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Nekrotisierende Otitis externa bzw. maligne Otitis externa

Es handelt sich um eine seltene, aggressive Infektion des äußeren Gehörgangs. Früher war die Erkrankung lebensgefährlich, durch moderne Therapieverfahren hat sich die Prognose aber deutlich verbessert.

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Was ist die nekrotisierende/maligne Otitis externa?

Früher wurde diese Erkrankung als bösartige (maligne) Entzündung des äußeren Gehörgangs bezeichnet, weil die Sterblichkeitsrate sehr hoch war. Heutzutage ist die Sterblichkeit dank sehr viel besserer Therapieverfahren sehr viel niedriger, dennoch handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit.

Die nekrotisierenden Otitis externa ist eine seltene Komplikation eines Gehörgangsekzems bzw. einer Entzündung des äußeren Gehörgangs (des Abschnitts von außen bis zum Trommelfell). Nekrotisierend bedeutet, dass bei der Erkrankung Gewebe zerstört wird, Otitis externa bedeutet, dass es sich um eine Entzündung des äußeren Gehörgangs handelt. Die Erkrankung beginnt als harmlose Reizung des Gehörgangs, entwickelt sich zu einer nicht abheilenden Infektion, die sich schließlich in die Haut und das Knorpelgewebe und schließlich ins Schläfenbein (ein Abschnitt des Schädelknochens) ausbreiten und auch dort zur Infektion führen kann (Osteitis, Osteomyelitis).

Wenn die Infektion nicht behandelt wird, kann sie sich auf andere Anteile des Schädelknochens ausbreiten und Hirnnerven schädigen. Dies kann z. B. die Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisparese) zur Folge haben. Bei fehlender oder erfolgloser Therapie kann die Infektion zu Schäden im Gehirn und zum Tod führen.

Wie kommt es zu einer nekrotisierenden Otitis externa?

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Komplikation einer Gehörgangsentzündung. Zusätzlich zu den zunächst zugrunde liegenden Erregern kommt es zu einer Infektion mit gefährlicheren Bakterien; sehr häufig Pseudomonas aeruginosa. Diese Krankheit betrifft fast ausschließlich (mehr als 90 % der Fälle) ältere Personen mit Diabetes mellitus oder anderen Grunderkrankungen, die das Immunsystem schwächen (z. B. Krebserkrankungen oder HIV/AIDS oder im Zusammenhang mit einer Chemotherapie).

Davon abzugrenzen ist eine zunächst meist harmlose Otitis externa, also eine Infektion des äußeren Gehörgangs mit weniger gefährlichen Bakterien, die bei geeigneter Therapie und gutem Allgemeinzustand der Patienten rasch wieder abheilt. Die Otitis externa kommt häufiger bei Kindern vor.

Symptome und Anzeichen

Die Erkrankung beginnt als Gehörgangsekzem oder Entzündung des Gehörgangs. Ist die übliche Therapie nicht wirksam, kommt es zu zunehmenden Beschwerden und Schmerzen im Bereich des Ohrs, Gesichts oder auch zu Kopfschmerzen, wobei die Schmerzen üblicherweise auch nachts auftreten. Oft rinnt Flüssigkeit aus dem Ohr. Wenn die Erkrankung unbehandelt bleibt, kommen oft andere Symptome wie geschwollene Lymphknoten am Hals, eine Kiefersperre – also Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen –oder eine Reizung der Kaumuskulatur hinzu. Wenn sich die Infektion ins Schläfenbein ausbreitet, können durch die Schädigung des Knochengewebes auch die Hirnnerven geschädigt werden. Typisch ist bei einer fortgeschrittenen Schädigung eine Funktionsstörung des Gesichtsnervs (Fazialisparese) mit z. B. Lähmung der Gesichtsmuskeln.

Diagnostik

Eine Gehörgangsentzündung, die sich nicht bessert, bei Patienten mit einer Erkrankung, die zu einer Schwächung des Immunsystems führt, begründet einen Verdacht auf diese Erkrankung. Anhand einer Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht ist oder ob andere Zeichen eines Infekts zu finden sind. Bakterienproben aus dem Gehörgang zeigen häufig, dass eine Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa vorliegt. Normalerweise werden die Patienten in eine HNO-Praxis überwiesen. Durch eine Computertomografie, eine Szintigrafie oder ein anderes bildgebendes Verfahren kann die Beteiligung des Knochengewebes und die Infektion bestätigt oder ausgeschlossen werden. Möglicherweise wird die Ärztin/der Arzt anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) untersuchen, ob es sich um eine Infektion oder eine andere Erkrankung handelt.

Therapie

Die Therapie einer nekrotisierenden Otitis externa umfasst die Behandlung der Immunschwäche (wenn möglich): Besteht ein Diabetes ist es also wichtig, die Blutzuckerwerte ganz genau einzustellen, eine HIV-Infektion sollte optimal behandelt werden etc. Der Gehörgang selbst wird lokal sorgfältig gereinigt. Zudem wird die Ärztin/der Arzt eine mehrwöchige hoch dosierte Antibiotikatherapie gegen Pseudomonas aeruginosa bzw. andere verursachende Erreger verordnen. Hier kommen aufgrund der Gefährlichkeit der Erreger auch Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone zum Einsatz, obwohl Ärzte diese sehr effektiven Medikamente seit einiger Zeit bei vielen anderen Infektionen nicht mehr einsetzen (hohe Nebenwirkungsrate).

In Ausnahmefällen müssen auch operative Maßnahmen erfolgen.

Die lokale Behandlung beinhaltet eine gründliche Reinigung oder Spülung des Gehörgangs. In den Gehörgang wird auch eine Antibiotikasalbe eingebracht. Zusätzlich müssen wie oben beschrieben Antibiotika in Tablettenform oder als Infusion eingenommen werden. Die Behandlung läuft über mindestens 4 Wochen, ihre Dauer richtet sich in jedem Einzelfall aber danach, wie schnell die Medikamente ihre Wirkung entfalten und wie umfangreich die Entzündung ist.

Prognose

Heutzutage ist die Erkrankung in den allermeisten Fällen gut heilbar. Bei manchen Patienten mit erheblich geschwächtem Immunsystem aufgrund der zugrunde liegenden Krankheit kann die nekrotisierende Otitis externa aber immer noch lebensbedrohlich sein. Ist es bereits zu Funktionsstörungen der Hirnnerven gekommen, ist die Prognose eher ungünstig.

Prävention

Patienten, die leicht Ekzeme und Entzündungen im Gehörgang bekommen und eine Grunderkrankung haben, die das Immunsystem schwächt, dürfen keinesfalls Wattestäbchen oder Ähnliches verwenden, um den Gehörgang zu reinigen. Es könnten sonst kleine Wunden im Gehörgang entstehen, die zum Einfallstor für aggressive Bakterien werden. Auch sollte man bei diesen Patienten sehr vorsichtig mit der Anwendung von ärztlichen Instrumenten im Gehörgang sein. Sobald eine auch nur geringe Entzündung im Gehörgang auftritt, sollte diese sofort sorgfältig behandelt werden. 

Weitere Informationen

Illustrationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen