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Entzündung oder Ekzem im Gehörgang

Eine Entzündung im äußeren Gehörgang verursacht oft starken Juckreiz und Beschwerden im Gehörgang. Eine Gehörgangsentzündung ist eine relativ häufige Erkrankung.

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Was ist eine Entzündung oder ein Ekzem im Gehörgang?

Der äußere Gehörgang besteht au einem knorpeligen und knöchernen Anteil und reicht von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell. Seine Gesamtlänge beträgt etwa 2 bis 3,5 cm. Es gibt verschiedene Formen der äußeren Gehörgangentzündung. Die akute Gehörgangsentzündung ist eine häufige Erkrankung, die vor allem bei Jugendlichen und bei Schwimmer*innen auftritt.

Definition

  • Synonyme: Badeotits, Otitis externa
  • Entzündung der Haut des äußeren Gehörganges, wobei Trommelfell und Ohrmuschel mitbetroffen sein können.
  • Einteilung
    • akut: weniger als 6 Wochen
    • chronisch: länger als 3 Monate oder mehr als 4 Entzündungen pro Jahr
    • Nekrotisierend: Gehörgangentzündung mit destruierendem/zerstörendem Charakter. Die Erkrankung geht mit einer Entzündung von einem Teil des Schädelknochens (Felsenbein) einher. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen mit Diabetes mellitus oder Immunsuppression auf.
    • Grippe-Otitis: verursacht durch Viren oder Bakterien mit Blutbläschen auf Gehörgang und Trommelfell

Symptome

Die Erkrankung führt zu Ohrenschmerzen und Ausfluss aus dem Ohr. Der Gehörgang kann anschwellen und ein Druckgefühl und Schwerhörigkeit hervorrufen, da Schallwellen von außen das Trommelfell schlechter erreichen. Bei einer schweren Entzündung können sich Fieber und Abgeschlagenheit entwickeln.

Beschwerden einer akuten Gehörgangsentzündung

  • Starke Ohrenschmerzen
    • Die Schmerzen können von wechselnder Intensität sein.
  • Ausfluss aus dem Ohr, evtl. unangenehm riechend
  • Juckreiz
  • Rötung und Schwellung des Gehörgangs
  • Schwerhörigkeit

Bei chronischer Gehörgangsentzündung

  • Selten Schmerzen
  • Juckreiz
  • Schwerhörigkeit
  • Häufig liegt eine Grunderkrankung der Haut vor, wie Schuppenflechte oder atopisches Ekzem (Neurodermitis).
  • Bei mehr als Hälfte der Patient*innen sind beide Ohren betroffen.

Ursachen

Akute Entzündung

  • In über 90 % der Fälle durch Bakterien verursacht
  • Die Erkrankung findet sich gehäuft:
    • bei Schwimmer*innen
    • in feuchter Umgebung
    • bei Menschen mit wenig Ohrenschmalz, aber engen Gehörgängen
    • bei Patient*innen, die Hörgeräte verwenden.
    • nach mechanischen Traumata.
  • Manchmal tritt eine akute Gehörgangsentzündung auch im Rahmen einer Grippe auf (Grippe-Otitis).

Chronische Entzündung

  • Kann sich aus unzureichend behandelter akuter Gehörgangentzündung entwickeln, ist aber in der Regel nicht bakteriell bedingt.
  • Häufige Ursache ist eine allergische Hautreaktion gegenüber metallenen Ohrringen, Chemikalien in Kosmetika und Shampoos oder Kunststoffen eines Hörgeräts.
  • Seltenere Ursachen sind Pilze.
  • Eine Entzündung kann infolge einer (zu groben) Reinigung des Ohrs mit einem Wattestäbchen o. Ä. entstehen.

Ohrenschmalz

  • Enthält viele Substanzen, die den Gehörgang vor Infektionen schützen.
  • Es sollte nicht zu viel Ohrenschmalz entfernt werden, da dies das Risiko einer Entzündung erhöht.
  • Andererseits kann verdickter Ohrenschmalz Ablagerungen bilden, die eine Infektion begünstigen können.

Häufigkeit

  • Häufigste Ursache für akute Ohrenschmerzen bei Jugendlichen
  • Jährliche erkranken 4 von 1.000 Einw. in Deutschland
  • Etwa 90 % der Fälle sind einseitig und akut.
  • Die chronische Form betrifft 3–5 % der Bevölkerung.

Untersuchungen

  • Für die Diagnose wird das Ohr mit einem Ohrtrichter (Otoskop) untersucht; oft lassen sich auch schon mit bloßen Augen von außen Auffälligkeiten erkennen.
  • Die Haut im Gehörgang ist rot und geschwollen, sodass das Trommelfell häufig gar nicht sichtbar ist.
  • Das Trommelfell selbst kann gerötet/entzündet sein.
  • Eine ärztliche Ohrspülung oder eine vorsichtige Reinigung mit einem dünnen Stäbchen kann erforderlich sein, um eine bessere Übersicht zu erhalten.
  • Wenn das Trommelfell nicht sichtbar ist, werden orientierende Hörtestungen durchgeführt.
  • Schmerzen bei Druck auf den Tragus (ein bestimmter Knorpelanteil der Ohrmuschel) und Schmerzen bei Zug am Ohrläppchen
  • Die lokalen Lymphknoten können geschwollen und schmerzempfindlich sein.
  • Ggf. wird zur Feststellung, welche Bakterien die Entzündung verursacht haben, eine Probe aus dem Sekret aus dem Gehörgang entnommen.

Behandlung

  • Der Gehörgang wird sorgfältig und vorsichtig gespült und gesäubert.
  • Je nach Grad der Entzündung und Beschwerden erfolgt die Therapie in der Regel mit Ohrentropfen oder Salben, die Antibiotika und/oder entzündungshemmende Wirkstoffe (Kortison) enthalten. Zur Schmerzlinderung gibt es auch analgetische Ohrentropfen.
  • Ggf. kann auch eine kleine mit Medikamenten getränkte Tamponade oder zusammengerollte Kompresse in das Ohr eingesetzt werden.
  • Bei ausgeprägten Schmerzen werden Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen. Allerdings können die Schmerzmittel ein Fortschreiten der Erkrankung maskieren, sodass nach 2 Tagen eine ärztliche Kontrolluntersuchung empfohlen wird.
  • Hat sich die Infektion auf die umgebende Haut ausgebreitet und/oder besteht Fieber, so kann eine Antibiotikatherapie mit Tabletten oder evtl. auch über Infusionen erforderlich werden.

Was können Sie selbst tun?

  • Nicht stochern, kratzen oder versuchen, den Gehörgang selbst zu reinigen.
  • Feuchtigkeit in dem betroffenen Ohr vermeiden.
  • Verzicht auf Schwimmen, bis die Erkrankung abgeheilt ist.
  • Ohrenstöpsel so lange vermeiden, wie die Krankheit andauert.
  • Ggf. Lärmschutzkopfhörer verwenden.
  • Korrekte Applikation der Ohrentropfen
    • Patient*innen sollten sich auf Gegenseite legen, Tropfen in Gehörgang applizieren und danach 3–5 min auf der Seite liegen bleiben.
    • Sanftes Hin- und Herbewegen des Ohres hilft, die Tropfen an den Bestimmungsort zu bringen.
  • Wird die Entzündung nicht behandelt, kann sie chronisch werden. Befolgen Sie die Anweisungen zur Therapie daher sorgfältig.

Vorbeugung

  • Sie sollten zum Kratzen, Säubern oder Reinigen des Gehörgangs keine Wattestäbchen o. Ä. verwenden.
  • Nach dem Schwimmen oder Baden können Sie den Gehörgang mit einem Fön auf niedrigster Stufe trocknen.
  • Ggf. Anwendung von essigsäurehaltigen Ohrentropfen nach dem Schwimmen
  • Bei gestörter Selbstreinigung des Gehörgangs vor Badeurlauben professionelle Gehörgangreinigung

Prognose

  • In den meisten Fällen tritt durch die Therapie schnell Besserung ein, doch verbleibt bei vielen Patient*innen für einige Zeit der Juckreiz.
  • Die Symptome halten nach Therapiebeginn im Durchschnitt noch 6 Tage an.
  • Nicht selten tritt die Erkrankung erneut auf. In diesen Fällen sollten vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.
  • Die Infektion kann das Trommelfell erfassen und eine gleichzeitige Trommelfellentzündung verursachen.
  • In seltenen Fällen kann die chronische Gehörgangentzündung zu einer bleibenden Einengung des Gehörgangs führen, die operativ erweitert werden muss.

Weitere Informationen

Illustrationen

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin

Quellen

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Otitis externa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

Literatur

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