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Krebsabstrich vom Gebärmutterhals

Mit Probeentnahmen vom Gebärmutterhals können Ärzt*innen seit den 1950er Jahren die Vorstadien von Gebärmutterhalskrebs diagnostizieren.

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Was sind Krebsabstriche vom Gebärmutterhals?

Mit Probeentnahmen vom Gebärmutterhals (Portio und Zervix) können Ärzt*innen seit den 1950er Jahren die Vorstadien von Gebärmutterhalskrebs diagnostizieren. Bei dem Krebsabstrich („Pap-Test“) werden mit einer weichen Bürste Zellen vom Gebärmutterhals abgeschürft und von speziell ausgebildeten Ärzt*innen geprüft. Bei dieser Prüfung suchen sie gezielt nach Zellveränderungen. Der Abstrich kann auch auf vorliegende Entzündungen oder Infektionen hinweisen. In der Fachsprache wird die Zellprobe vom Gebärmutterhals Zervixzytologie genannt.

In Deutschland wird Frauen ab dem Alter von 20 Jahren empfohlen, jährlich einen Krebsabstrich in ihrer Frauenarztpraxis durchführen zu lassen. Die Untersuchung wird von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Ab 2020 wird im Rahmen eines organisierten Screenings bei Frauen ab 35 Jahren zusätzlich ein Test auf eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) durchgeführt. In dieser Altersgruppe soll die Untersuchung bei unauffälligen Befunden nur noch alle 3 Jahre erfolgen.

Nachdem die Zellproben allgemein eingeführt wurden, hat sich die Anzahl der Krebserkrankungen im Gebärmutterhals stark verringert. Im Jahr 1971 war Gebärmutterhalskrebs weltweit die häufigste Krebsart bei Frauen, im Jahr 2018 nur noch die vierthäufigste. Insbesondere konnten schwer verlaufende Fälle bei solchen Frauen verhindert werden, die regelmäßig den Krebsabstrich durchführen ließen.

Warum entnimmt man einen Krebsabstrich?

Im Gebärmutterhals (Zervix) gibt es zwei Zelltypen – Plattenepithel und Zylinderepithel. Die Plattenepithelzellen befinden sich auf der Außenseite des Gebärmuttermundes (Ektozervix), während sich die Zylinderepithelzellen auf der Innenseite des Gebärmutterhalses (Endozervix) befinden. In der Übergangszone zwischen diesen beiden Zelltypen besteht eine erhöhte Gefahr für die Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV). Hierbei handelt es sich um Viren, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Mit dem humanen Papillomavirus werden die meisten Frauen (ca. 80 %) im Laufe ihres Lebens irgendwann angesteckt, wobei nur wenige davon Krebsvorstufen oder Zellveränderungen des Gebärmutterhalses entwickeln, und noch weniger davon Gebärmutterhalskrebs bekommen. Die meisten Veränderungen bilden sich von allein zurück. Bestimmte Vorstufen können sich jedoch zu Gebärmutterhalskrebs weiterentwickeln. Eine HPV-Infektion kann innerhalb von 10–20 Jahren zu höhergradigen Vorstadien und Gebärmutterhalskrebs führen.

Um Zellveränderungen und Krebsvorstufen am Gebärmutterhals frühzeitig zu entdecken, wird ein regelmäßiger Pap-Abstrich empfohlen. Auch nach der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs-Vorstadien werden weiterhin Zellproben zur Kontrolle entnommen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Krebsabstrich?

Während der Menstruation ist die Entnahme des Krebsabstriches eher ungünstig. Das Blut erschwert die mikroskopische Untersuchung und die Probe muss daher oftmals wiederholt werden. Der beste Zeitpunkt für den Krebsabstrich ist die letzte Woche vor der Menstruation. Wenn Sie unter einer Scheidenentzündung (Kolpitis) oder unter einer Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) leiden, sollte die Entzündung vor Entnahme der Zellprobe behandelt werden, da diese die Auswertung der mikroskopischen Befunde erschweren kann.

Wenn Ihnen aufgrund einer gutartigen Erkrankung die Gebärmutter entfernt wurde, müssen Sie keinen Krebsabstrich durchführen lassen.

Bei Schwangeren erfolgt die Probeentnahme in vielen Fällen bei der ersten Schwangerschaftskontrolle. Im weiteren Schwangerschaftsverlauf wird die Entnahme von Zell- oder Gewebeproben vermieden. Spezialisierte Gynäkolog*innen können jedoch bei Bedarf bzw. aufgrund anormaler Symptome oder Zellproben eine Scheidenspiegelung (Kolposkopie) durchführen. Die Probeentnahme und Untersuchung während der Schwangerschaft zielt darauf hin, Krebs im Frühstadium sowie Zellveränderungen zu entdecken, die eine unmittelbare Behandlung notwendig machen. Nach der Geburt wird die erste Kontrolle nach 6–8 Wochen empfohlen.

Wenn Sie aufgrund von Zellveränderungen zur Kontrolle kommen, können auch während der Schwangerschaft Zellproben entnommen werden.

Wie wird die Probe entnommen?

Die Zellprobe wird in Verbindung mit einer gynäkologischen Untersuchung entnommen. Die Frauen*ärztinnen führen dabei ein Spekulum in die Scheide ein. Dies ist eine Halterung, die den Gebärmuttermund (Portio) und dessen Öffnung zum Gebärmutterhals freilegt und für eine Untersuchung zugänglich macht. Mit einem Wattetupfer oder einem Holzstab (Spatel) werden Zellen vom Gebärmuttermund abgeschürft. Danach wird eine kleine Bürste in den Gebärmutterhals hineingeschoben und um die eigene Achse gedreht. Sowohl die Zellen von Wattetupfer bzw. Spatel als auch von der Bürste werden auf ein Glasplättchen aufgetragen und mit einer speziellen Flüssigkeit fixiert (herkömmliche Methode), um die Zellen für die Mikroskopie im Zytologie-Labor zu konservieren. Alternativ kann die Zellprobe mit einer Spezialbürste entnommen werden, bei der gleichzeitig Zellen vom äußeren Muttermund und vom inneren Gebärmutterhals gewonnen werden können (Dünnschichtzytologie). In diesem Fall werden die Zellen in einer entsprechenden Flüssigkeit aufgeschwemmt.

Die Probeentnahme ist nicht direkt schmerzhaft, kann aber kurz danach zu leichter Blutung führen. Es wird daher empfohlen, die ersten Stunden nach der Untersuchung eine Slipeinlage zu benutzen.

In den meisten Fällen dauert es einige Tage bis Wochen, bis eine Auswertung der Zellprobe vorliegt. Normalerweise melden sich Ärzt*innen nur im Falle von Auffälligkeiten der Zellprobe bei Ihnen.

Wie zuverlässig ist die Probe?

Eine Zellprobe ist von eingeschränkter Genauigkeit und soll daher in regelmäßigen Abständen, in der Regel einmal jährlich, wiederholt werden. Die Probe ist leicht zu entnehmen und leicht auszuwerten. Sie dient dazu, anormale Befunde zu erfassen, kann aber auch einen sog. falsch-positiven Befund aufweisen. Das bedeutet, die Laborergebnisse zeigen scheinbar anormale Veränderungen, die sich bei einer Neuuntersuchung als normale Befunde herausstellen. Wenn die Probe niedriggradige Zellveränderungen anzeigt, werden daher zunächst weitere Analysen gemacht, um festzustellen, ob es einer weiteren Untersuchung bedarf.

Auch in den Fällen, wo Zellveränderungen festgestellt werden, werden diese oft so früh erkannt, dass keine besondere Eile besteht. In seltenen Fällen enthält die Zellprobe Hinweise auf das Vorliegen einer Krebserkrankung. Auch hier sind Heilungschancen gegeben bzw. viel besser, als wenn die Krebserkrankung erst nach dem Auftreten von Beschwerden diagnostiziert worden wäre. Bei Bedarf werden weitere Untersuchungen veranlasst, um entscheiden zu können, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Was passiert bei einem anormalen Befund?

Oft stellt sich durch weitere Analysen heraus, dass kein Verdacht auf bösartige Zellveränderungen besteht. In bestimmten Situationen wird Ihnen empfohlen, eine kurzfristige Kontrolluntersuchung durchführen zu lassen.

Wenn die weiteren Untersuchungen den Verdacht auf Zellveränderungen nicht bestätigen, erfolgt eine neue Probeentnahme im Routineintervall. Wenn die Zellprobe nach evtl. weiterer Untersuchung auf Zellveränderungen hinweist, wird eine ausführlichere Untersuchung empfohlen. Ihre Gynäkologin/Ihr Gynäkologe wird den Gebärmuttermund entweder selbst mittels einer Scheidenspiegelung (Kolposkopie) untersuchen oder Sie zu einer Spezialsprechstunde überweisen. So kann die Art der Veränderungen in Vergrößerung begutachtet und eine oder mehrere Gewebeproben (Biopsien) aus dem betroffenen Bereich entnommen werden. Die Auswertung dieser Untersuchung entscheidet dann über die weitere Behandlung (siehe Zellveränderungen am Gebärmutterhals).

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.