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Sexuelle Erregungsstörung bei Frauen

Sexuelle Probleme bei Frauen können sich als fehlendes Verlangen, verminderte sexuelle Erregung, Schmerzen und Beschwerden bei sexueller Aktivität und seltene oder ausbleibende Orgasmen äußern.

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Was versteht man unter verminderter sexueller Erregung?

Sexuelle Probleme bei Frauen können sich als fehlendes Verlangen, verminderte sexuelle Erregung, Schmerzen und Beschwerden bei sexueller Aktivität und seltene oder ausbleibende Orgasmen äußern. Oft tritt eine Kombination dieser Probleme auf, die zusammen unbefriedigenden Sex ausmachen.

Die verminderte sexuelle Erregung kann in Untertypen unterteilt werden:

  • Subjektive sexuelle Erregungsstörung:
    • Durch die Frau empfundene fehlende oder reduzierte sexuelle Erregung bei allen Arten der Stimulation, obwohl Hinweise auf eine Stimulation der Geschlechtsorgane (erhöhte Feuchtigkeit in der Vagina, Schwellung der Schamlippen und der Klitoris) vorliegen.
  • Fehlende Reaktion der Geschlechtsorgane auf sexuelle Stimulation:
    • Die Frau erlebt während der sexuellen Stimulation keine Veränderungen der Geschlechtsorgane. Die Schamlippen schwellen nicht an, die Feuchtigkeit der Scheide nimmt nicht zu.
    • Jedoch wird subjektiv sexuelle Erregung empfunden.
  • Kombinierte Störung aus Reaktion der Geschlechtsorgane und subjektiver Erregung:
    • Subjektiv fehlende oder verminderte sexuelle Erregung bei allen Arten sexueller Stimulationen sowie eine fehlende oder mangelnde sexuelle Reaktion der Geschlechtsorgane.

Mangelndes sexuelles Verlangen ist das häufigste sexuelle Problem bei Frauen. Mangelnde Erregung wird bei 10–50 % der Fälle sexueller Störung als Ursache angegeben. Laut einer schwedischen Studie gaben 12 % der Frauen im Alter von 18 bis 74 Jahren mangelnde sexuelle Erregung an, und zwei Drittel empfanden das als ein Problem.

Was sind normale sexuelle Reaktionen?

Schwellungen von Klitoris, Schamlippen und Vagina treten bei Frauen innerhalb von Sekunden nach der erotischen Stimulation auf. Die Entspannung der Muskeln der Scheidenwand ermöglicht es der Scheide, sich auszudehnen und die erhöhte Blutzufuhr führt zu erhöhter Absonderung einer Flüssigkeit, die die Scheide feucht werden lässt. Die subjektiv empfundene Erregung hängt jedoch nicht unbedingt mit der Reaktion der Geschlechtsorgane zusammen.

Mehrere Hormone spielen Schlüsselrollen bei den sexuellen Reaktionen. Dies betrifft in erster Linie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen, jedoch tatsächlich auch das männliche Sexualhormon Testosteron, das bei Frauen in kleine Mengen produziert wird. Es wurde jedoch festgestellt, dass Frauen nach der Menopause, bei denen die Östrogenmengen im Körper gering sind, auf die gleiche Weise mit Feuchtwerden der Scheide und Schwellung von Klitoris und Schamlippen reagieren wie zu den Zeiten hoher Östrogenspiegel während der fruchtbaren Jahre. Frauen nach den Wechseljahren benötigen jedoch oftmals etwas mehr Stimulation, bevor diese Reaktionen auftreten. Bei fast 40 % der Frauen nach den Wechseljahren sind die Schleimhäute der Scheide dünner und brüchiger (vaginale Atrophie), was die sexuelle Funktion beeinträchtigen kann.

Ursache

In einer US-Umfrage gaben 40 % der Frauen an, dass sie nie oder nur selten das Bedürfnis nach Sex verspürten, aber nur 13 % der Frauen waren mit ihrer Sexualität unzufrieden. Sexuelle Gedanken und Träume kommen bei vielen Frauen selten vor, ohne dass sie deswegen offensichtlich sexuell unzufrieden sind. Somit ist die Korrelation zwischen der Häufigkeit der sexuellen Fantasien oder Gedanken und dem Grad erzielter sexueller Befriedigung bei Frauen schwach ausgeprägt. Sexuelle Erregung scheint auf dem Zusammenspiel vieler Neurotransmitter, Geschlechtshormone und Umweltfaktoren zu beruhen.

Mehrere Faktoren sind mit verminderter sexueller Erregung verbunden. Es kann sich um Ablenkungen, Erwartungen einer negativen Erfahrung, sexuelle Ängste, Müdigkeit und Depressionen handeln. Auch Frauen, die Medikamente wie Antidepressiva (SSRI) oder die Antibabypille einnehmen, berichten über geringeres sexuelles Verlangen und Erregung. Eine Vielzahl von anderen Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, wie stabile psychische Gesundheit, gute emotionale Ausgeglichenheit, ein gutes Selbstbild, gute frühere sexuelle Erfahrungen, positive Gefühle gegenüber dem Partner und positive Erwartungen von der Beziehung.

Auch Probleme des Partners spielen eine Rolle, wie sexuelle Dysfunktion des Partners, Steigerung des wahrgenommenen Stresses, Probleme mit der Empfängnis und langfristige Beziehungen. Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Nierenversagen und vorzeitige Menopause zum Beispiel durch Chemotherapie werden ebenfalls mit einem höheren Auftreten sexueller Probleme verbunden.

Diagnostik

Eine ausführliche Krankengeschichte (Anamnese) ist der Schlüssel für eine gute Beurteilung und Diagnose von sexuellen Problemen. Bei der ärztlichen Konsultation kann es von Vorteil sein, wenn beide Partner sich an den Gesprächen beteiligen. Schlüsselelemente, die der Arzt versucht zu klären, sind:

  • Wie gut ist die Beziehung des Paares?
  • Wie ist es um die psychische und emotionale Gesundheit der Frau bestellt?
  • Wie gut waren frühere sexuelle Erfahrungen?
  • Gibt es spezielle Probleme im Zusammenhang mit der sexuellen Aktivität? Zum Beispiel unzureichendes sexuelles Vorspiel?
  • Welche Gedanken und Gefühle hat die Frau während der sexuellen Aktivität?

Der Arzt führt in der Regel eine gewöhnliche ärztliche Untersuchung, einschließlich einer gynäkologischen Untersuchung durch. Allerdings ist es selten, dass bei der ärztlichen Untersuchung körperliche Probleme entdeckt werden, die die sexuelle Erregungsstörung erklären können.

Therapie

Die Behandlung sexueller Probleme bei Frauen hängt von der Vorgeschichte (Anamnese) und der Art des Problems ab. Es gibt nur wenige wissenschaftliche Studien über die Behandlungsmaßnahmen bei mangelnder sexueller Erregung. Es ist jedoch wichtig, dass die Frau ihren Körper inklusive der äußeren Geschlechtsorgane kennt, weiß, wie ein sexuelles Vorspiel einschließlich Stimulation der Klitoris sowohl zu verstärktem Verlangen wie auch zu Veränderungen der Geschlechtsorgane beiträgt und dadurch sexuelle Aktivitäten vorbereitet.

Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eine überzeugende Wirkung von Medikamenten bei verminderter sexueller Erregung der Frau zeigen. Dies gilt für Östrogen, Sildenafil (Viagra) und Testosteron. Jedoch gibt es in seltenen Fällen andere Grunderkrankungen, bei denen solche Medikamente von gewissem Nutzen sein können.

Psychologische Behandlung

Kognitive Verhaltenstherapie konzentriert sich auf die Identifizierung von Faktoren, die zu sexuellen Problemen beitragen, um sie zu verändern. Hierbei handelt es sich um unangemessene Gedanken, unangemessene Erwartungen, Verhaltensweisen, die das Interesse und das Vertrauen in den Partner beeinträchtigen, unzureichende erotische Reize und unzureichende nicht-genitale Stimulation. Beide Partner sollten an den Therapiesitzungen teilnehmen. Ziel ist es, die emotionale Nähe und Kommunikation des Paares zu verbessern und schließlich die erotische Stimulation zu verstärken.

Sexualtherapie für Paare konzentriert sich auf die gleichen Faktoren wie die kognitive Therapie, behandelt aber außerdem Methoden, die zunächst aus nicht-sexuellem Kontakt bestehen, der nach und nach in sexuellen Kontakt übergeht. Die Partner werden aufgefordert, abwechselnd einander zu berühren und zu berichten, was als schön und prickelnd empfunden wird. Der Fokus auf Methoden soll helfen, die Aufmerksamkeit weg vom Leistungsdenken zu lenken.

Laut einer Studie scheint die Behandlung bei drei Viertel der Frauen wirksam zu sein, die positive Wirkung bleibt bei 64 % auch nach einem Jahr bestehen. In vielen Fällen ist die sexuelle Erregungsstörung vorübergehend, unbehandelt kann sie jedoch anhaltend werden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W