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Halsentzündung durch Streptokokken

Eine eitrige Mandelentzündung ist eine Infektion in Hals und Rachen, die in der Regel durch Bakterien vom Typ der beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A hervorgerufen wird.

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Hintergrund

Die meisten Halsentzündungen werden von Viren verursacht. Eine bakterielle Mandelentzündung (Tonsillitis) entsteht am häufigsten durch eine Infektion mit Streptokokken. Häufige Symptome sind Fieber (38–40 °C), Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Die Schmerzen können bis zu den Ohren hin ausstrahlen. Die Sprache wird kloßig, als ob die Betroffenen eine heiße Kartoffel im Hals hätten. In der Regel sind auch die Lymphknoten an der Außenseite des Halses geschwollen und schmerzempfindlich.

Bei Kleinkindern können die Symptome diffuser sein. Sie können abgeschlagen wirken und keinen Appetit oder Bauchschmerzen haben, oft mit Erbrechen. Ohrenschmerzen können auftreten, Husten ist dagegen selten. Insbesondere Kinder können durch die Streptokokkeninfektion auch an Scharlach erkranken. Dann tritt zusätzlich ein roter Hautausschlag auf.

Die Erkrankung ist häufig. Bei Kindern werden 15–30 % der akuten Mandelentzündungen durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A verursacht, bei Erwachsenen 5–10 %. Die Krankheit bricht oft im Winter und Frühjahr aus und kann als Epidemie in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen auftreten.

Ursachen

Eine bakterielle Mandelentzündung wird in den meisten Fällen durch eine Infektion mit beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A verursacht.

Die Streptokokken verbreiten sich in der Regel durch Tröpfcheninfektion. Sind Personen in der Umgebung erkrankt, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Streptokokken-Tonsillitis. Besonders in Familien mit Kindern ist das Risiko hoch, dass weitere im Haushalt lebende Familienmitglieder erkranken. Bei rund 7,5 % der Bevölkerung ist der Rachenraum mit Streptokokken besiedelt, ohne dass Symptome auftreten. Sie können sich auch bei solchen symptomfreien Keimträgern anstecken.

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) beträgt 1–3 Tage. Erkrankte sind ohne antibiotische Behandlung bis zu 3 Wochen ansteckend.

Diagnostik

Halsschmerzen werden häufig durch eine Virusinfektion hervorgerufen. Eine Mandelentzündung durch Streptokokken zeigt jedoch so typische Symptome, dass die Diagnose in der Regel schnell gestellt wird. Bei einer Streptokokkeninfektion sind die Gaumenmandeln (Tonsillen) rot und geschwollen und zeigen häufig einen weißen Belag oder weiße Flecken. Eventuell sind die Lymphknoten an der Außenseite des Halses geschwollen.

Die Diagnose kann mit einem Streptokokken-A-Antigen-Schnelltest bestätigt werden. Dieser kommt in erster Linie bei Kindern unter 15 Jahren zum Einsatz. Ärzt*innen nehmen einen Rachenabstrich und können in nur wenigen Minuten und mit hoher Sicherheit überprüfen, ob es sich um eine Streptokokkeninfektion handelt. Der Rachenabstrich kann auch zur Kultivierung an ein Labor geschickt werden.

Blutuntersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich. Sie können aber durchgeführt werden, um andere Erkrankungen (z. B.  Pfeiffer-Drüsenfieber) auszuschließen.

Therapie

Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern, die Ansteckungsgefahr zu mindern, den Krankheitsverlauf zu verkürzen und mögliche Komplikationen zu verhindern.

Ruhe und Entspannung sind wichtig. Bei Bedarf können Sie fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente wie Ibuprofen für 2–3 Tage einnehmen oder Lutschtabletten lutschen. Kalte Getränke können die Beschwerden lindern. Sie können auch mit Kochsalzlösung gurgeln, um Schluckbeschwerden zu lindern.

Wenn die Erkrankung durch Streptokokken verursacht wird, verschreiben Ärzt*innen in den meisten Fällen das Antibiotikum Penicillin für 5–7 Tage. Den Patient*innen kann auch ein Rezept mitgegeben werden, das sie erst nach 3–5 Tagen einlösen, wenn sich die Beschwerden nicht bessern. Bei der Einnahme von Antibiotika ist es wichtig, dass die Therapie bis zum Ende durchgeführt wird, damit alle krankheitserregenden Bakterien abgetötet werden. Bei stark geschwollenen Mandeln kann in Ausnahmefällen auch Kortison verabreicht werden.

Eine durch andere Bakterien oder durch Viren verursachte Mandelentzündung führt nur selten zu einem ausgeprägten Krankheitsbild. In den meisten Fällen kann das körpereigene Immunsystem die Infektion bekämpfen, und Antibiotika werden nicht empfohlen.

Vorbeugend sollten Sie engen Kontakt mit erkrankten Personen meiden. Trinken Sie nicht aus demselben Glas oder Becher. Regelmäßiges Händewaschen schützt vor Ansteckung.

Verlauf

In der Regel zeigen Antibiotika (Penicillin) eine schnelle und gute Wirkung. Schlägt die Antibiotikatherapie nach 3–5 Tagen nicht an, sollten Sie erneut ärztlichen Rat suchen. Wenden Sie sich auch an Ihre Arztpraxis, wenn es Ihnen schlechter geht. Dies ist der Fall, wenn das Fieber steigt, eine Schwellung am Hals auftritt oder Sie Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes haben: Dies könnte auf einen Mandelabszess (Peritonsillarabszess) hindeuten. Dabei bildet sich ein Eitergeschwür im Gewebe um die Gaumenmandeln, das eröffnet werden muss.

Früher wurden auch rheumatisches Fieber und Nierenentzündungen auf unbehandelte Streptokokkeninfektionen zurückgeführt (siehe Spätfolgen einer Mandelentzündung). Diese Erkrankungen sind heutzutage jedoch selten, da die Bakterienstämme, die diese Komplikationen verursachen können, seltener auftreten. Ein wichtiger Grund für den Rückgang dieser Erkrankungen ist wahrscheinlich auch die Tatsache, dass die meisten Streptokokkeninfektionen heute mit Antibiotika behandelt werden.

Eine bakterielle Mandelentzündung kann mehrmals im Jahr auftreten. Wenn über einen Zeitraum von 12 Monaten mehr als 5 eitrige Mandelentzündungen diagnostiziert worden sind, sollte eine operative Entfernung der Mandeln in Erwägung gezogen werden.

Kindergarten/Tagesbetreuung

Einen Tag nach begonnener Antibiotikatherapie besteht keine Infektionsgefahr mehr. Kinder können den Kindergarten/die Tagesbetreuung wieder besuchen, sofern kein Fieber über 38 °C besteht oder der Allgemeinzustand beeinträchtigt ist. Ohne antibiotische Therapie ist eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen frühestens 2 Wochen nach Abklingen der Symptome angezeigt.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden