Rachenkrebs (Hypopharynxkarzinom)

Bei einem Karzinom des Hypopharynx handelt es sich um einen bösartigen Tumor in der Schleimhaut des unteren Teils des Rachens.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist ein Karzinom im Hypopharynx?

Definition

Der Hypopharynx bezeichnet den Bereich des Rachens, der unterhalb des Kehldeckels (Epiglottis) liegt. Hypopharynxkarzinome sind bösartige Tumoren, die in der Schleimhaut des unteren Schlundbereichs entstehen. Sie werden auch Schlundrachenkrebs genannt.

In über 95 % der Fälle geht der Tumor von einer oberflächlichen Zellschicht, dem sog. Plattenepithel, aus. Es wird zwischen einem Hypopharynxkarzinom und einem Krebs im Bereich der Stimmbänder, dem Larynxkarzinom, unterschieden. Häufig ist eine genaue Abgrenzung allerdings nicht möglich.

Symptome

In den frühen Phasen können wenige oder auch gar keine Symptome auftreten, was es schwierig machen kann, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Schmerzlose Lymphknotenschwellungen am Hals sind oftmals das erste Symptom eines Hypopharynxkarzinoms. Andere Symptome sind das Gefühl eines „Kloßes im Hals" oder Schwierigkeiten beim Schlucken. Später treten auch wunde Stellen im Rachen auf. Einige Betroffene haben Mundgeruch oder blutigen Auswurf. Bei Befall des Kehlkopfes kommt es zu Heiserkeit.

Ursachen

Es liegen nur begrenzte Kenntnisse über die Ursachen vor. Verschiedenen Ergebnissen zufolge entsteht der Krebs vor allem im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch und Rauchen. Ein bestimmter Virustyp, das häufig vorkommende humane Papillomavirus, ist Studien zufolge neben anderen Karzinomen auch mit Krebs im Hypopharynx assoziiert. 

Häufigkeit

  • Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die 6 % aller Kopf-Hals-Tumoren ausmacht.
  • In Deutschland gab es 2016 bei Frauen 4.180 und bei Männern 9.720 neue Erkrankungen der Mund- und Rachenkarzinome.
  • Nach einer dänischen Studie sind zu 80 % Männer betroffen.
  • Das Hypopharynxkarzinom ist häufiger unter der älteren Bevölkerung.
    • Das Durchschnittsalter zum Diagnosezeitpunkt liegt bei 64 Jahren.

Untersuchungen

Die Anamnese bzw. bestimmte Sympome weisen auf die Erkrankung hin. Durch eine laryngoskopische Untersuchung des unteren Halses kann der Tumor möglicherweise gesehen werden. Bei der Untersuchung wird ein kleiner Schlauch mit Beleuchtung durch die Nase oder durch den Mund in den Rachen geführt. Für die endgültige Diagnose ist eine Gewebeprobe notwendig, die unter dem Mikroskop untersucht und beurteilt wird.

Bei Nachweis eines Hypopharynxkarzinoms erfolgt im weiteren Verlauf eine Untersuchung der Stimm- und Schluckfunktion. Um die Ausdehnung des Tumors festzustellen, ist auch eine Bilddiagnostik notwendig. Hierfür kommen Ultraschall, CT und/oder MRT zum Einsatz. Zur Erkennung von Fernmetastasen wird eine Szintigrafie durchgeführt.

Die genannten Untersuchungen sind entscheidend für die Therapie und um eine Vorstellung von der Prognose zu erhalten.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Tumorklassifikation und setzt sich höchst individuell aus Chemotherapie, chirurgischer Entfernung des Tumors sowie Strahlenbehandlung zusammen. Kleinere, lokalisierte Tumoren können prinzipiell in einer Operation bzw. durch CO2-Laser entfernt werden. Bei größeren Karzinomen wird ein Teil des Hypopharynx entfernt, teilweise auch der Kehlkopf. Da der Tumor über die Lymphe streuen kann, wird nicht selten auch eine Entfernung verschiedener Lymphknoten am Hals empfohlen (Neck Dissection).

Was können Sie selbst tun?

  • Nach einem chirurgischen Eingriff an Ihrem Kehlkopf sollten Sie unbedingt die Angebote für Sprech- und Schlucktherapien wahrnehmen.
  • Gehen Sie zu den empfohlenen Tumornachsorgeterminen, um Rückfälle oder Metastasen Ihrer Erkrankung frühzeitig zu entdecken.

Vorbeugung

Prognose

  • Die Tumorgröße und Lokalisation sind entscheidend für die Prognose.
  • Ca. 41 % der Patient*innen mit Hypopharynxkarzinomen überleben mindestens 5 Jahre nach Diagnosestellung, abhängig vom Alter, Stadium des Tumors und Nikotinkonsum.
  • Insgesamt hat sich die Überlebensrate in den letzten Jahren verbessert.

Weitere Informationen

Autorin

  • Hannah Brand, Dr. med., Ärztin, Berlin

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypopharynxkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Kaanders JH. Hypopharynxkarzinom. In: Schmoll HJ, Höffken K, Possinger K. Kompendium Internistische Onkologie. Springer, Berlin, Heidelberg 2006. link.springer.com
  2. RKI. Zentrum für Krebsregisterdaten. Stand 2017. Zugriff 16.12.2020 www.rki.de
  3. Carvalho AL, Nishimoto IN, Califano JA, Kowalski LP. Trends in incidence and prognosis for head and neck cancer in the United States: a site-specific analysis of the SEER database. Int J Cancer 2005; 114:806. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Curado MP, Hashibe M. Recent changes in the epidemiology of head and neck cancer. Curr Opin Oncol 2009; 21:194. PubMed
  5. Kronberg Jakobsen K et al. Incidence and survival of hypopharyngeal cancer: a Danish Nation-Wide Study from 1980 to 2014. Acta Oncologica 2019 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Larynxkarzinoms. AWMF- Leitlinie Nr. 017-076OL. Stand 2019. www.awmf.org
  7. Huang SH, O'Sullivan B. Overview of the 8th Edition TNM Classification for Head and Neck Cancer. Curr Treat Options Oncol. 2017;18:40. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Gandini S, Botteri E, Iodice S, et al. Tobacco smoking and cancer: a meta-analysis. Int J Cancer 2008; 122:155. PubMed
  9. Branstetter BF 4th, Blodgett TM, Zimmer LA, et al. Head and neck malignancy: is PET/CT more accurate than PET or CT alone? Radiology 2005; 235:580. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  10. Becker M, Burkhardt K, Dulguerov P, Allal A. Imaging of the larynx and hypopharynx. Eur J Radiol 2008; 66:460. PubMed
  11. Helliwell TR. acp Best Practice No 169. Evidence based pathology: squamous carcinoma of the hypopharynx. J Clin Pathol 2003; 56:81. PubMed
  12. Takes RP, Strojan P, Silver CE, et al. Current trends in initial management of hypopharyngeal cancer: the declining use of open surgery. Head Neck 2012; 34:270. PubMed
  13. Dietz A , Wichmann G, Kuhnt T. Organerhalt beim fortgeschrittenen Larynx-/Hypopharynxkarzinom: Erfahrungen aus der DELOS-II-Studie. HNO 2020 link.springer.com
  14. Yoshimoto S, Kawabata K. Retropharyngeal node dissection during total pharyngolaryngectomy for hypopharyngeal cancer. Auris Nasus Larynx 2005; 32:163. PubMed
  15. Abrahao R, Anantharaman D, Gaborieau V et al (2018) The influence of smoking, age and stage at diagnosis on the survival after larynx, hypopharynx and oral cavity cancers in Europe: The ARCAGE study. Int J Cancer 143:32–44 onlinelibrary.wiley.com