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Nichteintreten der Menstruation (primäre Amenorrhö)

Von primärer Amenorrhö wird gesprochen, wenn bei Mädchen bis zum Ende des 14.–16. Lebensjahres noch keine Menstruation aufgetreten ist. Evtl. ist auch die Brustentwicklung ausgeblieben, die Schambehaarung fehlt und das Wachstum ist verzögert.

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Was ist Nichteintreten der Menstruation?

  • Von Nichteintreten der Regelblutung (primärer Amenorrhö) wird gesprochen, wenn bei Mädchen bis zum Ende des 14. Lebensjahres noch keine Menstruation aufgetreten ist, die Brustentwicklung ausgeblieben ist, die Schambehaarung fehlt und das Wachstum verzögert ist.
  • Von primärer Amenorrhö wird auch gesprochen, wenn bei ansonsten normal entwickelten Pubertätszeichen (Brust, Behaarung, Wachstum) bis zum Ende des 16. Lebensjahres keine Regelblutung aufgetreten ist.

Häufigkeit

  • Eine ausbleibende Menstruation betrifft 3–5 % der Frauen im fruchtbaren Alter. 
  • Für die Häufigkeit der primären Amenorrhö liegen keine gesicherten Zahlen vor.

Wie läuft die Steuerung der Menstruation im Normalfall ab?

  • Die Menstruation wird durch ein feines Zusammenspiel von Hormonen gesteuert, die im Gehirn (im Hypothalamus), in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und in den Eierstöcken produziert werden.
  • Beim Eintritt in die Pubertät steigt die Hormonproduktion in Hypothalamus und Hypophyse normalerweise an. In der Folge entwickeln sich die Eierstöcke, wodurch Eisprung und Hormonproduktion angeregt werden.
  • Die Geschlechtshormone, die in den Eierstöcken gebildet werden, wirken auf die Gebärmutter und lösen Blutungen aus.
  • Tritt die Menstruation in der Pubertät nicht ein, kommen als Ursache Defekte oder Erkrankungen des Gehirns, der Hypophyse oder der Eierstöcke infrage. Es können Defekte der Erbanlagen oder Fehlbildungen der Genitalien vorliegen. Alle diese Erkrankungen sind relativ selten.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

  • Die verzögerte Pubertät 
    • ist die häufigste Ursache. Hierbei handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern nur um eine Entwicklungsverzögerung.
    • Die meisten Mädchen kommen im Alter von 10–12 Jahren in die Pubertät.
    • Die Unterschiede sind jedoch groß, der Beginn der Pubertät wird von den Eltern vererbt.
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom 
  • Magersucht (Anorexia nervosa)
    • Bei Anorexie (Magersucht) kommt es zur Störung des Selbstbildes und Minderwertigkeitsgefühlen. Magersüchtige erleben sich selbst als zu dick, auch wenn sie untergewichtig sind.
    • Die Betroffenen versuchen möglichst viel abzunehmen, nicht selten durch Essensverweigerung und intensives Training, um das Körpergewicht weiter zu verringern.
    • Die Regelblutung bleibt meist bei einem Gewicht unter 50 kg aus.
  • Übertriebene sportliche Aktivität
    • Bei jungen Mädchen und Frauen, die intensiv trainieren, kann die Menstruationsblutung ausbleiben.
    • Bei über 15 Stunden beanspruchendem Training pro Woche kann es zum Ausbleiben der Menstruationsblutung kommen.
  • Psychischer Stress
    • Jegliche Form von physischem oder psychischem Stress kann zu einem verspäteten Eintreten der Menstruation führen. Häufig besteht eine erbliche Veranlagung.
  • Schwangerschaft
    • Soll bei Mädchen und jungen Frauen immer als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Seltene Ursachen

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Typische Symptome sind Herzklopfen, Müdigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Gewichtsabnahme trotz gutem Appetit, vermehrtes Schwitzen, Wärmeintoleranz. 
    • Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion bei jüngeren Menschen ist der Morbus Basedow.
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
    • Kommt in Deutschland bei ca. 1 % der Bevölkerung vor. Frauen sind bis zu 5-mal häufiger betroffen als Männer.
    • Typische Symptome sind Antriebslosigkeit, Kälteintoleranz, Muskelschmerzen, erhöhter Schlafbedarf, leichte Gewichtszunahme, Verstopfung, Schwindel, Empfindungsstörungen, trockene Haut, Haarausfall und belegte Stimme.
  • Hypophysentumor
    • Kann zu hormonellen Veränderungen und damit zum Ausbleiben der Regelblutung führen.
    • Bei vielen Frauen ist das Ausbleiben der Menstruation das einzige Symptom, aber es treten auch Milchabsonderungen aus der Brust, verringerte Libido, Scheidentrockenheit und Verminderung der Knochendichte (Osteoporose) auf.
  • Turner-Syndrom (Chromosomenanomalie)
    • Typische Merkmale sind Kleinwuchs, ausbleibende Pubertät, kurzer, breiter Hals, hoher Gaumen, weit auseinanderliegende Brustwarzen, abweichende Stellung der Ellbogen, verkürzte Hände und Füße.
    • Die Diagnose kann bereits im Mutterleib oder bei der Geburt gestellt werden. Häufig kommt es hierzu jedoch erst bei der Untersuchung des Kleinwuchses, dem Ausbleiben der Pubertät oder der Regelblutung oder nach wiederholten Fehlgeburten der Mutter.
  • Stark ausgebildetes Hymen (Jungfernhäutchen) oder andere Verschlüsse, die die Blutung verhindern (Hymenalatresie oder Vaginalseptum)
  • Andere seltene angeborene Fehlbildungen oder Hormonstörungen

Was Sie selbst tun können

  • Sie sollten übertriebenes Abnehmen oder Leistungssport einschränken.
  • Ansonsten gibt es wenig, was Sie selbst tun können. Die Erkrankung bedarf ärztlicher Behandlung.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

  • Wenn im 15. Lebensjahr noch keine Menstruation aufgetreten ist, Brustentwicklung und Schambehaarung fehlen und das Wachstum gestört ist.
  • Wenn nach Vollendung des 16. Lebensjahrs noch keine Menstruation aufgetreten ist, Brust und Schambehaarung jedoch entwickelt sind und das Wachstum normal ist.

Wie gehen Ärzt*innen vor?

Anamnese

Die Ärztin/der Arzt wird folgende Fragen stellen:

  • Ist schon einmal eine Regelblutung aufgetreten?
  • Alter der Mutter bei der ersten Menstruationsblutung? Ggf. Menstruationsblutung bei Schwester/n?
  • Hatten Sie Geschlechtsverkehr?
  • Treiben Sie Leistungssport oder übermäßiges sportliches Training?
  • Ernähren Sie sich gesund und ausreichend?
  • Liegen psychische Probleme vor?
  • Wann hat die Brustentwicklung begonnen?
  • Ist Schambehaarung an den Genitalien und in den Achselhöhlen gewachsen?
  • Sind Schmerzen im Bauchraum aufgetreten?
  • Wenn ja, sind die Schmerzen einmal im Monat aufgetreten?
  • Gibt es schwere Erkrankungen in der Familie?
  • Hat eine Chemotherapie oder Bestrahlung stattgefunden?
  • Ist der Geruchssinn intakt?

Ärztliche Untersuchung

  • Körpergröße und Gewicht werden gemessen und mit den normalen Wachstumskurven verglichen.
  • Ist die Brust entwickelt und sind Schambehaarung sowie Haare in den Achselhöhlen vorhanden?
  • Gibt es Zeichen auffälligen Kleinwuchses, breiter Hals, weit auseinanderliegende Brustwarzen?
  • Eine gynäkologische Untersuchung kann erforderlich sein, um zum Beispiel den Verschluss der Scheide durch eine Hymenalatresie (Verschluss der Scheide durch Jungfernhäutchen) oder andere gynäkologische Fehlbildungen festzustellen.

Andere Untersuchungen

  • Ggf. werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Konzentrationen verschiedener Hormone zu bestimmen.
  • Ggf. wird ein Schwangerschaftstest vorgenommen.
  • Ggf. erfolgt eine Ultraschalluntersuchung der inneren Geschlechtsorgane.
  • Zudem können einige ergänzende Untersuchungen wie Röntgen des Skeletts, MRT der Hypophyse und eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) vorgenommen werden.
  • In bestimmten Fällen kann eine genetische Diagnostik (Bestimmung des Karyotyps) sinnvoll sein.

Überweisung an Spezialist*innen

  • Ist bis zur Vollendung des 16. Lebensjahrs keine Menstruationsblutung aufgetreten, ist eine gynäkologische Abklärung dringend zu empfehlen.
  • Eine gynäkologische Abklärung sollte auch bei vollständig verschlossenem Hymen (Jungfernhäutchen) oder bei Verschluss der Scheide erfolgen.

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W