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Gürtelrose (Zoster)

Die Gürtelrose ist ein schmerzhafter Ausschlag, verursacht durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus), das im Körper schlummert.

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Was ist eine Gürtelrose?

Definition

Gürtelrose (Zoster) ist ein schmerzhafter, abgegrenzter Hautausschlag, der durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus) verursacht wird. Dieses schlummert nach einer früheren Windpocken-Infektion oft jahre- bis jahrzehntelang in den Nervenknoten der Wirbelsäule (Spinalganglien) oder des Gehirns. Unter bestimmten Umständen, z. B. bei einer Schwächung des Immunsystems, können die Viren wieder aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen.

Symptome

Manchmal treten zunächst ein paar Tage lang allgemeine Beschwerden wie Kopfschmerz, Fieber und/oder Abgeschlagenheit auf. Anschließend zeigen sich bei den Betroffenen in einem klar definierten Bereich der Haut Beschwerden in Form von Juckreiz, Kribbeln, Brennen, Überempfindlichkeit und Schmerzen.

Nach 2–3 Tagen erscheint an der schmerzenden Stelle ein Hautausschlag mit Bläschen. Der Ausschlag besteht einseitig in einem abgegrenzten Bereich, meist am Rumpf oder im Gesicht. Bei manchen tritt jedoch Ausschlag im Halsbereich, an einem Arm oder Bein auf. Nach 5–7 Tagen bildet sich Schorf auf den Bläschen. 

Die Schmerzen sind von Person zu Person unterschiedlich, können aber sehr stark ausgeprägt sein. In der Regel erreichen die Schmerzen innerhalb einer Woche ihren Höhepunkt und klingen dann ab. In einigen Fällen können die Schmerzen mehrere Wochen oder sogar länger anhalten. Wenn die Schmerzen länger als 3 Monate andauern, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Das Risiko für langfristige Schmerzen steigt mit dem Alter.

Bei einer Gürtelrose im oberen Bereich des Gesichts besteht die Gefahr, dass auch die Augen angegriffen werden (Zoster ophthalmicus). Der Ausschlag kann sich auf die Hornhaut des Auges ausbreiten und Entzündungen hervorrufen.

Wenn der Gesichtsnerv betroffen ist, kann auch das Ohr beteiligt sein. Gleichzeitig kann eine Gesichtslähmung auftreten.

In seltenen Fällen kann sich die Krankheit vom ursprünglichen Hautsegment auf andere Teile des Körpers ausbreiten. Dies erfolgt jedoch in der Regel nur bei Patient*innen, die aufgrund einer anderen Erkrankung eine stark geschwächte Immunabwehr haben.

Ursachen

Eine Gürtelrose wird durch das gleiche Virus verursacht, das bei der Erstinfektion (in der Regel bei Kindern) zu Windpocken führt. Die Betroffenen müssen Windpocken gehabt haben, um später eine Gürtelrose zu bekommen.

Menschen, die Gürtelrose haben, können andere nicht in der Weise anstecken, dass sie auch daran erkranken. Allerdings kann der Inhalt der Bläschen andere Personen mit Windpocken infizieren. Der Grund dafür ist, dass dasselbe Virus beide Krankheiten verursacht.

Nach der Windpockenerkrankung im Kindesalter sucht das Virus Nerven auf, die zur Haut führen. Das Virus wird entlang der Nervenbahnen transportiert und legt sich in Nervenknoten in der Nähe des Rückenmarks zur Ruhe. Dort kann das Virus jahrelang ohne Symptome verweilen.

Wenn die Person älter wird, kann das Virus plötzlich beginnen, sich zu vermehren und erneut entlang der Nerven zur Haut zu wandern. Dort tritt eine starke Entzündung auf. Da die Entzündung mit einem bestimmten Nerven verbunden ist, ist der betroffene Bereich ganz klar abgegrenzt. In Ausnahmefällen können Viren von mehreren benachbarten Nerven Gürtelrose verursachen, wodurch sich der Ausschlag etwas mehr ausbreitet.

Gürtelrose tritt bei ansonsten gesunden Personen selten mehrfach auf, bei immungeschwächten Personen sind Rückfälle häufiger.

Risikofaktoren

  • Die Erkrankung wird durch eine geschwächte Immunabwehr begünstigt, z. B. in höherem Alter, infolge einer Chemotherapie, einer HIV-Infektion oder einer Behandlung mit Kortison oder anderen Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken.
  • Verschiedene chronische Krankheiten sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Gürtelrose zu erkranken. Dazu gehören rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Lungenerkrankungen wie COPD.

Häufigkeit

  • Gürtelrose kommt häufig vor. Pro Jahr erkranken in Deutschland ca. 400.000 Personen.
  • Die meisten Fälle treten im Alter über 50 Jahre auf.
  • Die Erkrankung ist bei Frauen etwas häufiger.
  • Etwa 75 % aller Betroffenen entwickeln Nervenschmerzen.

Untersuchungen

  • Die Anamnese (Krankengeschichte) und die typischen Symptome ermöglichen oft eine schnelle Diagnose, vor allem, wenn der Ausschlag sichtbar ist. 
  • Die Haut im Bereich des Ausschlags wird sorgfältig untersucht.
  • Der typische Befund sind Schmerzen und Bläschen auf geröteter Haut, die in einem begrenzten Hautareal auftreten.
  • Wenn die Erkrankung untypisch verläuft, können Viren oder Antikörper in einem Abstrich aus den Bläschen oder im Blut nachgewiesen werden.
  • Bei einer Gürtelrose im Bereich der Augen wird eine augenärztliche Untersuchung empfohlen.

Behandlung

  • Es ist wichtig, den Ausschlag sauber und trocken zu halten, um eine Infektion zu vermeiden.
  • Decken Sie den betroffenen Bereich mit einer sterilen, luftigen Binde ab, die nicht an der Wundoberfläche klebt.

Schmerzmittel

  • Bei Gürtelrose wird eine umgehende Behandlung der akuten Schmerzen empfohlen.
  • Leichtere Fälle können mit einfachen Schmerzmitteln (NSAR oder Paracetamol) behandelt werden. 
  • Wenn die Schmerzen sehr stark sind, können stärkere, verschreibungspflichtige Schmerzmittel erforderlich sein.
  • Bei länger anhaltenden lokalen Schmerzen können Pflaster mit Capsaicin oder Lidocain auf die schmerzende Stelle geklebt werden.
  • Eine gute Schmerzbehandlung ist wichtig. Ob dies der Entwicklung einer Post-Zoster-Neuralgie vorbeugt, ist jedoch nicht sicher belegt.

Antivirale Therapie

  • Bei Personen mit einem großflächigen Ausschlag und starken Schmerzen, bei Gürtelrose im Kopf-Hals-Bereich, bei schweren Verläufen und bei Patient*innen ab 50 Jahren und/oder mit einem geschwächten Immunsystem wird eine Behandlung mit antiviralen Mitteln empfohlen, um die Vermehrung des Virus im Körper zu hemmen.
  • Dabei handelt es sich um verschreibungspflichtige Tabletten (Aciclovir oder Famciclovir), die in der Regel 7 Tage lang eingenommen werden.
  • Die Behandlung sollte so früh wie möglich innerhalb von 72 Stunden begonnen werden.
  • Bei kompliziertem Verlauf der Erkrankung kann Aciclovir auch intravenös in die Blutbahn verabreicht werden.
  • Das Medikament dämmt die Gürtelrose etwas ein und kürzt den Krankheitsverlauf ab. Laut Studien kann die Behandlung mit antiviralen Mitteln langfristige Nervenschmerzen nicht verhindern.

Vorbeugung

  • Wenn Sie an Gürtelrose erkrankt sind, sollten Sie den Kontakt zu Menschen vermeiden, die noch keine Windpocken hatten und nicht geimpft sind. Dies gilt insbesondere für immungeschwächte Menschen, Neugeborene und Schwangere.
  • Beachten Sie allgemeine Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen.

Impfung gegen Gürtelrose

  • In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Gürtelrose für Personen ab 50 Jahren zugelassen und verfügbar. 
  • Die Impfung mit dem Totimpfstoff ist von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit Dezember 2018 für alle Personen über 60 Jahren empfohlen.
  • Für Patient*innen mit einer Immunschwäche oder einer chronischen Grunderkrankung empfiehlt die STIKO die Gürtelrose-Impfung bereits ab 50 Jahren.
  • Die Impfung wird in 2 Dosen im Abstand von 2–6 Monaten verabreicht und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
  • Sie schützt vor einer Gürtelrose-Erkrankung und senkt das Risiko einer Post-Zoster-Neuralgie.

Impfung gegen Windpocken

  • Die Impfung von Säuglingen gegen Windpocken reduziert nachweislich das Vorkommen sowohl von Windpocken als auch von Gürtelrose bei Kindern.
  • Allerdings kann eine Gürtelrose auch bei gegen Windpocken geimpften Menschen auftreten, dies ist jedoch selten. 
  • Die STIKO empfiehlt die Windpocken-Impfung für alle Kinder und Jugendlichen.

Prognose

Die Gürtelrose ist in den meisten Fällen keine gefährliche Erkrankung und verschwindet von selbst. Die Symptome erreichen innerhalb von etwa einer Woche ihren Höhepunkt und klingen anschließend über einen Zeitraum von 2–3 Wochen nach und nach ab. Allerdings können während der Erkrankung sehr starke Schmerzen auftreten, daher ist eine gute Schmerzlinderung wichtig.

Eine Gürtelrose tritt nur selten wiederholt auf und dann vor allem bei immungeschwächten Personen.

Das Risiko von Komplikationen ist bei älteren Personen, bei Beteiligung des Auges oder des Ohres und bei immungeschwächten Personen am höchsten.

  • Die häufigste Komplikation sind mehrere Monate oder Jahre andauernde Schmerzen (Post-Zoster-Neuralgie). Diese Schmerzen können intensiv sein und durch leichte Berührungen der Haut ausgelöst werden.
  • Tritt der Ausschlag auf der Stirn auf, besteht die Gefahr, dass auch die Augen angegriffen werden. 
  • Wenn das Ohr betroffen ist, kann es zu Schwindel, Ohrgeräuschen, Hörverlust oder Gesichtslähmung kommen.
  • Der Gürtelrose-Ausschlag kann sich zudem mit Bakterien (Staphylokokken oder Streptokokken) infizieren. Solche superinfizierten Bläschen hinterlassen häufig Narben.

Weitere Informationen

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden