagen-Präparate führt auch dieses relativ häufig zu unregelmäßigen Blutungen. Das Implantat muss unter lokaler Betäubung von der Ärztin/vom Arzt eingeführt und entfernt werden.

Postkoitalpille – „Pille danach“

Die Pille danach ist eine Methode, die nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr akut angewendet werden kann oder wenn ein Verhütungsmittel nicht funktioniert hat, um eine unerwünschte Schwangerschaft zu verhindern. Akute Verhütungsmittel gibt es in Form von Hormontabletten („Pille danach") oder der Kupferspirale. Die Hormontablette enthält Levonorgestrel oder Ulipristalacetat (UPA). Letztere ist die wirksamere Pille danach.

Die Pille danach mit Levonorgestrel sollte innerhalb von 72 Stunden (drei Tage) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, während die Pille danach mit UPA bis zu 120 Stunden (fünf Tage) nach einem ungeschützten Verkehr wirksam ist. Beide sind in Deutschland mitlerweile rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Aufgrund der hohen Hormondosis treten häufig Nebenwirkungen auf wie Übelkeit und Erbrechen. Die Menstruation tritt nach der Einnahme der Pille dannach in der Regel normal ein, gewisse Unregelmäßigkeiten können aber vorkommen.

Alternativ kann die „Kupferspirale danach" verwendet werden. Die Kupferspirale ist das wirksamste akute Verhütungsmittel. Sie kann bis zu 120 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt werden.

Die Pille danach ist weniger wirksam als die regulären Verhütungsmethoden, die vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden (Pille, Hormonspirale, Kupferspirale).

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kontrazeption, Methodenwahl. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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