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Allergische Rhinitis (Heuschnupfen)

Eine allergische Rhinitis bezeichnet eine Entzündung der Nasenschleimhaut, die durch eine Allergie verursacht ist. Umgangssprachlich ist die Erkrankung auch unter dem Begriff Heuschnupfen bekannt.

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Was ist eine allergische Rhinitis?

Eine allergische Rhinitis ist eine allergisch bedingte entzündliche Reaktion der Nasenschleimhaut auf bestimmte Stoffe, sogenannte Allergene. Bei Kontakt mit z. B. Gräser-, Baum- oder Unkrautpollen, Hausstaubmilben sowie bestimmten Tieren schwillt die Nasenschleimhaut an und es kommt zu Nasenlaufen, Niesen und Juckreiz. Die Erkrankung kann auch weitere Organe betreffen, insbesondere die Augen: Bis zu 60 % der Patienten mit allergischer Rhinitis leiden auch an einer allergischen Konjunktivitis. Die Erkrankung kann von allgemeinen Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen begleitet werden und in Kombination mit anderen Erkrankungen wie Asthma oder dem atopischen Ekzem (Neurodermitis) auftreten.

Zu unterscheiden gilt es die saisonale von der ganzjährigen allergischen Rhinitis. Klassischerweise treten bei Pollenallergien Symptome während der Pollenflugzeit der jeweiligen Pflanze auf. Birkenpollen fliegen beispielsweise im Frühjahr, Graspollen eher im Sommer. Bei der ganzjährigen allergischen Rhinitis sind Milben- und Tierallergien  die häufigsten Auslöser.

Es wird davon ausgegangen, dass 10–25 % der Bevölkerung zumindest zeitweise unter einer allergischen Rhinitis leiden. Bei 80 % der Betroffenen tritt die Erkrankung erstmalig vor dem 20. Lebensjahr auf. In den letzten 20 Jahren hat sich das Vorkommen der Erkrankung annähernd verdoppelt. Der Grund für diese Zunahme ist nicht endgültig geklärt. Es gibt jedoch zahlreiche Hypothesen, die mögliche Ursachen in den Hygienemaßnahmen und veränderten Lebensgewohnheiten in den Industrienationen sehen.

Ursache

Als Allergie bezeichnet man eine Überempfindlichkeit (Hypersensitivität) des körpereigenen Immunsystems gegenüber bestimmten Stoffen, mit denen der Körper beispielsweise über die Luft oder die Nahrung in Kontakt kommt. Diese Substanzen, die bei gesunden Personen keine gesundheitlichen Probleme verursachen, bezeichnet man als Allergene. Das Immunsystem der Betroffenen bildet oft erst nach mehrmaligem, jedoch mindestens nach einmaligem Kontakt Antikörper gegenüber diesem Allergen. Wenn die Person erneut in Kontakt mit dem entsprechenden Allergen kommt, führt dies zu einer Immunantwort und der Ausschüttung verschiedener Botenstoffe, wie z. B. Histamin. Mögliche Wirkungen dieser Botenstoffe sind eine Erweiterung der Blutgefäße, eine erhöhte Durchlässigkeit der Gefäßwand mit Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe, eine Verengung der Atemwege oder eine Gewebsentzündung. In den allermeisten Fällen tritt eine allergische Reaktion lokal, d. h. an der Stelle des Kontaktes mit der auslösenden Substanz auf. Bei der allergischen Rhinitis ist vor allem die Nasenschleimhaut betroffen. Etwa die Hälfte der Patienten ist allergisch gegen Pollen. Bei den meisten dieser Patienten treten jedoch auch außerhalb der Pollensaison Symptome auf.

Die Neigung zu einer allergischen Rhinitis ist teilweise erblich bedingt: Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken ist erhöht, wenn ein Elternteil oder beide an einer allergischen Erkrankung leiden. Außerdem spielen Umgebungsfaktoren wie Zigarettenrauch oder Luftverschmutzung eine Rolle.

Diagnostik

Typische Beschwerden sind eine verstopfte Nase, Naselaufen mit klarem Sekret, Juckreiz in der Nase und Niesen. Ein gleichzeitiges Auftreten von roten und tränenden Augen, macht es sehr wahrscheinlich, dass die Rhinitis allergisch bedingt ist. Eine allergische Rhinitis kann aber auch ohne allergische Bindehautentzündung auftreten, vor allem bei Milbenallergien. Weitere Symptome, die auftreten können, sind Atemwegsbeschwerden (Asthma), Müdigkeit, Fieber, Druckgefühl im Kopf und Juckreiz am ganzen Körper.

Informationen zum Auftreten von Allergien in der Familie oder Symptomen nach dem Kontakt mit Tieren, Milben, Schimmel o. ä. können bei der Diagnosestellung hilfreich sein. Die Diagnose ist häufig eindeutig, wenn die Symptome während der Pollensaison auftreten und über mehr als 10 Tage anhalten. Allergietests können den Verdacht auf eine allergische Rhinitis bestätigen, sind aber nicht immer notwendig.

Therapie

Empfehlungen für Patienten

Die wirkungsvollste Maßnahme bei einer bekannten Allergie ist die Meidung der auslösenden Substanz. Häufig lässt sich hierdurch schon eine Beschwerdefreiheit bzw. -besserung erreichen.

Leiden Sie an einer Pollenallergie, sollten Sie das Schlafzimmer nicht lüften, wenn starker Pollenflug herrscht. Trocknen Sie Ihre Wäsche während der Pollensaison nicht im Freien. Verfolgen Sie den Pollenflugkalender  und Informationen des Wetterdienstes und vermeiden Sie den Aufenthalt in Gebieten mit einer hohen Pollenkonzentration. An der Küste und am Meer ist der Pollenflug meist geringer. Vor dem Schlafengehen oder nach Aktivitäten im Freien kann es hilfreich sein, zu duschen und die Haare zu waschen.

Bei einer Milbenallergie sollten Sie möglichst wenige „Staubfänger“ in Ihrem Schlafzimmer haben. Waschen und staubsaugen/-wischen Sie regelmäßig. Beim Staubsaugen sollten auch Betten, Matratzen und Bettgestelle gereinigt werden. In Feuchträumen herrscht oft eine hohe Luftfeuchtigkeit, die das Wachstum von Milben und Pilzsporen begünstigt.

Leiden Sie unter einer Tierallergie , sollten Sie den Kontakt zu den entsprechenden Tieren meiden. Sind Sie dennoch mit Tieren in Kontakt gekommen, sollten Sie danach duschen und die Kleidung wechseln.

In Innenräumen sollte nicht geraucht werden, da die Atemwege von Allergikern leicht reizbar sind.

Medikamentöse Therapie

Um die Beschwerden einer allergischen Rhinitis zu lindern, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden.

Treten Beschwerden in der Nase auf, wird meist eine Lokaltherapie mit Nasenspray empfohlen. Es sind verschiedene Wirkstoffe als Nasenspray erhältlich. Meist werden Kortikosteroide, eventuell in Kombination mit einem Antihistaminikum, in die Nase gesprüht, um die Entzündungsreaktion zu reduzieren. Leiden Patienten auch unter allergischen Beschwerden der Augen, der Lunge oder der Haut, werden eventuell Antihistaminika in Tablettenform vom Arzt verschrieben. Manchmal kommen auch Kortikosteroid-Tabletten zur kurzzeitigen Behandlung in Frage. Schildern Sie Ihrem Arzt, unter welchen Beschwerden Sie leiden. Er kann Sie zu möglichen Behandlungsmöglichkeiten beraten.

Allergie-Medikamente lindern nur die Symptome, beheben aber nicht die Allergie selbst.

Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie)

Die einzige Therapie, die sich direkt gegen die Ursache der Allergie richtet, ist die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt. Betroffene erhalten Spritzen oder Tabletten mit geringen Mengen des allergieauslösenden Stoffs bzw. Allergens, damit sich das Immunsystem zunehmend daran gewöhnt. Ziel der Behandlung ist die Minderung der allergischen Reaktion auf das Allergen.

Eine solche Therapie kann bei Patienten mit mäßiger bis schwerer allergischer Rhinitis in Erwägung gezogen werden, wenn andere Therapieformen nicht ausreichend sind. Sie zeigt bei einer allergischen Rhinitis gute Ergebnisse.

Verlauf und Prognose

Im Verlauf kann sich als Folge einer allergischen Rhinitis ein allergisches Asthma entwickeln. Eine Nasennebenhöhlenentzündung nach einer Erkältung tritt bei Patienten mit ganzjähriger Rhinitis gehäuft auf. Außerdem kann sich die Allergie auf weitere Stoffe, z. B. Nahrungsmittel, ausweiten. Dies wird dann als Kreuzallergie bezeichnet.

Bei vielen Pollenallergikern sind die Beschwerden von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark ausgeprägt. Dies hängt meist damit zusammen, dass die Pollenmenge unterschiedlich ist.

Für die meisten Patienten ist die Prognose auf lange Sicht gut. Die Beschwerden einer allergischen Rhinitis sind bei Jugendlichen meist am stärksten ausgeprägt und nehmen im Erwachsenenalter oft ab. Durch eine Hyposensibilisierung kann eine Beschwerdebesserung erreicht werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim