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Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis)

Eine Speicheldrüsenentzündung, medizinisch Sialadenitis genannt, kann sich rasch entwickeln (akut) oder über einen längeren Zeitraum auftreten (chronisch). Die akute Speicheldrüsenentzündung ist in der Regel durch Bakterien oder Viren bedingt, wohingegen die chronische Entzündung eher durch Steine oder Verengungen im Ausführungsgang der Speicheldrüse entsteht.

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Speicheldrüsen

Der Mensch hat drei große Speicheldrüsen, die jeweils paarig angelegt sind. Die größte, die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea oder Parotis), liegt am Kieferwinkel direkt vor dem Ohr. Ihr Ausführungsgang mündet in der seitlichen Backe auf Höhe des 2. oberen Backenzahns. Die Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) befindet sich im Unterkiefer, die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis) unterhalb der Zunge. Beide haben einen gemeinsamen Ausführungsgang unterhalb der Zunge, jeweils seitlich des Zungenbändchens. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Speicheldrüsen innerhalb des Mundes, z. B. in den Schleimhäuten der Lippen, Zunge, Mundhöhle und des Rachens.

Welche Aufgaben hat der Speichel?

Speichel hat mehrere Funktionen: Er erleichtert das Schlucken und enthält Enzyme, die für die ersten Schritte der Verdauung wichtig sind. Das Enzym Amylase kann bereits im Mund Kohlenhydrate spalten. Dies merkt man z. B., wenn man Toastbrot sehr lange kaut. Mit der Zeit hat man einen süßen Geschmack im Mund – die Kohlenhydrate wurden in ihre Bestandteile zersetzt, die süß schmecken. Im Speichel sind auch Antikörper vorhanden, die Krankheitserreger binden können. Außerdem ist er für die Geschmackswahrnehmung und als Schutz gegen Karies wichtig.

Was ist eine Speicheldrüsenentzündung?

Die Speicheldrüsen können sich entzünden, wenn Krankheitserreger (Bakterien, Viren) in die Drüsen gelangen oder wenn Reizzustände vorliegen, z. B. wenn der Ausführungsgang durch einen Stein verengt ist und sich das Sekret aufstaut. Meist ist sind die Glandula parotis oder Glandula submandibularis betroffen, seltener die Glandula sublingualis.

Von einer Speicheldrüsenentzündung sind eher ältere oder sehr jungen Menschen betroffen. Chronische Speicheldrüsenentzündungen kommen bei Erwachsenen häufiger vor. Viele Patient*innen mit einem Sjögren-Syndrom haben eine Beteiligung der Speicheldrüsen.

Ursachen

Es gilt zwischen einer akuten und einer chronischen Speicheldrüsenentzündung zu unterscheiden. Risikofaktoren sind u. a. ein verminderter Speichelfluss (z. B. bei verminderter Flüssigkeitszufuhr oder Mangelernährung), Immunschwäche, chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Nierenerkrankungen, HIV), einige Medikamente (Anticholinergika), eine schlechte Mundhygiene sowie häufiges Erbrechen (z. B. im Rahmen einer Bulimie oder Anorexie).

Akute Speicheldrüsenentzündung

Die akute Sialadenitis ist meist durch Krankheitserreger bedingt, z. B. durch Bakterien oder Viren, und befällt am häufigsten die Glandula submandibularis oder die Glandula parotis. Bakterielle Erreger, die eine akute Speicheldrüsenentzündung bedingen, sind meist Staphylokokken oder Streptokokken, es können aber auch andere Bakterien vorkommen. Der Infektionsweg erfolgt entweder direkt über die Mundhöhle, über den Blutweg oder über Lymphgefäße. Speichelsteine und eine verminderte Flüssigkeitszufuhr können die Entstehung begünstigen.

Virale Erreger können das Epstein-Barr-Virus, das humane Herpesvirus 6 oder das Mumps-Virus sein. Diese viralen Erreger lösen häufig im Kindesalter Infektionen aus und sind oft mit weiteren Symptomen vergesellschaftet, die andere Organe betreffen.

Chronische Speicheldrüsenentzündung

Die chronische Sialadenitis entsteht eher durch einen längerfristigen Reizzustand. Dieser kann z. B. entstehen, wenn eine akute Speicheldrüsenentzündungen lange anhält oder wenn der Ausführungsgang der Drüse verengt ist. Letzteres ist z. B. der Fall, wenn ein Stein im Ausführungsgang liegt, oder wenn ein Tumor oder eine Narbe dazu führt, dass Sekret aufgestaut wird. Eine chronische Speicheldrüsenentzündung kann auch durch autoimmune Prozesse entstehen, wenn das eigene Immunsystem sich gegen körpereigene Strukturen wendet. Dies kann beispielsweise beim Sjögren-Syndrom der Fall sein. Auch eine Radiojodbestrahlung im Rahmen von gut- (z. B. Struma) oder bösartigen Schilddrüsenerkrankungen (z. B. Schilddrüsenkrebs) oder eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann zu einer chronischen Sialadenitis führen.

Symptome

Eine entzündete Speicheldrüse ist in der Regel geschwollen und schmerzhaft.

Akute Speicheldrüsenentzündung

Bei einer akuten Speicheldrüsenentzündung entwickelt sich schnell eine Schwellung der Speicheldrüse. Bei bakteriellen Entzündungen ist diese oft einseitig, bei viralen meist beidseitig. Die Schwellung geht in der Regel mit Schmerzen einer. Beide Symptome können während der Einnahme von Mahlzeiten zunehmen. Evtl. besteht eine Kieferklemme, sprich der Mund kann nur eingeschränkt geöffnet werden. Zudem kann Fieber auftreten. Möglicherweise ist die Öffnung des Ausführungsgangs gerötet, und es geht Eiter ab.

Bei viralen Infekten sind oftmals noch andere Organe betroffen und es bestehen zudem häufig Kopfschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Bei Mumps können zusätzlich z. B. die Hoden entzündet sein (Orchitis).

Chronische Speicheldrüsenentzündung

Bei der chronischen Speicheldrüsenentzündung kommt es zu wiederholten Schwellungen, oft nach dem Essen. Die Entzündung und die damit einhergehenden Schmerzen treten in Episoden auf. Meist liegt ein weniger stark ausgeprägtes Krankheitsbild vor als bei einer akuten Entzündung. Der vorhandene Speichel ist in seiner Konsistenz und im Geschmack verändert. Möglicherweise ist auch der Gesichtsnerv (N. facialis) betroffen, sodass die Mundwinkel einseitig herabhängen. Bei Beteiligung des Zungennervs (N. lingualis) entstehen Sensibilitätsstörungen in den vorderen seitlichen Zungenabschnitten.

Diagnostik

Die Diagnose wird in der Regel anhand der Symptome und der Befunde mit lokaler Empfindlichkeit bzw. Schmerzhaftigkeit und Schwellung der entsprechenden Speicheldrüse gestellt. Evtl. ist eine Rötung um die Austrittsstelle des Ausführungsganges im Mund sichtbar. In einigen Fällen lässt sich bei einer bakteriellen Infektion Eiter aus der Drüse pressen. Das Sekret kann abgestrichen und auf Erreger getestet werden. Außerdem werden die Betroffenen auf weitere Symptome untersucht, die möglicherweise auf die Ursache hinweisen. In der Regel erfolgt eine Blutabnahme. Entzündungsparameter wie eine erhöhte Blutsenkung oder ein erhöhter CRP-Wert können vorliegen. In manchen Fällen wird eine bildgebende Untersuchung mittels Ultraschall oder CT vorgenommen. Der Speichelgang kann bei speziellen Fragestellungen von Fachärzt*innen der HNO ggf. mit einem Endoskop oder durch eine Sialografie (Darstellung des Ausführungsgangs) weiter untersucht werden.

Therapie

Die Infektion an sich wird je nach Erreger behandelt. Bei einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion erfolgt in der Regel eine orale antibiotische Therapie, die meist für 10 Tage durchgeführt wird. In sehr schweren Fällen wird das Antibiotikum intravenös verabreicht. Bei viralen Infektionen ist eine antibiotische Therapie wirkungslos. In beiden Fällen können Schmerzmittel die Symptome lindern. In Ausnahmefällen entsteht ein Abszess, der in der Regel mit einer chirurgischen Ableitung des Sekrets (Drainage) behandelt wird.

Gleichzeitig ist eine gute Mundhygiene (regelmäßiges Zähneputzen) und eine Verbesserung des Speichelflusses wichtig. Die Speichelproduktion kann z. B. durch Bonbons oder Kaugummi stimuliert werden. Auch Säure (z. B. Zitronen) kann den Speichelfluss erhöhen. Evtl. ist eine Massage der Drüse hilfreich. Kühlende Umschläge können zudem abschwellend und schmerzlindernd wirken.

Bei einer zugrunde liegenden Ursache wird diese therapiert, sofern möglich. Bei chronischen Fällen kann beispielsweise eine Steinentfernung mittels Endoskopie, eine Eröffnung des Drüsenganges oder eine extrakorporale Stoßwellentherapie erwogen werden. Manchmal kann es angezeigt sein, die betroffene Speicheldrüse komplett zu entfernen. Nach einer operativen Therapie kann es allerdings zu einer Gesichtslähmung infolge von Nervenverletzungen kommen.

Vorbeugende Maßnahmen

Eine gute Mundhygiene kann einer Speicheldrüsenentzündung vorbeugen. Um eine Mumps-Erkrankung zu verhindern, sollten Kinder zweimalig gegen den Erreger geimpft werden (MMR-Impfung). Ein vorhandenes Sjögren-Syndrom sollte adäquat behandelt werden.

Komplikationen

Es können sich Fisteln bilden (Gänge, die die Speicheldrüse mit der Körperoberfläche verbinden). Diese sind teils schwer behandelbar. Durch chronische Entzündungen können Vernarbungen des Drüsengewebes entstehen. Dadurch kann die Speichelproduktion dauerhaft eingeschränkt sein.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Hannah Brand, Cand. med., Berlin
  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim