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Nasenbluten

Nasenbluten kann verschiedene Ursachen haben, z. B. einen Schlag auf die Nase, Erkältung, Nasenbohren, trockene Luft oder manche Medikamente. Die Nase etwa 15–20 Minuten lang zugedrückt zu halten, stoppt das Nasenbluten so gut wie immer.

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Was ist Nasenbluten?

Definition

Bei Nasenbluten (Epistaxis) bluten meist kleine Blutgefäße der Nasenschleimhaut. Normalerweise blutet bei gesunden Personen die Nase nur nach einem Schlag auf die Nase oder etwa durch Nasenbohren. Die Blutung stoppt üblicherweise nach wenigen Minuten von selbst. Nasenbluten tritt meist wiederkehrend auf.

Symptome

Bei Nasenbluten kann das Blut vorne aus einem oder beiden Nasenlöchern laufen, aber auch nach hinten in den Rachen gelangen. Selten sind größere Blutgefäße im hinteren Bereich der Nase betroffen, z. B. im Rahmen von allgemeinen Abbauprozessen der Gefäße bei älteren Menschen, was zu sehr starken Blutungen führen kann. Zu 90 % tritt die Blutung im vorderen Nasenbereich auf. 

Ursachen

Nasenbluten kann auf mehreren Ursachen beruhen:

  • Verletzung, z. B. durch Bohren mit dem Finger in der Nase
  • Schlag oder Druck auf die Nase
  • Fremdkörper in der Nase
  • trockene Nasenschleimhaut
  • Infektionen der Nase oder Nasennebenhöhlen
  • bestimmte Medikamente, z. B. Nasenspray
  • ärztliche Untersuchungen der Nase oder des Nasenbereichs
  • eine Reihe anderer, deutlich seltenerer Erklärungen, z. B. andere zugrunde liegende Erkrankungen, Krebs im Nasenbereich, Blutgerinnungsstörungen etc.

Zum Zeitpunkt des Nasenblutens findet man häufig einen erhöhten Blutdruck, dieser scheint aber nicht die unmittelbare Ursache zu sein. Kalte/trockene Luft, Allergie auslösende Stoffe in der Luft oder Blutverdünner begünstigen ebenfalls das Auftreten von Nasenbluten.

Bei Personen, die erst vor Kurzem Nasenbluten hatten, ist das Risiko erneuter Blutungen erhöht. Dies liegt daran, dass die Wunde nach der letzten Blutung nur durch eine dünne Kruste verschlossen ist. Diese Kruste löst sich oft schon bei geringen Einwirkungen wieder ab. So kann z. B. schon Schneuzen ausreichen, um eine neue Blutung auszulösen.

Häufigkeit

Bei den meisten Menschen ist es schon einmal zu Nasenbluten gekommen. Am häufigsten ist Nasenbluten bei Kindern unter 10 Jahren und Erwachsenen über 70 Jahren. Sehr selten sind Kleinkinder unter 2 Jahren betroffen, dann liegt meist eine Verletzung, ein Fremdkörper oder eine zugrunde liegende Krankheit vor. Nasenbluten scheint bei Männern häufiger zu sein als bei Frauen.

Untersuchungen

  • Nasenbluten erfordert in der Regel keine ärztliche Untersuchung und Behandlung. Ausnahmen sind schwere, nicht zu stoppende oder wiederkehrende Blutungen.
  • Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung wird der Beginn und die Intensität der Blutung abgefragt.
  • Besonders wichtige Informationen sind bestehende Vorerkrankungen oder eingenommene Medikamente.
  • Üblicherweise werden Blutdruck und Puls gemessen.
  • Bei starken Blutungen wird der Hämoglobinwert gemessen, beim Verdacht auf eine schwere Grunderkrankung auch noch andere Blutwerte.
  • Bei einer Überweisung an HNO-Fachärzt*innen kann eine Nasenspiegelung (Endoskopie) durchgeführt werden.
  • Zur Abklärung einer Entzündung, nach einer schwereren Verletzung oder bei einem Verdacht auf einen Tumor kann eine Magnetresonanztomografie/Computertomografie oder spezielle Röntgenuntersuchung der Blutgefäße erfolgen.
  • In einigen Fällen lässt sich trotz der Untersuchung keine Ursache ausmachen.

Behandlung

  • Wenn Sie aufrecht sitzen und mit leicht nach vorn gebeugtem Kopf den unteren Teil der Nase (die Nasenflügel) durchgehend zusammendrücken, stoppen die meisten Blutungen innerhalb von 15–20 Minuten.
  • Zusätzlich können Sie ein kaltes Handtuch auf den Nasenrücken und/oder den Nacken legen.
  • Gegebenenfalls kann ein abschwellender, Oxymetazolin-haltiger Nasenspray eingesetzt werden.
  • Die betroffenen Blutgefäße können verödet werden, um die Blutung zu stillen.
  • Wenn die Blutung besonders schwer zu stoppen ist, kann z. B. eine aufquellende Schaumstofftamponade eingesetzt werden, die einen konstanten Druck auf das blutende Gefäß ausübt.
  • Das blutende Gefäß kann in bestimmten Fällen chirurgisch abgeklemmt werden oder durch eine künstliche Embolie verstopft werden, indem Medikamente zur Blutgerinnung verabreicht werden.
  • Nach mehrmaligen Messen von Blutdruckwerten über 180/120 mmHg wird eine medikamentöse Blutdrucksenkung empfohlen.
  • Bei kontrollierbarer Blutung kann eine bestehende Antikoagulationstherapie fortgeführt werden. Nur bei massivem und nicht stillbarem Nasenbluten bzw. bei Überdosierung kann ein Gegenmittel nötig sein.

Prognose

  • Die meisten Blutungen hören von selbst oder nach äußerer Druckbehandlung (Nasenflügeldruck) auf.
  • Im Zeitraum von 10–14 Tagen besteht ein erhöhtes Risiko einer erneuten Blutung.
  • Tritt das Nasenbluten als Folge einer anderen Erkrankung auf, ist die Prognose abhängig von der Grunderkrankung.

Weitere Informationen

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Epistaxis (Nasenbluten). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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