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Halsschmerzen

Halsschmerzen sind weit verbreitet. Sie werden am häufigsten durch virale Rachenentzündungen verursacht.

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Was sind Halsschmerzen?

Als Halsschmerzen werden Schmerzen oder Beschwerden im Hals/Rachen bezeichnet, die von einigen Stunden bis zu einigen Tagen/Wochen andauern können. Akute Halsschmerzen dauern maximal 14 Tage an.

Halsschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Patient*innen eine Hausarztpraxis aufsuchen.

Sowohl Viren als auch Bakterien können zu Halsschmerzen führen. Ist eines der zahlreichen Erkältungsviren die Ursache für eine Rachenentzündung, ist in der Regel keine spezielle Therapie nötig, weil die Infektion von selbst heilt. Deutlich schwerer kann aber das auch durch ein Virus bedingte viel seltenere Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose) verlaufen. 

Viele Patient*innen mit Halsschmerzen leiden an einer Infektion mit Bakterien namens Streptokokken (Gruppe A). Diese Erreger sind für bis zu 10 % der Halsschmerzen bei Erwachsenen, die eine Arztpraxis aufsuchen, verantwortlich. Kinder sind mit 15–30 % der Fälle häufiger betroffen.

Zusätzlich gibt es eine Reihe von anderen Viren und Bakterien, die zu Halsschmerzen führen können. Auch sehr trockene oder sehr kalte Luft, Rauchen, Schnarchen, Sodbrennen, hohe Stimmbelastung oder andere Faktoren können zu Halsschmerzen führen.

Bewertung von Halsschmerzen

Häufige Ursache für Halsschmerzen sind Infektionen durch Viren. Solche Halsentzündungen heilen meist von selbst aus, Komplikationen sind selten, und die Symptome meist leicht bis mäßig ausgeprägt. Kalte oder lauwarme Getränke und evtl. Lutschtabletten gegen den Schmerz reichen aus. Grundsätzlich reicht bei leichten Halsschmerzen zunächst eine solche Therapie und die Betroffenen müssen meist keine Arztpraxis aufsuchen.

Klingen die Schmerzen aber nicht ab, werden stärker oder sind von Anfang an sehr stark ausgeprägt, ist es wichtig, ärztlich zu klären, ob eine Infektion mit Streptokokken vorliegt. Diese wird häufig mit Antibiotika behandelt. Außerdem können Ärzt*innen auch beurteilen, ob Sie z. B. an Mononukleose erkrankt sind, da dies eine Erklärung dafür sein kann, dass die Halsschmerzen nicht abklingen.

Was sind mögliche Ursachen?

Von den zahlreichen möglichen Ursachen können hier nur die wichtigsten genannt werden.

Häufige Ursachen, die in der Regel keiner speziellen Behandlung bedürfen

Häufige Ursachen, die eine Behandlung erfordern können

  • Pfeiffersches Drüsenfieber, Mononukleose
    • Betrifft in der Regel Jugendliche, wird durch eine Virusinfektion verursacht.
    • Die Symptomatik ist sehr unterschiedlich und erstreckt sich von mäßigen bis zu ausgeprägten allgemeinen Beschwerden, häufig wird von lokalen Symptomen im Hals berichtet, manchmal langwieriger Krankheitsverlauf. Der Allgemeinzustand ist beeinträchtigt und es besteht Fieber. Die Mandeln sind geschwollen und rot, bei der Hälfte der Betroffenen bildet sich ein Belag auf den Mandeln. Die Lymphknoten am Hals sind auffällig stark vergrößert, eventuell auch Milz und Leber.
  • Herpangina
    • Herpangina ist eine Virusinfektion, die am häufigsten bei Kindern unter 4 Jahren auftritt.
    • Es kommt zu einem akuten Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, allgemeinem Krankheitsgefühl und Schluckbeschwerden. Die Mundschleimhaut ist stark gerötet, und am Gaumen (evtl. auch auf den Mandeln) bilden sich Bläschen, die nach dem Aufplatzen kleine Wunden hinterlassen. Die Bläschen treten nur vorübergehend auf und sind nicht immer nachweisbar.
    • Die Symptome gehen nach wenigen Tagen von selbst zurück.
  • Streptokokken-Mandelentzündung (Tonsillitis)
    • bakterielle Infektion mit Gruppe-A-Streptokokken
    • Betrifft meist Kinder zwischen 5 und 15 Jahren, Häufigkeitsgipfel im Winter.
    • Betroffene leiden unter Krankheitsgefühl und Schluckbeschwerden. Häufig bestehen Halsschmerzen und Fieber, jedoch kein Husten.
  • Scharlach
    • bakterielle Infektion (verursacht durch Toxine, die von manchen Gruppe-A-Streptokokken produziert werden)
    • Die Mandeln sind entzündet, geschwollen, möglicherweise mit Eiterpusteln belegt. Innerhalb weniger Tage kommt es zu Hautausschlag, intensiv geröteten Wangen, bei dem nur ein kleines Dreieck zwischen Mund und Kinn ausgespart bleibt, und evtl. Himbeerzunge. Nach Abklingen der Krankheit beginnt die Haut an den Händen und Fußsohlen zu schuppen.
  • Mandelabszess (Peritonsillarabszess)
    • Dabei handelt es sich um eine Infektion im Gewebe außerhalb oder um eine der Gaumenmandeln. Die Infektion führt zu einer Ausbreitung der Entzündung von den Gaumenmandeln zum umliegenden Gewebe.
    • Die Erkrankung beginnt oft mit einer Mandelentzündung. Nach und nach nehmen die Schmerzen im Hals und Rachen zu, und das Fieber steigt. Es stellen sich Mundgeruch, Heiserkeit und Schluckbeschwerden ein. Betroffene haben Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen.

Seltene Ursachen, die eine Behandlung erfordern können

  • Fremdkörper
    • Vor allem Kleinkinder schlucken manchmal unbemerkt z. B. ein Teil eines Spielzeugs. Bleibt der Gegenstand in Rachenraum oder Speiseröhre hängen, führt das abrupt zu Schmerzen. Hat das Kind auch Probleme beim Atmen, muss der Notruf gerufen werden.
  • Kehldeckelentzündung (Epiglottis)
    • Die Erkrankung ist seit Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae sehr selten geworden.
    • Erkrankte Kinder sind schwer erschöpft und haben Fieber, Atemnot mit pfeifendem Geräusch beim Einatmen und Schluckbeschwerden mit vermehrtem Speichelfluss.
  • Diphtherie
    • Sehr selten, die Impfung gegen Diphtherie ist Teil der Impfempfehlungen in Deutschland.
    • Typisches Anzeichen ist ein weißlich-gelber Belag auf den Gaumenmandeln. Der Allgemeinzustand ist in der Regel stark beeinträchtigt.

Was können Sie selbst tun?

Die meisten Fälle von Halsentzündungen oder Reizungen in Mund und Rachen klingen von selbst ohne Behandlung ab. Ausreichend Flüssigkeit, körperliche Schonung und der Verzicht auf Rauchen tragen zur Genesung bei. Antibiotika verkürzen in solchen Fällen die Dauer der Krankheit nicht und bringen auch keine Symptomlinderung, können aber zu Nebenwirkungen führen. Daher sollten sie nur in begründeten Fällen eingesetzt werden. Lutschtabletten und entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen) können lindernd wirken.

Wann wird ein Arztbesuch empfohlen?

Sie sollten ärztlichen Rat suchen, wenn eine Halsentzündung von Schwierigkeiten beim Atmen, schlechtem Allgemeinzustand oder starken Halsschmerzen oder anderen Symptomen begleitet wird. Ein Arztbesuch ist auch zu empfehlen, wenn die Beschwerden trotz Ruhe nach einigen Tagen nicht abklingen oder sogar stärker werden.

Was geschieht bei der ärztlichen Untersuchung?

Anamnese

Ärzt*innen können Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Seit wann haben Sie diese Beschwerden?
  • Sind Sie erkältet? Husten Sie?
  • Fühlen Sie sich krank? Haben Sie Fieber?
  • Haben Sie Schwierigkeiten beim Schlucken?
  • Haben Sie Ohrenschmerzen?

Ärztliche Untersuchung

Die Ärztin/der Arzt wird Ihnen in den Rachen schauen und die Außenseite des Halses abtasten. Bei stark geschwollenen Lymphknoten werden auch die Lymphknoten in den Achselhöhlen, den Leisten sowie Leber und Milz abgetastet.

Weitere Diagnostik

Bei Verdacht auf eine bakterielle Halsentzündung, die mit Antibiotika behandelt werden sollte, kann bei Kindern unter 15 Jahren ein Schnelltest zum Nachweis von Streptokokken durchgeführt werden. Um andere Erkrankungen (z. B. Mononukleose) auszuschließen, kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Überweisung an Spezialist*in

Die meisten Fälle von Halsschmerzen werden von Allgemeinmediziner*innen oder Kinderärzt*innen behandelt. Bei Verdacht auf z. B. einen Mandelabszess oder andere spezielle Ursachen kann es sein, dass Sie an eine HNO-Praxis überwiesen werden. In seltenen Fällen, in denen eine ernsthafte Erkrankung vorliegt (z. B. Diphtherie oder in Einzelfällen bei Mononukleose), kann eine stationäre Behandlung in der Klinik erforderlich sein.

Weitere Informationen

  • Halsschmerzen – Informationen für ärztliches Personal
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Halsschmerzen 

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München
  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen